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Deutsche Lufthansa: Ein ungeschliffener Diamant oder ein schwaches Unternehmen in einer schwierigen Branche?

Foto: The Motley Fool

Die Luftfahrtindustrie ist eine der schlimmsten Industrien der Welt für Investoren. Sie hat so viele Probleme, dass ich sie kaum alle nennen kann.

Investment-Guru Warren Buffett nennt nur einige: „Man hat riesige Fixkosten, man hat starke Gewerkschaften und man hat eine Preisfindung wie bei Rohstoffen. Das ist kein großartiges Erfolgsrezept.“

Ich stimme Buffett voll und ganz zu. Aber manchmal gibt es in einer schlechten Industrie eine gute Aktie. Ist die Deutsche Lufthansa (WKN:823212) vielleicht ein ungeschliffener Diamant? Ich glaube das nicht, weil das Unternehmen ein weiteres wichtiges Problem hat, das es scheinbar nicht beseitigen kann. Ich sehe aber auch positive Vorzeichen für das Unternehmen. Lass mich dir das alles begründen.

Aber zunächst, wie in unserer DAX-Artikelserie üblich…

Aber zunächst: Was macht die Lufthansa eigentlich genau und wo kommt sie her?

Die Deutsche Lufthansa AG, die gemeinhin als “Lufthansa” bekannt ist, ist die größte Fluggesellschaft Europas und die drittgrößte der Welt, sowohl was die Gesamtzahl der beförderten Passagiere angeht (106 Millionen im Jahr 2014), als auch was die Gesamtflottengröße betrifft (mehr als 600 Flugzeuge). Neben der eigenen Passagierlinie, Lufthansa, befinden sich auch die Austrian Airlines, Swiss International Air Lines und die kostengünstigen Träger Germanwings und Eurowings im Besitz des Unternehmens. Mit der Lufthansa Cargo bedient das Unternehmen auch den Frachtverkehr und mit der Lufthansa Technik bietet es Wartungs- und weitere Dienstleistungen an.

Die Lufthansa wurde 1926 in Berlin gegründet, damals bekannt unter dem Namen Deutsche Luft Hansa oder DLH. Nach einer zehnjährigen Pause nach dem Zweiten Weltkrieg begann das Unternehmen im Jahre 1955 mit einem Passagierservice in fünf deutsche Städte sowie London, Paris, Madrid und New York. Die Lufthansa befand sich bis 1994 im Besitz des deutschen Staates. Heute fliegt sie 18 deutsche Städte und 197 internationale Ziele in 78 Ländern weltweit an.

Obwohl die Lufthansa in Berlin gegründet wurde, bediente sie diese Stadt aufgrund des Berliner Sonderstatus nach dem Krieg bis 1989 nicht. Daher befindet sich auch die Konzernzentrale heute in Köln, wobei das Unternehmen operativ hauptsächlich seinem Hauptverkehrsknotenpunkt auf dem Frankfurter Flughafen aktiv ist. Dort findest du die Mehrheit aller Lufthansa-Piloten, des Bodenpersonals und aller Flugbegleiter.

Was mich an der Lufthansa besonders stört: Die Streiks

Das größte Problem der Lufthansa heute ist auch das für alle sichtbarste: Streiks.

Seit 18 Monaten befindet sich die Lufthansa mit der Piloten-Gewerkschaft Cockpit in einem Arbeitskampf. Es geht dabei hauptsächlich um Lohnkürzungen, Vorruhestandsregelungen und Kostensenkungspläne. Der jüngste Streik am vergangenen Dienstag und Mittwoch war bereits der 13. Streik seit Beginn der Verhandlungen. Dadurch mussten weitere 1.000 Flüge annulliert werden und 140.000 Passagiere waren betroffen.

Die 10 Streiks im Jahr 2014 verursachten einen geschätzten Gesamtschaden in Höhe von 224 Millionen Euro. Ohne die Streiks in dieser Woche kamen in diesem Jahr bereits über 80 Millionen Euro dazu. Hinzu kommen das Chaos auf den Flughäfen und die Beschädigung der Marke und des Rufs der Lufthansa.

Starke Gewerkschaften sind ein Markenzeichen der Luftfahrtindustrie. Wenn Lufthansa erfolgreich sein will, muss es Frieden mit der Cockpit-Vereinigung schließen. Allerdings scheinen sich die Seiten in den letzten 18 Monaten nicht näher gekommen zu sein!

Aber was bedeutet das für die kommenden fünf oder 10 Jahre — Zeiträume, in denen Foolishe Investoren denken sollten? Ja, die aktuellen Streiks werden bis dann (hoffentlich!) beendet sein. Aber die starken Gewerkschaften, mit denen Lufthansa verhandeln muss, werden immer noch existieren. Obwohl eine Einigung immer auch schnell möglich sein kann, es gibt keine Garantie, dass es nicht noch schlimmer wird als dieses Mal! Und die Unfähigkeit der Lufthansa, heute eine schnelle Lösung zu erarbeiten, besorgt mich. Ich bin nicht sicher, ob dieses Problem bis in fünf oder 10 Jahren kleiner werden kann.

Das gute an der Lufthansa Aktie: Das Kurspotential

Der größte Pluspunkt, den ich bei der Lufthansa sehe ist das Potential einer eventuellen Trendwende. Mit einem im letzten Jahr so gebeutelten Aktienkurs könnte es möglicherweise zu erheblichen Wertsteigerungen für Aktionäre kommen, wenn die Lufthansa seine aktuellen Sorgen endlich hinter sich lassen kann.

Dass das Geschäft nämlich laufen kann, wenn es einmal keine großen Störfaktoren gibt, zeigte das zweite Quartal (in Q2 gab es keine Piloten-Streiks und die Kraftstoffpreise waren niedrig). Kraftstoff ist der größte Kostentreiber für Fluggesellschaften, er macht 25-30 % der Gesamtkosten aus. So ist es keine Überraschung, dass sich die Erträge des Unternehmens gegenüber dem Vorjahr auf 529 Millionen Euro verdreifacht haben. Der Umsatz stieg ebenfalls, um ganze 8,9 %.

Eine weitere Chance für die Lufthansa bietet eine potentielle Markt-Konsolidierung, denn die europäische Luftfahrtindustrie ist noch sehr fragmentiert. Die fünf wichtigsten Unternehmen machen nur 40% Marktanteil in Europa aus, im Vergleich zu 90% in Nordamerika. Letzte Woche berichtete Bloomberg Business News, dass der CEO von Turkish Airlines Temel Kotil in einem Interview sagte: „Die Lufthansa und die Turkish Airlines könnten in Zukunft enger zusammenarbeiten… sie sind der stärkste Träger in Nordeuropa und wir sind der stärkste Träger in Südeuropa.“ Solche Bewegungen könnten die Wettbewerbsposition der Lufthansa deutlich stärken.

Das Foolische Fazit

Ich stimme Buffett zu, dass Fluggesellschaften in der Regel keine attraktiven Investitionen sind. Die Lufthansa ist für mich keine Ausnahme. Selbst wenn die Lufthansa eine Einigung mit der Vereinigung Cockpit findet, wird sie immer noch den starken Gegenwind einer sehr wettbewerbsintensiven Industrie spüren. Vielleicht werden mich niedrige Kraftstoffpreise und versierte Konsolidierungen eines besseren belehren, aber im Moment würde ich meine Finger von dieser Aktie lassen.

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John Bromels besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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