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Die wichtigsten Fragen für Investoren: Was hat das zu bedeuten?

Foto: Pixabay, skeeze

Albert Einstein war ein Genie. Aber seine größte Fähigkeit war weder Mathe noch Physik. Es war sein Zugang zur Wissenschaft.

Wissenschaft kennt zwei Denkweisen. Es gibt das horizontale Denken, welches Informationsschnipsel zusammenfügt. Dort kommt Kreativität her und man sieht, was andere nicht sehen. Dann gibt es noch das vertikale Denken. Dieses bohrt sich tief in ein Thema hinein. Hier entsteht Expertise.

Viele Wissenschaftler meistern entweder das eine oder das andere. Einstein hingegen war bei beiden gut. Der Wissenschaftsautor John Barry schrieb einst:

Einstein soll angeblich gesagt haben, dass sein größtes Wissenschaftstalent die Fähigkeit sei, sich eine große Zahl an Experimenten und Artikeln anzuschauen, sich die wenigen herauszusuchen, die sowohl richtig als auch wichtig sind, den Rest zu ignorieren und eine Theorie darauf aufzubauen. Sein Genie waren der Instinkt für die wichtigen Dinge und die Fähigkeit, diese vertikal zu verfolgen und horizontal zu verknüpfen.

Laut Barry gibt es eine Frage, die sowohl horizontales als auch vertikales Denken verknüpft: „Was hat das zu bedeuten?“

Sich zu fragen, was dies bedeutet, ist der mächtigste Filter, mit dem man unwichtige Dinge von wichtigen Dingen trennen kann. Es ist vielleicht die wichtigste Frage, die du dir stellen solltest, wenn du einer Theorie oder einer Information begegnest. Es ist also der erste Lackmustest, ob du tiefer einsteigen solltest oder nicht.

Wenn du dich bei jedem Ereignis fragst „Was hat das zu bedeuten“, dann passieren drei Dinge.

1. Informationen aus dem einen Gebiet zeigen dir etwas über ein anderes Gebiet

Viele gute Erfinder sind keine Finanzgenies. Sie würden wahrscheinlich durch den CFA-Test durchfallen. Stattdessen haben sie einen gesunden Menschenverstand, der ihnen sagt, wie viele verschiedene Disziplinen funktionieren. Wissen in dem einen Bereich ist großartig, aber es beschränkt dich darauf, ein Gelehrter oder Professor zu werden, der nur sein Fachgebiet dominiert.

Wenn du deine Denkweise breiter machst und so viele Felder, wie möglich einbeziehst – selbst wenn es nur um die Grundlagen geht – kannst du damit näher an die Wahrheit gelangen als mit Expertise auf nur einem einzigen Gebiet. Jedes Fachgebiet hat seine eigenen Herausforderungen. Wenn du die Punkte zwischen mehreren Fachgebieten verbindest, funktioniert dies wie das Internet, nur dass du herausfindest, wie die Welt funktioniert.

Der Investmentkolumnist Jason Zweig schrieb einst:

Mein glücklichster Moment im letzten Jahr war, als ich einen Artikel schrieb, wie ältere Investoren von älteren Hochstaplern hereingelegt werden. Erst später bemerkte ich, zu meiner heimlichen Freude, dass der Artikel durch eine Reihe von Artikeln angereichert wurde, die sich um altruistisches Verhalten bei Fischen drehen und die ich vorher gelesen hatte.

Wenn ich meine Arbeit gut mache, werden meine Stammleser niemals bemerken, dass ich eine Menge meiner Freizeit damit verbringe, Wissenschaftsjournale wie Current Biology, The Journal of Neurosciences und Organizational Behaviour and Human Decission Processes zu lesen. Wenn dieses Wissen mir hilft, neue Möglichkeiten zu finden, die Finanzwelt zu verstehen, werden auch meine Leser dadurch schlauer. Wenn nicht, dann ist das einzige Risiko, einen Teil meiner Freizeit verschwendet zu haben.

Aus meiner Sicht sollte jeder von uns ein paar Stunden pro Woche damit verbringen, Forschungsergebnisse in einer Disziplin zu lesen, die auf den ersten Blick nichts mit seiner täglichen Arbeit zu tun hat.

