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Ist Jack Dorsey der nächste Steve Jobs?

Quelle: Twitter

Kommt dir diese Geschichte bekannt vor? Ein Gründer wird aus seinem eigenen Unternehmen gedrängt, führt erfolgreich ein anderes Unternehmen, kommt dann zurück und rettet besagtes selbst gegründetes Unternehmen. Das ist natürlich die Geschichte von Apples Steve Jobs, aber viele Twitter (WKN:A1W6XZ) Aktionäre hoffen darauf, dass dies auch die Geschichte von Jack Dorsey sein könnte, der seit dem 5.10. wieder als CEO agiert.

Auf vielen Ebenen passen die Übereinstimmungen, allerdings nicht überall. Dorsey war Twitters CEO, Steve Jobs hingegen hatte diese Position John Sculley überlassen. Außerdem verließ Jobs Apple aus freien Stücken, nachdem er von seinem Verantwortungen befreit worden war – Dorsey hingegen wurde tatsächlich vom Vorstand gehen gelassen. Danach übernahm er einen Platz im Vorstand, Apple schied komplett aus.

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Beiden wurde beim ersten Durchlauf vorgeworfen, dass man schwierig für sie arbeiten könne – und es fast unmöglich sei, mit ihnen zu arbeiten. Steve Jobs hatte den Ruf, über Leichen zu gehen und nur auf die Ergebnisse zu schauen, das wurde in unzähligen Beiträgen, Reportagen, Büchern und Filmen berichtet, die alle sechs Monate auf die Leinwand zu kommen scheinen. (Kein Witz, Hollywood: Es reicht.)

Nick Bilton, Autor der New York Times, beschreibt in seinem Buch „Hatching Twitter“ aus dem Jahr 2013 Dorseys Fehler. Darunter die vielen Auseinandersetzungen mit Mitgründer und Nachfolge-CEO Ev Williams, die Haltung, dass er der „Visionär“ hinter Twitter sei sowie die fehlende Kommunikation mit den Investoren.

Twitter könnte eine Neuerfindung à la Jobs gebrauchen

Jobs und Dorsey wurden zurückgeholt, weil sie als Produktexperten gelten. Und genau das braucht Twitter gerade. So wie Apple in der Zeit nach Jobs dafür kritisiert wurde, dass man von der Produktvision abgewichen ist (siehe Apple Newton), so ist auch Twitter zu früh auf Monetarisierung gegangen und hat dafür Nutzerwachstum geopfert, weil man sich von der Nutzererfahrung abgewandt hat.

Quelle: Twitter

Seit seiner Rückkehr als Interims-CEO hat Dorsey allerdings nichts als Zuspruch für seine Produktentwicklung erhalten, u.a. auch von Lowercase Capital Eigentümer Chris Sacca. Letztens sagte Sacca auf CNBC zu Dorseys Rückkehr: „Das ist keine hypothetische Situation, Dorsey ist jetzt wieder Chef bei Twitter, und das seit über einem Quartal, und seitdem ist die Roadmap für das Produkt massiv vorangeschritten.“ Saccas Wunsch, man möge Dorsey wieder fest als CEO einstellen, ging in Erfüllung. Dorsey bleibt im Vorstand, wenn auch nicht als Vorsitzender, und bleibt CEO bei Square, dem Finanzdienstleister und Abwickler von Transaktionen, den er 2009 mitgegründet hat.

Wo Dorsey es Jobs nachmachen muss

Mittelfristig ist es für Dorsey wohl nicht verkehrt, wenn er es Jobs ein bisschen nachmacht. Kosten sparen, nebenbei auf die Produkterfahrung zwei wachsame Augen haben. Als Jobs zu Apple zurückgekehrt ist, hat er überflüssige Projekte abgeschossen und alles darauf verwendet, den iMac zu entwerfen. Twitter wäre gut beraten, es ähnlich zu tun.

Obwohl es sich dabei nicht tatsächlich um eine Ausgabe handelt, könnte Twitter die Bilanzen aufhellen, indem man die aktienbasierten Kompensierungen kürzt. In den sechs Monaten bis zum 30.6. betrugen Twitters aktienbasierte Kompensierungen beinahe 40 % des Umsatzes – eine massive Zahl, die fast so hoch ist wie die von Forschung (obwohl es dort zugegebenermaßen Überschneidungen gibt).

Kurzfristig könnte es schwierig sein, Nutzerzahlen zu steigern, doch sollten Aktionäre offen für solche Maßnahmen wie diese sein, während man dabei ist, das Produkt zu verbessern.

Wo Dorsey Chris Saccas Rat annehmen sollte

Twitters Aktionäre sollten sich überlegen, den Vorstand auszuwechseln. Twitter scheint ein Vorzeigekandidat dafür zu sein, wo es einem Unternehmen an Sachverstand im Vorstand fehlt, wo die Menschen in der obersten Etage dem Aktionär nicht das Gefühl gibt, dass das Unternehmen von Leuten geführt wird, deren Wissen dem Wohl der Firma beiträgt. Es scheint immer öfter so, als seien Vorstände so etwas wie ABM-Maßnahmen für die Wohlhabenden.

Sacca nannte den Vorstand von Twitter „eine Katastrophe von Anfang an“. Und da liegt er nicht falsch. Dorsey könnte dem Unternehmen gleich seinen Stempel aufdrücken, indem er Rücktritte verlangt, es notfalls den Aktionären übergibt, sollten die betroffenen Personen sich weigern. Er dürfte da auf offene Ohren stoßen.

Alles in allem scheint es so, als würde die Karriere von Jack Dorsey ähnlich verlaufen wie die von Steve Jobs. Und auch wenn die harte Arbeit jetzt erst beginnt, so ist eines doch sicher: In Amerika liebt man Geschichten von einem erfolgreichen Comeback.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Apple und Twitter. Dieser Artikel von Jamal Carnette erschien am 5.10.15 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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