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Wieso Proctor & Gamble auf seinem eigenen Feld von Nestle und Unilever geschlagen wird

Foto: Pixabay, Hebi65

Der amerikanische Gigant Proctor & Gamble (WKN:852062) hat einen sehr hohen Stellenwert unter den Investoren. Unter anderem aufgrund der 59 Dividendensteigerungen in den letzten 59 Jahren. Proctor & Gamble ist ein Dividendenaristokrat hoch zwei.

Das führt dazu, dass Proctor & Gamble häufig als die beste Aktie unter den Basiskonsumgüterherstellern gewählt wird. Investoren, die mutig genug sind sich auch in Europa umzusehen, werden aber einige hochprofitable Konsumgüteraktien finden, die derzeit schneller wachsen als Proctor & Gamble. Proctor & Gamble steckt aktuell in einer ziemlich schwierigen Situation. Der steigende Dollarkurs lässt die Umsatzerlöse einbrechen und das Management ist dabei das aufgeblähte Markenportfolio zu verschlanken.

Nun folgen drei enorme Vorteile, die die europäischen Giganten Nestle (WKN:A0Q4DC) und Unilever (WKN:A0JNE2) gegenüber Proctor & Gamble haben.

Vorteil Nr. 1: Die Währung

Proctor & Gamble wird durch den starken US-Dollar bestraft. Die ausländischen Umsätze von international tätigen US-Konzernen verkümmern durch den Anstieg des Dollars im Vergleich zu anderen Währungen, wie zum Beispiel dem Euro, da die ausländischen Umsätze in USD bei einem starken Dollar geringer ausfallen als bei einem schwachen Dollar.

Tatsächlich hat der starke Dollar bei Proctor & Gamble im Geschäftsjahr 2015 zu einem Rückgang der Umsatzsteigerung um volle 6 Prozentpunkte geführt. Aufgrund unvorhersehbarer Währungsschwankungen sank der Umsatz von Proctor & Gamble um 5 % auf 76,3 Mrd. USD. Ohne Währungseffekte betrug das organische Wachstum des Unternehmens also lediglich 1 %.

Im Vergleich dazu konnte Nestle im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres ein organisches Umsatzwachstum von 4,5 % ausweisen. Unilever konnte dieser Ergebnis sogar noch übertreffen: Die Umsätze stiegen im ersten Halbjahr um 12 %, wobei 10 Prozentunkte durch positive Währungseffekte bedingt sind. Diese Zahlen zeigen, wie stark US-amerikanische Konzerne unter dem starken Dollar leiden und wie europäische Konzerne von dem starken Dollar profitieren.

Vorteil Nr. 2: Nahrungsmittel

Proctor & Gamble ist ein Konsumgüterhersteller, der sich ausschließlich auf Produkte wie Zahnpasta, Waschpulver und Rasierklingen fokussiert. Nestle und Unilever haben hingegen jeweils große Nahrungsmittelsegmente. Unilever führt Marken wie Ben & Jerry’s, Lipton und Hellman’s. Dies gibt Nestle und Unilever einen Vorsprung, da ihre erfolgreichen Nahrungsmittelbereiche stabile Wachstumsraten und kontinuierliche Gewinne einfahren.

Nestle hat ein riesiges Portfolio an Nahrungsmittelmarken. Sowohl die namensgleichen Schokoladen- und Schokoladenkonfektprodukte, als auch eine Vielzahl von Müslisorten, Molkereiprodukte und Tiefkühlkost. Das organische Umsatzwachstum der Wasserprodukte von Nestle betrug im ersten Halbjahr, getrieben durch zweistellige Wachstumsraten bei Nestle Pure Life, 5,3 %. Die Umsätze von Nestles Nahrungsmittelprodukte sind im gleichen Zeitraum um 3,9 % organisch gewachsen.

Der Nahrungsmittelbereich von Unilever konnte im ersten Halbjahr ein organisches Volumenwachstum von 1,5 % und ein organisches Umsatzwachstum von 1,6 % vorweisen.

Vorteil Nr. 3: Wachstumsmärkte

Nestle und Unilever übertreffen Proctor & Gamble auch in den äußerst lukrativen Wachstumsmärkten auf denen das Wirtschaftswachstum deutlich höher ist als in entwickelten Ländern wie den Vereinigten Staaten. Wachstumsmärkte hatten einen Umsatzanteil von 57 % bei Unilever und 44 % bei Nestle. Im Vergleich dazu liegt der Umsatzanteil von Wachstumsmärkten bei Proctor & Gamble lediglich bei 39 %.

Unilever ist in wenig entwickelten Ländern, wie Indien und China, enorm erfolgreich und baut sein Portfolio um, um in diesen Ländern noch größere Fortschritte zu erzielen. Beispielsweise hat Unilever letztes Jahr zwei nordamerikanische Pastasaucenhersteller (Ragu und Bertolli) für 2,15 Mrd. USD verkauft und die Einnahmen in die Qinyuan Gruppe, einem chinesischen Wasseraufbereiter, reinvestiert. Dieser Zug führte zu einer Verdoppelung der Größe von Unilever in diesem Geschäftsbereich.

Nestle erzielte im ersten Halbjahr 2015 im Jahresvergleich ein organisches Wachstum von 7,3 % auf den Wachstumsmärkten.

Das Nettoergebnis

Zusammen haben die drei erwähnten Faktoren eine deutliche Wirkung auf Proctor & Gamble. Der Umsatz des Unternehmens sank im letzten Geschäftsjahr, was es schwer macht, die Aktionäre angemessen zu beteiligen. Proctor & Gamble entwickelte sich schlechter als die beiden europäischen Konkurrenten und konnte seine Dividende lediglich um 2,9 % erhöhen. Unilever erhöhte seine Dividende hingegen um 7 % und die Nestle-Aktien rentieren derzeit mit 3,1 %.

Der Aktienkurs von Proctor & Gamble ist im letzten Jahr um 18 % gefallen. Die Aktienkurse von Unilever und Nestle stiegen hingegen um jeweils 5 %. Aufgrund der Stärke von Unilever und Nestle im Nahrungsmittelbereich und in den Entwicklungsländern, bin ich der Meinung, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird

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The Motley Fool empfiehlt Proctor & Gamble und Unilever.

Dieser Artikel wurde von Bob Ciura auf Englisch verfasst und wurde am 27.08.2015 auf fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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