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Der VW-Skandal könnte ein Vorteil für Tesla und andere Elektroautobauer sein

Bild: The Motley Fool

Der Abgasskandal von VW (WKN:766400), der am 25. September an die Öffentlichkeit drang, zieht weite Kreise in der weltweiten Politik und Finanzwelt. Seit dem Bekanntwerden von “Dieselgate” sind die Aktien bis Freitag um etwa 29 % gefallen.

QUELLE: VOLKSWAGEN (SCREENSHOT VON DER VW-HOMEPAGE VOR BEKANNTWERDEN DES SKANDALS)

QUELLE: VOLKSWAGEN (SCREENSHOT VON DER VW-HOMEPAGE VOR BEKANNTWERDEN DES SKANDALS)

Der absichtliche, groß angelegte und langfristige Verstoß gegen die Umweltgesetze der Vereinigten Staaten und anderer Länder ist natürlich keine frohe Kunde für den deutschen Autoriesen. Es könnten aber sehr gute Nachrichten für Hersteller von Elektroautos wie Tesla Motors (WKN:A1CX3T) sein, da dieses Ereignis möglicherweise die Trendwende für die “Elektroautobewegung” sein könnte.

Aber bevor wir unsere Aufmerksamkeit den Problemen von VW und den Vorteilen für die Hersteller von Elektroautos zuwenden, hier noch einmal die Highlights des Skandals:

  • Am 25. September behauptete die US Environmental Protection Agency, dass Volkswagen Software in einigen Fahrzeugmodellen installiert habe, damit diese während der Emissionstest sauberer fuhren als unter Normalbedingungen.
  •  Dies führt zu Autos, die unter Testbedingungen die Standards erfüllen, aber während des normalen Betriebs laut der EPA Stickoxide von bis zu dem 40fachen des Standards ausstoßen.
  • 482.000 Autos in den USA sind betroffen. Diese Fahrzeuge sind der 2009-15 VW Jetta, Beetle, Golf, Passat und Audi A3 mit dem 2,0 Liter TDI 4-Zylindermotor mit dem Label “TDI Clean Diesel”.
  • Die EPA ordnete an, dass VW die betroffenen Modelle nachrüsten und sämtliche Verkäufe aussetzen müsse.
  • Am Dienstag erreichte der Skandal internationales Format, als VW zugab, dass weltweit 11 Millionen Autos betroffen sind.
  • Am Mittwoch verkündete CEO Martin Winterkorn seinen Rücktritt.
  • Am Freitag ernannte VW den Chef von Porsche, Matthias Müller, zum neuen CEO.
  • Die Strafzahlungen in den USA alleine könnten 18 Milliarden USD erreichen.
  • Das amerikanische Justizministerium eröffnete eine strafrechtliche Untersuchung.
  • Die Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt eröffnen Untersuchungen.
  • Sammelklagen werden eingereicht.
  • VW kündigte an, man lege 6,5 Milliarden EURO aus den Gewinnen des dritten Quartals zurück, um die Kosten des Skandals zu tragen. Man sagte, es würde sich eventuell nicht um den endgültigen Betrag handeln.

Wie konnte VW nur so tief sinken?

Wir wissen noch nicht um das ganze Ausmaß dieser Affäre, aber man muss sich schon fragen, wie die Verantwortlichen so… dumm und noch einige andere wenig schmeichelhafte Dinge sein konnten.

Außer natürlich, die Verantwortlichen hätten zu viel von ihren eigenen Abgasen inhaliert, als sie diesen Plan schmiedeten, bleibt nur die offensichtlichste Antwort: Sie fühlten sich unter enormem Druck, Dieselfahrzeuge zu bauen, die immer strengeren Umweltgesetzen und Sparsamkeitsstandards standhalten mussten, ohne dabei die Fahrleistung zu mindern. Nebenbei musste es dann auch noch den Kunden gefallen und eine bestimmte Gewinnmarge musste auch noch drin sein. Ich glaube, sie haben gemerkt, dass dass nicht möglich war, zumindest nicht für einige Fahrzeuge und in einigen Märkten.

