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K+S im Fadenkreuz des Feindes: Was der Versuch einer feindlichen Übernahme durch Potash Corp für K+S-Investoren bedeuten würde

Foto: Wikimedia Commons

Potash bereitet feindliche Übernahme von K+S vor

So lautete die Überschrift eines Handelsblatt-Artikels gestern. Offenbar geht die Schlacht zwischen K+S (WKN:KSAG88) und Potash Corporation (WKN:878149) in die nächste Runde – die Kanadier sollen Pläne für eine feindliche Übernahme vorbereitet haben.

Aber was ist hier los, was kann passieren und was soll man als Investor tun?

Noch ist es nicht so weit

Zu einer feindlichen Übernahme kommt es nur, wenn das Management des anvisierten Unternehmens (K+S) einer Übernahme nicht zustimmt. Bisher hat das K+S-Management das Angebot von Potash zwar abgelehnt, ein Hauptgrund dafür war allerdings der Preis von 41 Euro je Aktie. Theoretisch könnte Potash also noch versuchen, das K+S-Management mit einem höheren Preis zu überzeugen.

Das halte ich jedoch für unwahrscheinlich, denn Potash erwartet dafür eine engere Zusammenarbeit mit dem K+S-Management Team und eine tiefere Einsicht in die Bücher von K+S. Darauf möchte sich K+S aber verständlicherweise nicht einlassen – wer möchte schon einem seiner großen Konkurrenten Einblick in das Innenleben seines Unternehmens geben?

Insgesamt gehe ich daher davon aus, dass eine Zusammenarbeit zwischen beiden Management Teams nicht stattfinden wird. Und das veranlasste jetzt Potash offenbar dazu, eine feindliche Übernahme zu planen.

Eine feindliche Übernahme muss gar nicht feindlich sein: Die Aktionäre haben das letzte Wort

So feindlich wie das Wort klingt, muss dieser Prozess aber nicht unbedingt sein. Denn alles was das bedeutet, ist, dass Potash nun uns Aktionäre in den Prozess mit einbezieht. Und da wir die Besitzer des Unternehmens sind, sollten wir auch diejenigen sein, die entscheiden können, wie es weiter geht – und nicht das Managementteam, das unser Unternehmen für uns leitet.

In einem früheren Artikel habe ich zwar beleuchtet, warum ich dieselbe Meinung habe wie das K+S-Management Team und ein Angebot über 41 Euro je Aktie nicht annehmen würde. Allerdings finde ich es nicht ganz so schlimm, wenn Potash nun direkt auf die Aktionäre zugeht.

Aber welche Möglichkeiten hat Potash?

Prinzipiell gibt es zwei:

  1. Potash macht K+S-Aktionären einen sogenannten Tender Offer. Das ist ein offizielles Angebot für den Kauf der Aktien von K+S im Besitz dieser Aktionäre. Dieses Angebot können die Aktionäre annehmen oder ablehnen. Nur wenn ausreichend Aktionäre dem Angebot zustimmen – so dass Potash die gewünschte Menge an Aktien erhalten würde – geht der Deal durch.
  2. Potash geht den Weg des Proxy Fights. Vereinfacht ausgedrückt könnte Potash einige Aktionäre davon überzeugen, ihre Stimmrechte an Potash abzutreten. Diese würde Potash dann nutzen, um die Kontrolle über den Aufsichtsrat von K+S zu erlangen und so das K+S-Management Team auszutauschen – natürlich mit einem neuen Management, das einer Übernahme nicht mehr so abgeneigt sein wird.

Letzteres käme dem Wort feindlicher Übernahme tatsächlich näher, ist aber unwahrscheinlicher, weil es einfach komplizierter und langfristiger ist. Als letzte Möglichkeit würde ich diesen Weg aber dennoch nicht ausschließen.

Wie du siehst, führen beide Wege über K+S-Aktionäre. Die Frage ist jetzt nur, mit welchem Anteil an K+S Potash zufrieden wäre. Sicherlich würden die Kanadier gerne 100 % aller Aktien übernehmen. Womöglich würden sie sich auch mit weniger zufrieden geben, solange sie die Kontrolle über K+S erhalten würden – das heißt im Allgemeinen mit mehr als 50 % der Aktien.

Sollte das der Fall sein, kommt die Frage auf: Wie viele Aktionäre müsste Potash denn von seinem Vorhaben überzeugen, um die gewünschte Menge an Aktien zu übernehmen? Vielleicht gibt es ja ein paar wenige Aktionäre, deren Anteile zusammen schon ausreichen? Schauen wir uns daher mal die Top-Aktionäre von K+S an. Hier sind diejenigen Aktionäre, die mehr als 1 % aller K+S-Aktien besitzen.

Aktionär Anteil an K+S
BlackRock 5,2 %
Commerzbank, Asset Management Arm 5,0 %
Linea 3,0 %
UBS Global Asset Management 2,6 %
Capital Research and Management Company 2,5 %
Deutsche Wealth & Asset Management 1,7 %
The Vanguard Group 1,7 %
J.P. Morgan Asset Management 1,6 %
BNY Mellon Asset Management 1,3 %

Datenquelle: S&P Capital IQ

Diese neun Unternehmen besitzen zusammen rund ein Viertel aller K+S-Aktien. Mit einem so geringen Anteil wird sich Potash wahrscheinlich nicht zufrieden geben. Das heißt, man müsste deutlich mehr Aktionäre überzeugen. Um auf 40 % zu kommen, müsste Potash schon die Top 88 aller K+S-Aktionäre überzeugen. Auf über 50 % kommt Potash nur mit vielen Tausend Aktionären.

Anders ausgedrückt: Mit nur ein paar Freunden wird Potash den Deal nicht über die Bühne kriegen und wir kleineren Aktionäre können den Ausgang mitbestimmen.

Was Investoren tun können und sollten

Da es wahrscheinlich nicht zu einer Einigung zwischen den Management Teams von Potash und K+S kommen wird, rechne ich als K+S-Aktionär mit einem feindlichen Übernahmeversuch. Voraussichtlich wird Potash ein konkretes Angebot an alle Aktionäre für ihre K+S-Aktien machen. Da die Aktionärsstruktur von K+S sehr zerstreut ist, wird auch die Stimme von kleineren Aktionären zählen.

Daher gilt: Jeder Aktionär sollte seine Stimme abgeben, im Zweifelsfall kann sie am Ende einen Unterschied ausmachen. Ich selbst werde meine Aktien nur für deutlich über 41 Euro freiwillig abgeben. Daher bin ich auf die nächsten Schritte von Potash sehr gespannt. Dass der Kampf bald vorüber ist, damit rechne ich allerdings nicht.

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Bernd Schmid besitzt Aktien von K+S. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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