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Warum Investoren das Versicherungsgeschäft der Allianz lieben sollten – PIMCO dafür weniger

Foto: Wikimedia

Im zweiten Teil unserer September Artikelserie In 30 Tagen durch den DAX werfen wir einen Blick auf das achtgrößte DAX Unternehmen, den Versicherungsriesen Allianz (WKN:840400). Hier erfährst du, wie das Unternehmen sein Geld wirklich verdient, welcher Geschäftsbereich sehr gute Leistungen bringt und welcher momentan gar nicht toll läuft.

Zunächst aber: Herzlichen Glückwunsch zum 125. Geburtstag, liebe Allianz!

Wie und wo die Allianz ihr Geld verdient

122 Milliarden Euro Umsatz und 10,4 Milliarden Euro operativen Gewinn, das sind die beeindruckenden Zahlen der Allianz Group aus dem Geschäftsjahr 2014. In der folgenden Grafik siehst du, womit das Unternehmen diese Zahlen eingefahren hat.

Beiträge zum Umsatz und operativen Gewinn 2014; Datenquelle: Allianz Group Geschäftsbericht 2014

Beiträge zum Umsatz und operativen Gewinn 2014; Datenquelle: Allianz Group Geschäftsbericht 2014

94 % des Umsatzes und der Großteil des Gewinns wird also wenig überraschend mit Versicherungen erwirtschaftet. Umso beeindruckender sind folgende Zahlen: 2014 waren weltweit 85 Millionen Kunden bei der Allianz versichert (2013: 83 Millionen), und die Allianz bietet ihre Produkte in folgenden über 70 Ländern an.

Quelle: Allianz Geschäftsbericht 2014

Quelle: Allianz Geschäftsbericht 2014

Kernmarkt ist Europa: 23,9 % aller Versicherungskunden kommen aus Deutschland, 7,9 % aus Italien und 6,8 % aus Frankreich. Die USA ist der viertgrößte Markt (1,4 % aller Kunden).

Vielleicht ist dir oben auf der Umsatz- und Gewinnübersicht aufgefallen, dass das Segment Asset Management zwar nicht großartig auffällt, der Beitrag zum operativen Gewinn dafür umso mehr.

Was macht dieser Geschäftsbereich? Ganz einfach: Er nimmt einige der von den Versicherungssegmenten kassierten Milliarden (eigentlich rund eine halbe Billion Euro im Jahr 2014) in die Hand und legt sie in Anleihen, Aktien und so weiter an. Offenbar funktioniert das so gut, dass auch Dritte satte 1,3 Billionen Euro ihres Vermögens der Allianz anvertrauten. Für das Investieren kassiert die Allianz dann die Gebühren, die diesen stattlichen Gewinnbeitrag zur Folge haben.

Das Tolle an der Allianz: Die Schaden- und Unfallversicherung

Die Allianz verdient Geld mit ihren Versicherungen.

Hast du gelacht? Falls ja: Das ist gar nicht so selbstverständlich, wie man denken möchte. Der Versicherungsmarkt ist so umkämpft, dass viele Versicherer sich gegenseitig unterbieten und ihre Versicherungen sogar verkaufen, wenn sie damit keinen Gewinn oder sogar Verluste machen. Der Grund: Sie wollen die Prämien einkassieren und sie dann gewinnbringend anlegen.

Die Allianz spielt dieses Spiel nicht mit und betreibt ihr Geschäft verantwortungsbewusst (für uns Investoren). Das erkennst du an der sogenannten Schaden-Kosten-Quote. Um diese zu berechnen rechnet man die Summe aus allen bezahlten Versicherungsschäden und den laufenden Kosten des Versicherungsgeschäfts aus und setzt diese ins Verhältnis zu den von den Versicherten einkassierten Prämien. Bei der Allianz ergibt diese Rechnung folgendes.

2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
 92,9 %  92,9 %  93,7 %  95,4 %  97,4 %  97,2 %  97,8 %  96,2 %  94,3 %  94,3 %

Datenquelle: S&P Capital IQ und Allianz Geschäftsbericht 2014

Alles unter 100 % ist gut und die Zahlen unter 95 % würde ich sogar als sehr gut bezeichnen. Das letzte Mal lag diese Quote bei der Allianz über 100 % vor 13 Jahren (105,7 %).

Zusammen mit den seit 2009 laut Geschäftsberichten wieder steigenden Versicherungseinnahmen (nur 2013 gab es einen Einbruch um 0,1 % auf 46,6 Milliarden Euro) sehe ich die Schaden- und Unfallversicherung der Allianz als klares Plus für Investoren.

Die weniger erfreuliche Seite der Allianz: PIMCO

PIMCO steht für die Pacific Investment Management Company. Diese wurde im Jahr 2000 von der Allianz gekauft und bildet zusammen mit AllianzGI das Asset Management des Unternehmens. Die PIMCO ist der deutlich bessere Vermögensverwalter. Die folgende Tabelle zeigt den Anteil des Vermögens Dritter, mit dem eine Rendite erwirtschaftet wurde, die besser als die Marktrendite war.

2012 2013 2014
PIMCO 96 % 90 % 88 %
AllianzGI 62 % 55 % 55 %

Quelle: Geschäftsbericht 2014

Moment, das ist doch gut – warum sagst du dann, dass PIMCO das Sorgenkind ist?

Nun: Einer der für diese außergewöhnliche Performance Mitverantwortlichen war PIMCO Mitgründer und damaliger Chefinvestor Bill Gross.

Sagt dir der Name etwas? Das ist derjenige, von dem die Allianz Ende September angekündigt hatte, dass er mit sofortiger Wirkung von PIMCO zurücktreten würde. Das fanden viele der vermögenden Dritten nicht gut. Sie holten sich 2014 226 Milliarden Euro und in den ersten sechs Monaten 2015 noch einmal 85 Milliarden Euro ihres Vermögens wieder zurück.

Die unmittelbaren Auswirkungen: Das Asset Management kassiert weniger Prämien und erwirtschaftete 2014 einen um 18 % geringeren operativen Gewinn als noch 2013. Die langfristigen Auswirkungen können wir noch nicht wirklich abschätzen, denn diese werden erheblich davon abhängen, ob die Nachfolge von Bill Gross für ähnlich starke Renditen sorgen kann.

Und jetzt?

Die Allianz ist ein global diversifiziertes Unternehmen, hat eine starke Marke und betreibt ein profitables Versicherungsgeschäft. Die größten Unsicherheiten bringt das sehr stark zum Gewinn beitragende Segment Asset Management mit sich. Aber auch das Niedrigzinsumfeld stellt die Allianz vor Herausforderungen, denn rund 90 % des Allianz Vermögens steckt in festverzinslichen Anleihen.

Langfristig könnte sich die Allianz Aktie als eine ganz gute Investition herausstellen. Dass du mit ihr den Markt schlagen kannst, das sollten wir meiner Meinung nach zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht erwarten. Wenn du mich fragst, wirst du in den kommenden 28 Septembertagen ziemlich sicher noch das ein oder andere Unternehmen finden, das eine bessere Investition darstellt.

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Bernd Schmid besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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