Audis Dieselfahrzeuge stützen diese These. Zusätzlich zu dem TDI Audi A3, dem Einstiegsmodell in den Premiumbereich, produziert Audi auch andere Modelle wie den A6, A7, Q5, Q7 und A8L, die auch mit TDI Clean Dieselmotoren verfügbar sind. Diese Modelle sind aber nicht betroffen. Das liegt vielleicht daran, dass der höhere Verkaufspreis es erlaubt, teurere Abgastechnik einzubauen. Wenn man die Kosten nur ein wenig angehoben hätte, dann hätten die Fahrzeuge für den Massenmarkt etwas von ihrer Gewinnmarge verloren, die hier viel geringer sind als in den Premiumfahrzeugen.

Darüber hinaus gibt es noch eine andere Möglichkeit: Der Einbau des AdBlue-Emissionssystems, der einen Tank mit einer harnstoffbasierten Lösung enthält, wäre in einigen Märkten nicht besonders gut angekommen. Diese Systeme erfordern aber auch etwas Wartung, da die Tanks regelmäßig wieder aufgefüllt werden müssen.

Andere Möglichkeiten gäbe es auch. Aber egal, es scheint extrem wahrscheinlich, dass ein Betrug von dieser Größe nicht begangen worden wäre, wenn die Dieselfahrzeuge so hätten produziert werden können, dass sie die Standards einhalten, ohne dabei Sparsamkeit, Leistung, Kundenwünsche und/oder VW’s gewünschte Gewinnmarge zu opfern.
Markiert der Skandal die Trendwende für die Elektroautos?

SOURCE: TESLA.

QUELLE: TESLA.

Es scheint an dieser Stelle sicher zu sein, dass VW seine Strategie in den USA überdenken müssen wird. Bisher hatte man nämlich “saubere Dieselfahrzeuge” den Hybriden oder Elektroautos vorgezogen. Im letzten Jahr machten Dieselfahrzeuge in den USA weniger als 4 % aller verkauften Autos aus. Doch die Verkäufe haben in den letzten Jahren zugenommen. Darüber hinaus machen Dieselfahrzeuge fast ein Viertel von VW’s Verkäufen in den USA aus. Das bedeutet, sie waren unverzichtbar für das Geschäft in Amerika.

VW wird auch seine Strategie in Europa überdenken müssen. Die Emissionsrichtlinien werden auch in Europa immer strenger. Erst kürzlich gab es einen öffentlichen Aufschrei über den Smog aus Dieselautos. Diese sind in Europa aber sehr beliebt und machen zwischen 40 % und 50 % der Neuwagenverkäufe aus. Die folgende Grafik zeigt, wie wichtig Dieselautos für VW und die anderen großen europäischen Autobauer sind.

SOURCE: STATISTA.COM

QUELLE: STATISTA.COM

In diesem Zusammenhang scheint es sicher, dass VW sich jetzt den Elektroautos zuwenden wird, um die Standards in den USA zu erfüllen. Zusätzlich könnte jetzt der Trend in Europa von Diesel hin zu Elektroautos gehen, obwohl das ein langsamer Prozess sein wird.

Elektroautos haben in den letzten Jahren dank Nissan (WKN:853686) und Tesla sehr an Fahrt aufgenommen. Teslas Model S zeigte, dass man nicht auf Stil oder Leistung verzichten muss, wenn man ein Elektroauto kauft. Was aber wohl noch wichtiger ist, sind die superschnellen Ladestationen von Tesla. Die Ladezeit war zuerst noch als das große Manko von Elektroautos gesehen worden. Dieser Trend sollte noch mehr Aufwind bekommen, sobald Tesla das Model 3 präsentiert. Wie CEO Elon Musk kürzlich auf Twitter bekannt gab, wird die Produktion 2017 beginnen und der Preis wird bei 35.000 USD beginnen.

Der VW-Abgasskandal könnte einer der Meilensteine in der “Elektro-Bewegung” werden. Natürlich könnte die Abkehr von Diesel der Gewinn der Elektroautobauer sein. Das gilt insbesondere für Tesla, die gleich auf drei Arten davon profitieren können: 1. Mehr Verkäufe beim Model S und Model X (und dem Model 3 ab 2017), 2. mehr Verkäufe bei den Batterien aus der Gigafactory an andere Elektroautohersteller und 3. Gebühren von anderen Autobauern, um die Ladestationen zu nutzen.

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Motley Fool besitzt und empfiehlt Tesla Motors.
Dieser Artikel wurde von Beth McKennah auf Englisch verfasst und wurde am 27.09.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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