Hier ist ein Beispiel: Sich anzuschauen, wie Leute auf Sport und Politik reagieren, ist ein gutes Beispiel, wie dumm wir uns verhalten können, wenn der Wunsch zu gewinnen stärker ist, als die Fähigkeit, unsere Einstellung zu ändern. Das ist eine wirksame Investitionslektion, über die Notwendigkeit, gedanklich offen zu sein.

2. Du wirst das verwerfen, was entweder völliger Unsinn oder für deine Situation nicht wichtig ist

Warren Buffett hat auf seinem Schreibtisch einen Ordner mit der Aufschrift “zu schwer”. Die meisten Dinge sind für ihn wahrscheinlich nicht zu schwer, aber die Fähigkeit, Dinge, die nicht wichtig sind, zu ignorieren, ist im Informationszeitalter lebenswichtig.

Wenn du dich immer fragst, „was hat das zu bedeuten“, wirst du als erstes den offensichtlichen Unsinn aussortieren. Und dieser kommt in folgenden Farben:

  • Eigeninteresse: Wenn jemand Geld damit verdient, bekommst du nicht die gesamte Geschichte.
  • Persönliche Rache: Wenn jemand versucht, jemanden durch den Dreck zu ziehen, dann ist die Geschichte einseitig.
  • Schreien/ Großbuchstaben: Ein sicheres Zeichen, dass du keine Argumente hast.
  • Fehlende Kompetenz: Verstümmelung von Fakten, keine einschlägige Historie.

Du solltest auch solche Informationen ignorieren, die zwar wichtig für andere Leute sind, aber nicht für dich. Das größte Problem bei Finanznachrichten ist, dass sie als Einheitsgröße verkauft werden, obwohl jeder eine andere Größe benötigt. Manche Leute sind Daytrader, andere Rentner. Manche sparen fürs Studium, andere leiten einen Fonds.

Ich bin noch ein paar Jahrzehnte von der Rente entfernt. Daher habe ich kein Interesse an Marktvorhersagen, die sich nur über ein Jahr erstrecken. Warum sollte ich? Andere befinden sich jedoch im Rentenalter und benötigen dieses Jahr das Geld. Sich zu fragen, was das bedeutet, filtert schnell heraus, was in deiner Situation wichtig ist.

3. Du wirst die Dinge, die wirklich wichtig sind, ernster nehmen

John Reed schreibt in seinem Buch:

Wenn du beginnst, dich in ein Gebiet einzuarbeiten, scheint es so, als ob du dir Billionen Dinge merken müsstest. Aber du musst nicht. Du musst nur die Kernprinzipien kennen. Das sind meist so drei bis zwölf, um das Gebiet zu kennen. Die Billionen Dinge, die du liest, sind nur Kombinationen der Kernprinzipien.

Beim Investieren ist es das Gleiche. Es richtet sich nach ein paar Regeln, die, wenn sie verstanden wurden, dich fragen lassen: „Was hat das zu bedeuten“, wenn du Details verschiedener Theorien erfährst.

Wenn du den Zinseszins verstehst, die Normalität von Volatilität, Diversifizierung, die Verbindung von Bewertung und zukünftigen Gewinnen und die Tyrannei von Kosten, dann hast du die meisten Sachen im Investitionsspiel verstanden. Nimm diese Dinge ernst, lerne so viel darüber, wie du kannst, werde ein Experte darin und du wirst dich gut schlagen.

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Wie Warren Buffett einmal sagte, musst du keinen IQ eines Genies haben, um ein großartiger Investor zu sein. Alles was du dafür brauchst ist einfache Mathematik, das Wissen auf welche Zahlen du schauen musst und etwas gesunden Menschenverstand. In unserem kostenlosen Spezialbericht "15 Bilanzkennzahlen, die dich zu einem besseren Anleger machen" teilen wir 15 Bilanzkennzahlen mit dir, mit Hilfe derer du die Aktien mit den besten Zukunftsaussichten identifizieren kannst. Klick hier, um kostenlosen Zugang zu diesem Sonderbericht zu erhalten.

Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und am 19.09.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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