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Dialog Semiconductor übernimmt Atmel – kann das gut sein für Investoren?

Foto: Wikimedia Commons

Was für eine Nachricht! Dialog Semiconductor (WKN:927200) übernimmt US Konkurrent Atmel (WKN:882557). Für 4,6 Milliarden US Dollar. Damit verdoppelt Dialog seine Umsätze auf einen Schlag. Ob das so eine gute Idee ist für das Unternehmen? Ich weiß es noch nicht. Die Übernahme bringt enorme Risiken mit sich, hat aber auch etwas Gutes für Dialog Aktionäre. Hier sind meine ersten Gedanken.

Konsolidierung im Halbleitermarkt schreitet voran

Zugegeben, eigentlich darf eine Übernahme in der Halbleiterindustrie heute nicht schockieren. Erst im Januar verkündete Infineon die Akquisition von International Rectifier. Im März zog Chip-Riese NXP Semiconductors mit der Mega-Übernahme von Freescale Semiconductor. Nur drei Monate danach gab Intel mit der Altera-Übernahme einen Deal in ähnlich großen Dimensionen bekannt.

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Dagegen ist der Zusammenschluss von Dialog und Atmel zwar nicht ganz so groß, aber die Deutsch-Briten verdoppeln damit auf einen Schlag ihren Umsatz. Ob Dialog damit einfach nur der Gier der Großen entkommen wollte, um nicht selbst geschluckt zu werden? Ganz so schlimm ist es wahrscheinlich nicht unbedingt, trotzdem hat mich die Nachricht als Dialog Aktionär zunächst einmal sehr überrascht.

Sorgenkind Atmel

Denn mit Atmel hat sich Dialog meiner Meinung nach nicht gerade einen Rohdiamant geschnappt. Die Umsätze der US Amerikaner pendeln laut Capital IQ seit dem Jahr 2000 mehr oder weniger zwischen 1 Mrd. Euro und 1,5 Mrd. Euro hin und her. In den letzten 12 Monaten lagen sie knapp unter 1,2 Mrd. Euro, im Jahr 2014 noch über diesem Wert.

Das ist aber noch das kleinere Problem, denn das heißt ja nicht, dass Dialog nicht konkrete Ideen haben könnte, dies zu ändern. Besonders ein Blick auf Glassdoor.com sollte Aktionären Sorgen bereiten. Glassdoor ist eine Webseite, auf der Mitarbeiter und Bewerber Unternehmen bewerten können. Und dort schneidet Atmel mit einer Durchschnittsbewertung von 2,8 von 5 möglichen Sternen eher bescheiden ab (insgesamt wurden 128 Bewertungen abgegeben – und das sind sehr viele).

Eine Übernahme in einer „normalen“ Größenordnung – bei der der Käufer zumindest etwas größer ist als das gekaufte Unternehmen – wird in den meisten Fällen schon zu einer größeren Herausforderung, als vorher von den Beteiligten angenommen. Insbesondere kulturelle Unterschiede bringen oft sehr hohe Hürden mit sich. Mit der Übernahme eines fast größeren Unternehmens stellt sich Dialog vor ungleich größere Herausforderungen.

Daher kann ich es verstehen, dass Investoren die Aktie abstraften und um fast ein Fünftel nach unten rauschen ließen.

Aber genau hier liegen auch die Chancen

In den negativen Atmel-Bewertungen auf Glassdoor findet man ein Thema immer wieder, welches ich so zusammenfassen würde: schlechtes und überbezahltes Management. Für mich ist klar, dass Dialog diese Sache unbedingt anpacken sollte.

Und diese Möglichkeit könnte es geben. Laut einem Artikel auf Nasdaq.com plante Atmel CEO Steven Laub bereits seine Rente ab September dieses Jahres. Am 24. August gab das Unternehmen dann offenbar plötzlich bekannt, dass man sich in einem strategischen Review-Prozess befinde und man den Vertrag mit Laub deswegen noch einmal verlängere. Daher dürfte der Kopf des Unternehmens nach der Übernahme nicht damit planen, noch sehr lange an Bord zu sein. Das schreit förmlich nach einem potentiellen Umbruch und man kann nur hoffen, dass Dialog diese Chance beim Schopfe packt.

Ein Marktführer mit noch mehr Zukunftspotential?

Glücklicherweise scheint das aber nicht das einzige Potential zu sein, das Dialog in dem Zusammenschluss sieht. Die beiden Firmen zusammen sieht Dialog Chef Jalal Bagherli als „diversifizierten, sehr wachstumsstarken Marktführer in den Bereichen Mobile Power, Internet der Dinge und Automotive.“

Man könnte dies auch als Floskeln abtun, wie sie natürlich jeder Unternehmenschef nach einer solch bedeutenden Übernahme von sich gibt. Aber dahinter könnte durchaus einiges an Wahrheit stecken. Dialog ist Marktführer, was das Powermanagement von mobilen Endgeräten angeht. Dazu kommt, dass Dialog mit einem in diesem Jahr angekündigten Joint Venture auch in das Sensorgeschäft einsteigen will.

Diese Technologien kombiniert mit einem Teil der Expertise, die Atmel mitbringt – allen voran bezüglich Microcontroller, die Smartphones das Kontrollieren anderer Geräte ermöglichen und Technologien, die die Datensicherheit von miteinander verbundenen Geräten erhöhen sollen –, könnten Dialog durchaus zu einem sehr starken Player im Internet der Dinge werden lassen.

Allerdings bringt Atmel noch viele weitere Produkte mit, die auf den ersten Blick nicht alle komplett zur Vision von Dialog Semiconductor passen. Wie sich Dialog zusammen mit seinen neuen Kollegen aus den USA aufstellen wird, bleibt also abzuwarten.

2017 wissen wir mehr

Insgesamt stehe ich dem Deal eher skeptisch gegenüber. Das Sorgenkind Atmel könnte bei der Integration ein zu großer Brocken für Dialog werden. Aber ich war bisher ein Fan von Jalal Bagherli und seine Gedankengänge kann ich teilweise nachvollziehen. Als Aktionär möchte ich ihm vertrauen, dass er die für das Unternehmen bestmögliche Entscheidung getroffen hat – auch wenn mir das noch schwer fällt.

Ob es sich auszahlen wird, werden wir im Geschäftsjahr 2017 sehen, da die Integration erst 2016 komplett abgeschlossen sein soll.

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Bernd Schmid besitzt Aktien von Dialog Semiconductor. The Motley Fool besitzt und empfiehlt NXP Semiconductors. The Motley Fool empfiehlt Intel.

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