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Die Aktie der Deutschen Börse: Kaufen oder nicht kaufen? Das ist hier die Frage!

Foto: Wikimedia Commons, Dontworry

Ich habe niemals gelesen, ob William Shakespeare ein besonders guter Anleger war. Aber wir können ihm für die Inspiration zu unserer heutigen Frage danken. Bevor wir jedoch von Poesie zu sehr abgelenkt werden, zur Frage: Sollten wir die Deutsche Börse (WKN: 581005) kaufen? Lass uns einen Blick auf die Aktie werfen.

In unserer Serie über die 30 DAX-Werte haben wir schon über die Deutsche Börse berichtet. Es gibt noch mehr Argumente für – aber auch gegen – den Kauf der Aktie, und diese möchte ich dir nicht vorenthalten. Gerade vor dem Hintergrund der schwachen Aktienmärkte möchte ich noch erklären, was die Aktie zu einem interessanten Dividendenpapier macht, nämlich die Monopole der Börse bei Handel und Abwicklung.

Die Gruppe Deutsche Börse

Die Gruppe Deutsche Börse organisiert den Handel über die Börse Frankfurt, XETRA und Tradegate und erreicht damit einen Marktanteil von über 99 %. Zusätzlich wird die Terminbörse Eurex betrieben, die Tochter Clearstream verwahrt und verwaltet Wertpapiere, und schließlich werden noch die Indizes wie der DAX vermarktet.

Im Jahr 2014 teilten sich die 2,04 Mrd. Euro Nettoerlöse folgendermaßen auf die Segmente auf:

Anteil 2014 an den Nettoerlösen Anteil 2014 am Vorsteuerergebnis
XETRA 8 % 9 %
Eurex 39 % 40 %
Clearstream 34 % 33 %
IT & Market-Data & Services 19 % 18 %

Quelle: Geschäftsbericht 2014

Man sieht also, dass der Börsenhandel – über den ich im ersten Artikel mehr geschrieben habe – selbst gar kein so großes Gewicht bei der Börse hat. Viel wichtiger sind die Terminbörse Eurex und Clearstream.

Clearstream hat ein echtes Monopol

Die Clearstream Banking AG verwahrt und verwaltet Wertpapiere. Zum 30. Juni 2015 waren das Papiere im Gegenwert von rund 13 Billionen Euro.

Ihre wichtigste Rolle ist das sogenannte Clearing. Sie nimmt den einzelnen Banken damit viel Aufwand ab, indem sie die Geschäfte zwischen den einzelnen Häusern abwickelt. Die Bank des Verkäufers einer Aktie bekommt den Verkaufserlös und wird die Aktien los; bei der Bank des Käufers ist es umgekehrt. Es müssen also keine Wertpapiere bewegt werden, und da die Zahlung des Geldes und der Übertrag der Aktien gleichzeitig erfolgen, gibt es für keine Partei ein Risiko. Clearstream zahlt darüber hinaus Zinsen und Dividenden aus, bearbeitet Kapitalmaßnahmen und erledigt auch sonst alle Services rund um Wertpapiere.

Damit ist sie in Deutschland der einzige Anbieter. Keine Bank kann zum Börsenhandel zugelassen werden, ohne Kunde der Börsentochter zu sein. Kein Wertpapier wechselt in Deutschland den Besitzer, ohne dass sie daran verdient. Aber auch international spielt Clearstream eine wesentliche Rolle bei der Abwicklung von Börsengeschäften.

Diese „Mautbrücke“ bietet, wie im letzten Artikel erwähnt, dem Unternehmen Deutsche Börse einen besonderen Schutz gegen Wettbewerber. Es ist oben bereits deutlich geworden, wie sehr die ganze Finanzindustrie in Deutschland auf Clearstream angewiesen ist.

Ein möglicher Wettbewerber müsste sehr hohe Bedingungen erfüllen, um damit gleichzuziehen. Da geht es um regulatorische Anforderungen, um Technik und auch um das Vertrauen der Marktteilnehmer. Ich halte es für ausgeschlossen, dass ein anderes Unternehmen auch nur den Versuch wagen würde, hier einzusteigen.

Diese Monopole beim Handel und bei der Abwicklung sorgen bei der Börse für hohe Margen: 2014 lag das EBIT bei 49 %, d.h. nahezu jeder zweite umgesetzte Euro blieb als operativer Gewinn übrig. Das ist eine Quote, von der andere Unternehmen nur träumen können und im DAX der mit Abstand höchste Wert vor der SAP AG.

Geringes Wachstum und eine besondere Aktionärsstruktur können zum Problem werden

Aber auch bei der Börse ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Konzern hat nämlich ein großes Problem – er wächst nur noch gering. Die Nettoerlöse der Gruppe schwanken seit Jahren konstant um 2 Mrd. EUR. Mal etwas mehr, mal etwas weniger.

Den meisten Aktionären jedoch reicht ein gleichbleibender Umsatz nicht. Sie wollen in der Regel Wachstum sehen, am besten ein starkes Wachstum. Ganz besonders gilt das für die Deutsche Börse AG, bei der es keinen bestimmenden Aktionär gibt: 94 % aller Aktien werden von institutionellen Anlegern gehalten, zumeist Fonds, davon über die Hälfte aus dem angelsächsischen Raum.

Diese Anleger sind nicht gerade für Geduld und langfristiges Denken bekannt. In der Vergangenheit wurde häufig Druck auf die Börse ausgeübt, um jeden Preis zu wachsen – in der Hoffnung auf schnelle Kursgewinne und ohne Rücksicht auf die fernere Zukunft. Ein Beispiel dafür ist die Übernahme der US-Optionsbörse ISE, wo hohe Abschreibungen angefallen sind.

Ich sehe Übernahmen zumeist skeptisch, unabhängig von den beteiligten Unternehmen. Zu oft hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass überhöhte Preise gezahlt wurden sowie die erwarteten Kosteneinsparungen und Zuwächse nicht realisiert werden konnten. Dabei wurde viel Aktionärsvermögen vernichtet. Das abschreckendste Beispiel von allen ist wohl die „Hochzeit im Himmel“ zwischen Daimler und Chrysler.

Sollte die Börse von ihren Aktionären in eine vergleichbare Situation gedrängt werden, wäre das wohl nicht zum Nutzen der langfristig orientierten Anteilseigner. Ich halte das durchaus für möglich, denn es ist immer wieder von einer Konsolidierung der Börsenlandschaft die Rede. 2005 und 2012 scheiterte die Börse bereits mit Übernahmen in London und New York.

Stabiles Geschäftsmodell sichert langfristig Erträge

Insgesamt halte ich die Aktie der Deutsche Börse AG für ein gutes Investment. Ein starkes Wachstum und damit einhergehend große Kursgewinne sind zwar eher nicht zu erwarten, aber die langfristig gesicherten Monopole bilden eine gute Basis für eine regelmäßige Dividende, über die ich im ersten Artikel schon geschrieben habe.

Aus dem geschätzten Gewinn pro Aktie für 2015 von etwa 3,50 bis 4 EUR und einem Kurs von 77,03 EUR (30.09.2015) ergibt sich ein KGV – die gängigste und einfachste Art, eine Aktie zu bewerten – von ca. 20, was ich als angemessen ansehe.

Warren Buffett kann von diesen drei Aktien nur träumen...

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Peter Roegner besitzt keine der im Text genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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