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Ölnews: OPEC „berät“ über einen Notfallgipfel

Foto: Wikimedia Commons

Die OPEC hat ihren Standpunkt klargemacht: Sie werden die Produktion nicht allein begrenzen. Aber sie sind bereit, darüber nachzudenken, wenn die Nicht-OPEC-Mitglieder mitziehen. Das ist aber leichter gesagt als getan, da andere große Ölproduzenten ihre Pumpen nicht so leicht abstellen können wie einige OPEC-Länder.

Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Und bei einem Ölpreis unter der Marke von 50 USD pro Barrel, sind die Produzenten in und außerhalb der OPEC eher bereit, diesen Weg zu suchen. Ein Land mit sehr viel Willen ist momentan Venezuela, die die OPEC bittet, die Produktion zu begrenzen und damit den Preis wieder anzuheben, um seine kollabierende Wirtschaft zu retten. Sie glauben auch, einen Weg gefunden zu haben. Daher haben sie der OPEC den Vorschlag unterbreitet, einen Notfallgipfel abzuhalten.

Wer macht mit?

Diese Woche meldete Reuters, dass die OPEC und Nicht-OPEC-Staaten über einen Vorschlag aus Venezuela nach einem Treffen der Staatschefs nachdenken würden. Dies wurde von Mohammed al-Sada aus Qatar bestätigt, der dieses Jahr in der Führung der OPEC sitzt. Er sagte: “Die einzelnen Länder beraten gerade über diesen Vorschlag und wenn es eine entsprechende Antwort von der OPEC und von Ländern außerhalb der OPEC gibt, dann OK.” Er mahnte aber auch: “Aber wir befinden uns noch in den Beratungen.”

Der Schlüssel zu dem Notfallgipfel ist, dass die Nicht-OPEC-Staaten mit Einschränkungen der Fördermenge einverstanden sein müssen, denn die OPEC wird es nicht riskieren, seinen Marktanteil zu verlieren, bloß um den schwächeren Ländern zu helfen. Das wird schwer, denn zwei der größten Nicht-OPEC-Staaten sind die USA und Russland. Wenn man die Vorgeschichte der Amerikaner mit der OPEC bedenkt, dann werden sie auf Wunsch der OPEC wohl keine Pumpen abschalten. Stattdessen wird jede Reduktion in der amerikanischen Produktion auf natürlichem Wege kommen müssen, wenn Ölquellen versiegen und die Förderung aus wirtschaftlichen Gründen nicht anderweitig ersetzt wird.

Für Russland ist es sehr schwer, weniger zu fördern, selbst wenn man es so wollte, denn sie benutzen andere Technologien, um das Öl aus den arktischen Regionen zu fördern. Der stellvertretende Ölminister Arkady Dvorkovich merkte an: “Für Russland ist es aufgrund der Art der Produktion sehr schwierig, den Nachschub künstlich zu kürzen.” Er fügte aber hinzu:“Wenn der Ölpreis für einen langen Zeitraum tief genug ist, wird sich das Angebot auch auf natürliche Weise verringern und ich denke, das ist auch der effizienteste Stabilisator für den Markt.” Darüber hinaus gehören die russischen Ölfirmen, wie in den USA auch, den Aktionären und Banken, und nicht Politikern. Diese Produzenten halten nicht sehr viel von der OPEC, wie der Chef des russischen Ölriesen Rosneft (WKN:A0J3N5) zum Beispiel, der sich neulich erst sehr kritisch über die OPEC geäußert hat und sie für die Überversorgung verantwortlich machte. Er sagte “Sie schaffen es nicht, ihre eigenen Quoten einzuhalten.” und “Hätten sie sich an die Quoten gehalten, wäre der globale Ölmarkt jetzt im Gleichgewicht.” Da die USA und Russland wohl bei der Kürzung der Fördermenge nicht mitspielen werden, bleiben der OPEC weniger Optionen bei der Suche nach gleichgesinnten Partnern.

Viva Mexiko!

Wenn wir schon von Partnern sprechen: Mexiko könnte ein solcher gleichgesinnter Partner sein. Letzte Woche berichtete Bloomberg, dass Mexikos Arbeitsminister mit dem iranischen Ölminister Gespräche geführt habe über eine Koalition zur Verringerung der Produktion. Laut dem iranischen Ölminister Bijan Namdar Zanganeh habe Mexiko “die Bereitschaft zur Kooperation mit der OPEC ausgedrückt, sollte OPEC sich dazu entscheiden, ins Marktmanagement einzusteigen.”

Mexiko hat schon einmal mit der OPEC kooperiert, als 1998 17 ölexportierende Staaten, darunter auch die Nicht-Mitglieder Norwegen und Russland, Kürzungen in der Förderung beschlossen hatten. Damals wurde das Angebot um 200.000 Barrel pro Tag gekürzt, was eine Schlüsselrolle dabei spielte, den Preis aus seinem Tief heraus zu holen, wie man in der folgenden Grafik sehen kann.

MEXIKO ROHÖLPRODUKTION DATA BY YCHARTS.

MEXIKO ROHÖLPRODUKTION DATEN von YCHARTS.

Venezuela und der Iran, zwei der größten Befürworter des Gipfels, werden mehr als die Unterstützung von Mexiko brauchen, um die anderen OPEC-Mitglieder dazu zu bewegen, den Gipfel einzuberufen und den Kürzungen zuzustimmen.

Norwegen gab vor einigen Monaten bekannt, man plane nicht, der OPEC beizutreten, wie damals 1998 und später noch einmal 2002. Das ist teilweise darauf zurückzuführen, dass die norwegische Ölproduktion heutzutage wegen der rückläufigen Produktion der Ölfelder in der Nordsee etwa 1 Million Barrel weniger beträgt als vor gut zehn Jahren. Einfach gesprochen: Sie haben gar nicht die Kapazitäten, um Kürzungen vorzunehmen.

Foolishes Fazit für Investoren

Wegen all dieser Gründe scheint es Wunschdenken zu sein, an einen Notgipfel der OPEC zu glauben. Die OPEC mag vielleicht über den Vorschlag beraten, aber ohne Russland und andere Nicht-OPEC-Staaten wird es schwierig, koordinierte Kürzungen durchzusetzen, da Mexiko allein nicht ausreichen wird, um den Kurs zu ändern, denn es geht ja schließlich immer noch um den Marktanteil.

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Dieser Artikel wurde von Matthew DiLallo auf Englisch verfasst und wurde am 12.09.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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