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1 großartiger Grund, die Commerzbank-Aktie zu kaufen (und einer, deine Finger davon zu lassen!)

Foto: Commerzbank AG

Wie gut kennst du die Commerzbank (WKN:CBK100)?

Die Commerzbank ist in den oberen Regionen der DAX-Unternehmen dieser Artikelserie und benötigt keine große Vorstellung. Lauf ein bisschen in deiner Stadt herum und du wirst sicher die eine oder andere Fassade einer Commerzbankfiliale entdecken. Und mit 15 Millionen privaten Kunden haben viele Deutsche ein Konto bei der Bank.

Aber ich frage noch mal: Wie gut kennst du die Commerzbank wirklich?

Die Bank hat ein turbulentes und transformatives Jahrzehnt hinter sich. Sie ist zudem eine Bank, die 2007 einen Gewinn von 2 Milliarden Euro schrieb und dann eine riesige Unterstützung durch die deutsche Regierung in Anspruch nehmen musste.

Wie steht die Commerzbank heute da?

Lass uns anschauen, wo sich die Commerzbank verändert hat und wo sie im Laufe des letzten Jahrzehnts gleich geblieben ist.

  • Verändert: Die Commerzbank hat einen größeren Fußabdruck als noch vor zehn Jahren. Dies liegt hauptsächlich an der (schlecht getimten) Übernahme der Dresdner Bank.
  • Unverändert: Die Bank macht hauptsächlich durch Privatkunden und den Mittelstand Gewinn.
  • Verändert: Die Bank legte ziemlich viel Hoffnung in das Wachstum durch sehr riskante Geschäfte. Investoren können die Überreste davon in einer Sparte finden, die „Nicht-Kern-Vermögensgegenstände“ heißt. Diese sollen so schnell wie möglich abgeschrieben werden. Nachdem sich die Bank daran während der Finanzkrise die Finger verbrannt hatte, hat das Management (zumindest gegenwärtig) den Fokus wieder auf die Kerngeschäfte gerichtet und verfolgt ein inkrementelles Wachstum.
  • Unverändert: Die Commerzbank bleibt eine wertvolle Marke, eine führende Bank in Deutschland und der Champion in Sachen Mittelstand.
  • Verändert: Vor der Finanzkrise lieferte die Commerzbank zweistellige Eigenkapitalrenditen. Heute schafft sie kaum einstellige Beträge.
  • Verändert und doch unverändert: Martin Blessing ist der neue CEO seit Mitte 2008. Er ist allerdings bereits seit 2001 bei der Commerzbank. In seiner bisherigen Karriere arbeitete er auch ein paar Jahre bei der Dresdner Bank.

Alles in allem sehe ich eine klassische Bank, im Gegensatz zur Deutschen Bank (WKN:514000), die sich mehr auf das Investmentbanking konzentriert, die nach einer zu wilden Party wieder nüchtern ist. Sie verstärkt nun ihre Anstrengungen, ihre Position bei Privat- und Geschäftskunden in Deutschland zu sichern und auszubauen. Zudem unternimmt sie Anstrengungen in ausgewählten Märkten, besonders in Mittel- und Osteuropa. Gleichzeitig wartet sie sehnsüchtig darauf, dass sich die weltweite Niedrigzinspolitik ändert und das Bankgeschäft damit wieder einfacher wird.

1 großartiger Grund, in die Commerzbank zu investieren

Wenn du nach einer Entschuldigung suchst, die Aktien der Commerzbank zu kaufen, dann brauchst du bloß auf die gegenwärtige Bewertung der Aktie schauen. Bankanalysten verwenden typischerweise die Kennzahl Verhältnis von Preis zu Buchwert, um Banken zu bewerten. Als Daumenregel gilt, Werte des P/B über zwei sind teuer und unter eins sind besonders billig.

Mit einem P/B von 0,45 (am 27.08.2015) sieht die Commerzbank sehr attraktiv aus.

Das Problem ist, dass die “wahre Billigkeit” einer Bank die Qualität der Bank berücksichtigen muss. Eine Bank, die mit einem P/B von 0,45 gehandelt wird, und eine Eigenkapitalrendite von 12% liefert, ist ganz klar ein Schnäppchen. Die Commerzbank leistet dies aber bei Weitem nicht.

Obwohl die niedrige Kennzahl ein großartiger Grund sein könnte, die Commerzbank-Aktie zu kaufen, musst du auch daran glauben, dass sich die Rentabilität der Bank aufgrund von Veränderungen wieder erholt. Solche Änderungen könnten im marktüblichen Zins, in der Effizienz der einzelnen Sparten der Bank, bei regulatorischen und rechtlichen Problemen, einer erfolgreichen Abschreibung der Nicht-Kern-Vermögensgegenstände usw. liegen.

1 großartiger Grund, Commerzbank nicht zu kaufen

Dieser folgt logischerweise dem oben genannten Grund. Die Commerzbank zeigt keine gute Leistung. Wenn sie nicht in der Lage ist, das Blatt zu wenden, dann wird selbst eine niedrige Bewertung kein Interesse bei Investoren wecken.

Es gibt externe Probleme, die die Bank nach unten ziehen. Dies sind besonders die niedrigen Zinsen und die strengere Regulierung von Banken. Allerdings muss sich die Bank von innen ändern, um ihren Investoren nützlich zu sein. Wenn die Commerzbank nicht in der Lage ist, ihre Effizienz zu erhöhen, ihre Nicht-Kern-Vermögensgegenstände abzuschreiben und im deutschen sowie internationalen Markt zu wachsen, dann wird die Rentabilität immer am Boden bleiben. Mr. Market wird dann keinen Grund sehen, die Bewertung der Bank steigen zu lassen.

Was ein Fool daraus lernt

Ich persönlich halte im Moment keine Aktien der Commerzbank. Außerdem ist sie nicht gerade besonders weit oben auf meiner Beobachtungsliste (allerdings ist sie weiter unten zu finden). Ich denke nicht, dass Investoren von der niedrigen Bewertung der Aktie und einem langfristigen Umschwung im Bankenzyklus profitieren.

Ob das nun heißt, dass Investoren damit Gewinne einstreichen können, die andere Anlagen im Bankensektor übertreffen? Ich denke, das hängt davon ab, ob die Commerzbank beweisen kann, dass sie eine hochwertige Bank mit einer Vision ist. Für mich ist dies momentan nicht der Fall.

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Matt Koppenheffer besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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