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Risiko: dein bester Freund, dein schlimmster Feind

Foto: Pixabay, Markgraf-Ave

Risiko ist diese eine Sache, die zwischen deinen super ausgetüftelten Plänen und der immensen Kraft von Zufall, Glück und Missverständnissen liegt. Das Risiko sitzt dir auf der Schulter und lacht sich kaputt, wenn es sieht, dass du deine Zukunft planst: „Haha. Großartig. Köst-lich!“

Aber du solltest noch ein paar Dinge wissen.

Menschen haben unfassbares Talent, extrem gefährliche Risiken zu unterschätzen. Und das ist doppelt gefährlich, weil diejenigen in der Branche mit der meisten Erfahrung und größten Expertise oft am wenigsten in der Lage sind, ihre Branche objektiv einzuschätzen.

Risiko ist ein Produkt der Kultur. Europäer und Kanadier bleiben oft dem Aktienmarkt fern. Für Amerikaner hingegen ist er wie ein Zeitvertreib. Franzosen trinken Milch gerne roh, in Amerika warnt man davor. Europäer haben Angst davor, Kernkraft ausgesetzt zu sein, Amerikanern ist es mehr oder weniger egal. Schlender mal durch ein Flughafenterminal, und du wirst Leute sehen, die Masken vor dem Gesicht tragen, um Ansteckungen Einhalt zu gebieten – direkt daneben ein Kleinkind, das im Staub spielt. Jeder ist davon überzeugt, dass er objektiv denkt und handelt, meistens ist man aber einfach nur dabei, die geltenden Normen seiner angestammten Kultur zu erfüllen.

Erfolg selber ist ein unterschätztes Risiko. Jason Zweig schrieb einmal: „Recht zu haben ist der Feind davon, weiterhin Recht zu haben – einerseits, weil es dich überaus selbstbewusst macht, andererseits, weil du ignorierst, wie die Welt funktioniert.“

Der größte Treibstoff des Risikos sind Schulden, Selbstüberschätzung, zuviel Platz für Fehler und Subventionen von der Regierung.

Vor dem Risiko ist alles egal. Risiken interessieren sich nicht für deine politischen Ansichten oder deine Einstellung zum Leben. Es ist egal, wie du den Markt betrachtest oder was man dir in der Schule beigebracht hat. Risiko ist ein lautloser Killer ohne Moral – Spezialität: Ideologien auf Normalmaß stutzen.

Risiko verkleidet sich als dein bester Freund. Es sagt dir, dass du die richtige Entscheidung triffst, und direkt danach dreht es dir den Rücken zu, lacht dich aus und macht dir das Leben zur Hölle.

Du kannst auch Risiko erzeugen, indem du alles tust, es zu vermeiden. Der niederländische Psychologe Adriaan de Groot zeigte, dass Amateur-Schachspieler sich verrückt machen, wenn sie den perfekten Zug machen wollen, während die Meister nach einem angemessen guten Zug innerhalb einer breiter angelegten Strategie suchen. In vielen Branchen haben die erfolgreichsten Player nicht unbedingt die ausgeklügelsten Methoden. Sie schätzen einfach nur am besten.

Risiko entsteht durch Vernachlässigung. Je mehr du dich darüber lustig machst, desto realer und wahrscheinlicher wird es.

Wir können Risiken nicht besonders gut kommunizieren. Niemand will hören, dass für das nächste Jahr eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 20% besteht – man will eine Empfehlung ob Kauf oder Verkauf. Niemand will eine ungefähre Einschätzung – nur hören, ob es Krebs ist oder nicht. Es ist gefährlich, dass wir da eindeutige Antworten erwarten, wo man nur mit ungefähren Wahrscheinlichkeiten arbeiten kann.

Je besser wir uns mit einer Sache auskennen, desto weniger risikoreich fühlt sie sich an. Dabei ist das Gegenteil oft wahr. Autounfälle kommen nur selten in den Nachrichten – dabei sterben jedes 32.000 Amerikaner in Unfällen. Terrorismus, Fracking, Hai-Angriffe und exotische Krankheiten töten verhältnismäßig wenige Menschen, beherrschen dafür aber jedesmal sofort die Nachrichten.

Je mehr die Medien auf einem Risiko rumreiten, desto kleiner ist es in der Regel. Wenn etwas in die Schlagzeilen kommt, sind die Leute bereits darauf vorbereitet, damit umzugehen und erwarten schon weitere schlechte Nachrichten – das macht die Sache in der Regel weniger risikoreich.

Risiken haben zwei Seiten: wie groß es ist und wie lange es anhält. Beim Investieren legt man oft zu viel Wert auf die erste Seite, nicht genug auf die zweite. Ein Crash von 30%, der sich in ein oder zwei Jahren wieder erholt hat, ist eigentlich kein allzu großes Problem. Aber überdurchschnittlich hohe Kosten, die man jahrzehntelang mitschleift, können einen massiv runterziehen.

Lern, wie man Risiken handhabt, wieviel du eingehen kannst, wie du damit umgehst, wenn es soweit ist, dann kann es ein starker Verbündeter sein. Es ist der Keim einer großen Chance und wahrscheinlich auch nötig, um egal wobei voran zu kommen.

Tu dir einen Gefallen und sieh dir an, wie andere mit Risiken umgehen. Andere Menschen haben schon alles in den Sand gesetzt, was man überhaupt nur in den Sand setzen kann. Lern von ihren Fehlern, anstatt selber etwas in den Sand zu setzen.

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Dieser Artikel von Morgan Housel erschien am 21.8.2015 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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