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Warum Ford Motor Company einem Streik ins Auge sieht

Foto: Ford

Fiat Chrysler steht jede Menge Ärger bevor, da die Arbeiter wohl die neuen Rahmenvereinbarungen für die Tarife zurückweisen – aber die sind nicht die einzigen, die mit Gewerkschaften zu kämpfen haben.

Die Arbeiter in Fords (WKN:502391) Fabrik in Kansas City drohen mit Streik. Man sagt, dass die Verhandlungsführer nicht in der Lage waren, mit Fords Management einen neuen standortspezifischen Deal zu vereinbaren.

Eine standortspezifische Vereinbarung ist unabhängig von der landesweit ausgehandelten Vereinbarung. Arbeiter sagen, dass sich Ford geweigert hätte, wichtige Änderungen mit aufzunehmen – und sie haben Ford bis Montag Zeit gegeben, um ein akzeptables neues Angebot vorzulegen.

Wenn der neue Deal nicht zustande kommt, wird es zu einem Streik kommen. Und der dürfte Ford teuer zu stehen kommen.

Streik in Kansas City dürfte Ford schmerzen

Die Fertigungsfabrik in Kansas City produziert das Modell Transit, einen beliebten Van. Darüber hinaus aber auch den allgegenwärtigen Truck F-150.

Der wird zwar auch noch in Dearborn, Michigan, hergestellt. Aber die Verkäufe dieses Modells sind für Ford essenziell. Ford braucht alle Pick-up Trucks, die sie in die Verkaufsräume schaffen können.

Schon seit Monaten ist das Angebot des beliebten Trucks weit unter der Nachfrage. Das liegt daran, dass für das 2015er Modell Teile aus Aluminium verwendet werden, was es in der Branche vorher noch nicht gab. Die Fertigung unterscheidet sich grundlegend von jener, die bei Stahlkomponenten zum Einsatz kommt. Das bedeutet, dass man die Fabriken in Kansas City wie auch in Dearborn hat schließen müssen, um sie komplett neu auszurichten.

Dieser Stillstand kostete Ford etwa 90.000 Verkaufseinheiten. Und die Läden hatten nicht genügend Wagen zum Abverkauf bereit. Mittlerweile laufen beide Fabriken zwar wieder auf Hochtouren, und die Produktion des F-150 erreicht normale Zahlen. Ford konnte also eine aggressive Kampagne starten, um Marktanteile vom Erzfeind General Motors zurückzuerobern.

Und das weiß die UAW, die Gewerkschaft der Automobilarbeiter. Das dürfte ein wichtiger Grund sein, warum man sich entschieden hat, den Streik an diesem Standort anzudrohen.

Es geht um mehr als um den lokalspezifischen Deal

Ich nehme an, dass es dabei weniger um die Vereinbarungen vor Ort geht als darum, was gerade bei Fiat Chrysler vor sich geht.

Die Arbeiter dort sind gar nicht mit dem einverstanden, was die Gewerkschaft für sie zuvor herausgeholt hat. Die größte Beschwerde betrifft das verhasste „Zwei-Stufen-System“, nach dem frisch Angestellte weit weniger verdienen als Angestellte, die schon länger dabei sind. Arbeiter waren enttäuscht, dass dieses System mit den neuen Vereinbarungen nicht abgeschafft wurde.

Das „Zwei-Stufen-System“ wurde 2007 eingeführt, als GM, Ford und Chrysler alle ums Überleben kämpften. Für die Gewerkschaft war das eine bittere Niederlage. Damals allerdings stellte es die bessere Alternative zum Sterben eines dieser Riesen dar.

Arbeiter hassen es nach wie vor. Sie beschweren sich darüber, dass es unfair sei, zwei Arbeitern, die dieselbe Tätigkeit verrichten, zwei unterschiedliche Löhne zu zahlen.

Die Fabrikarbeiter würden sich wohl auf einen Deal einlassen, der ihnen verspricht, dass das System nach und nach abgeschafft wird. Während die neuen Vereinbarungen mit Fiat Chrysler den neueren Arbeitern eine Reihe an Gehaltsanhebungen sichert, die sie nach und nach an das Niveau der alten Hasen heranbringt, schafft sie das System doch nicht ab.

Das ist der Zankapfel. Bei Fiat Chrysler gibt es mehr jüngere und damit weniger verdienende Angestellte als bei GM oder Ford. Dennoch haben alle drei Unternehmen genügend davon, und alle Arbeiter wollen, dass das System auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

Ich nehme an, dass das Drama in Kansas City ein Warnschuss der Gewerkschaft an Ford ist, das Zwei-Stufen-System endlich abzuschaffen.

Ein deutlicher Warnschuss

Es ist schwierig vorherzusagen, was passiert, falls die Arbeiter bei Fiat Chrysler die neue Vereinbarung zurückweisen. Das ist in Detroit schon seit vielen Jahren nicht mehr vorgekommen.

Die Gewerkschaft versucht normalerweise, mit einem der drei großen Detroiter Hersteller ins Geschäft zu kommen, und diese neue Vereinbarung dann als Vorlage für die Verhandlungen mit den anderen Herstellern zu nutzen.

Wenn der Dealt mit Fiat Chrysler nicht zustande kommt, könnte die Gewerkschaft sich noch einmal mit Fiat Chrysler zusammensetzen. Sie könnte aber auch sich dazu entscheiden, stattdessen die Vorlage mit Ford oder GM durchzudrücken.

Die Unruhen in Kansas City könnten ein Zeichen der Gewerkschaft sein, dass Ford als nächstes dran ist. Und dass man dort sich schnell mal ein paar Gedanken zum Thema Zwei-Stufen-System machen sollte. Wir bleiben dran.

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The Motley Fool empfiehlt Ford und General Motors. Dieser Artikel von John Rosevear erschien am 30.9.2015 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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