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Microsoft Office 365 lässt Google spüren, wer der Herr im Haus ist

Foto: Microsoft

Viele Jahre lang war Microsoft (WKN:870747) Office der unumstrittene König auf dem Feld der Produktivitätssoftware. Im Jahr 2012 hat Gartner geschätzt, dass Microsoft auf dem Feld einen Marktanteil von 90% hätte, eine Dominanz, die dazu führte, dass Microsofts Profite vor allem aus dem Geschäft mit Office stammten.

Damit dieses Quasi-Monopol ins Wanken geraten konnte, musste schon die Art und Weise wie Software an Kunden weiterverkauft werden grundlegend geändert werden. So wurde Software zu einer Dienstleistung, wo man Software fortwährend als Abonnement bezieht und die in der Regel über die Cloud vertrieben wird. Das löste das Modell ab, bei dem man mit einer einmaligen Zahlung für immer die Lizenz zur Nutzung erwarb. Das hat viele Unternehmen dazu gebracht, sich das neue Geschäftsmodell näher anzusehen.

Microsoft hat Office 365 – die „Software als Service“-Version von Office – im Jahr 2011 auf den Markt gebracht. Und zwar als Reaktion auf die Konkurrenz von Google (WKN:A0B7FY). Es hat ein paar Jahre gedauert, aber Office gibt so langsam richtig Gas. Einer Studie von Bitglass zufolge nutzen mittlerweile 48% aller Unternehmen Software und Email-Produkte, die cloud-basiert funktionieren. Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeiter sind sogar schon bei 57% – und das, obwohl vor einem Jahr erst 18% dabei waren.

Vor einem Jahr hatten Google Apps die Nase vorn im Unternehmensbereich. 16,3% der Cloud-Services liefen über Google, nur 7,7% über Office 365. Microsoft lag noch immer bei dem Teil des Markts vorne, der nicht cloud-basiert war, aber der Markt bewegte sich direkt unter den Füßen von Microsoft. Es schien damals so, als wären Google diejenigen, die das Ende von Microsoft Office einläuten und damit eventuell sogar Microsofts größtes Produkt kaputt machen.

Aber ganz so lief es dann doch nicht.

Nicht so schnell

Bitglass zufolge ist die Adaption von Office 365 im vergangenen Jahr geradezu explodiert, vor allem im B2B-Bereich hat man Google mehr als nur überholt. Die Rate, mit der Unternehmen auf Office 365 setzen, hat sich verdreifacht: 25,2% der Unternehmen nutzen Office 365, nur 22,8% nutzen Google Apps. Einer anderen Studie zufolge ist Office 365 mittlerweile die am weitesten genutzte Geschäfts-App jedweder Art und konnte sogar Cloud-Giganten wie Salesforce.com abhängen.

Wie ist man aber von einem schwachen zweiten Platz plötzlich auf den ersten Rang vorgeprescht? Ich denke, dass da zwei Faktoren im Spiel sind: Erstens die Entscheidung vo Microsoft, dass man auch andere Plattformen außer Windows bespielt und Deals zur Integration mit anderen Unternehmen machen konnte. Das hat schon einmal viel von der Hemmung genommen, sich für Office 365 zu entscheiden. Microsoft hat Apps für das iPhone, iPad und Android gelauncht und diese Geräte allerbestens bedient. Sogar die Mac-Version von Office hat ein Update bekommen, das erste Update für Mac seit 2011.

Hätte man sich bei Microsoft dazu entschieden, andere Plattformen außer dem eigenen Windows zu ignorieren, dann hätten Unternehmen, bei denen eine Vielzahl von verschiedenen Plattformen genutzt werden, einen guten Grund gehabt, Google Apps zu nutzen. Aber indem man die Geräte willkommen heißt, die Menschen und Unternehmen nun einmal in der Tasche und im Aktenkoffer tragen, hat man bei Microsoft dafür gesorgt, dass Office 365 nicht von Anfang an ein Makel anhaftet.

Außerdem hat man bei Microsoft mit Konkurrenten Deals zur Integration schaffen können. Unternehmen, die Cloud-Speicher anbieten, wie etwa Box oder Dropbox, die eigentlich beide mit Microsofts OneDrive konkurrieren, haben ihre Produkte mittlerweile in Office 365 integriert. Für Microsoft ist es wichtiger, dass Office 365 Erfolg hat, anstatt Nutzerzahlen für OneDrive in die Höhe zu treiben. Es macht also durchaus Sinn, dass man die direkte Konkurrenz pusht. Microsoft hat sogar eine Partnerschaft mit Salesforce schaffen können, obwohl man mit Dynamics CRM einen Konkurrenten im eigenen Stall hat.

Außer, dass man Office 365 leichter zugänglich und kompatibler gemacht hat, hat man gegenüber Google einen großen Vorteil. Da Microsofts Anteil am nicht-cloudbasierten Markt so riesig ist, ist für jedes Unternehmen, das noch Office nutzt, Office 365 der logische nächste Schritt. Nun, da 365 jede große Plattform unterstützt, ist der Unterschied zwischen Office 365 und den Google Apps nur noch der Preis. Die Produkte von Office 365 sind zwar etwas teurer als Google Apps, bieten dafür aber auch mehr Funktionen.

Den Disruptoren durcheinander bringen

Da immer mehr Unternehmen ihre Vorgänge in die Cloud bringen, gibt Microsoft ihnen immer weniger Gründe, zu Google zu wechseln. Das Geschäft mit dem traditionellen Office schwindet, aber Office 365 sollte in der Lage sein, da anzuknüpfen wo der Vorfahr schwächelt.

Google Apps haben ohne Frage dafür gesorgt, dass Microsofts einträglichstes Geschäft sich neu erfinden musste, und das hat Microsoft in kurzer Zeit hinbekommen. Sobald die meisten Unternehmen auf cloud-basierte Lösungen setzen, hat Microsoft vielleicht nicht mehr dieselbe Dominanz wie in der Vergangenheit, weil Google eben doch ein mächtiger Gegner ist. Aber Microsoft Office geht es mehr als prächtig, und die Berichte vom Ende von Office sind vorschnelle Schlüsse.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Google (A Aktie) und Google (C Aktien). The Motley Fool besitzt Aktien von Microsoft. The Motley Fool empfiehlt Gartner und Salesforce.com. Dieser Artikel von Timothy Green erschien am 8.9.2015 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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