The Motley Fool

Mein Plan für Crashs am Aktienmarkt

Quelle: https://www.flickr.com/photos/zemistor/2906353344, Foto wurde zugeschnitten

Dieser Artikel ist ein Auszug der 27. August Ausgabe des Motley Fool Newsletters, “Bilanz Ziehen”.Hier kannst du dich kostenlos für unseren Newsletter anmelden.

Zwei Dinge sehe ich besonders oft wenn der Markt fällt: Panik und allgemeine, nicht spezifische Binsenweisheiten.

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Panik zu schieben ist unangebracht und nicht hilfreich. Lass es einfach bleiben.

Was die Binsenweisheiten betrifft, die können absolut hilfreich sein. Manchmal sind es gerade lang erprobte, weise Worte, die wir brauchen um die panischen Querulanten zu unterdrücken die in unseren Köpfen herumschwirren.

Aber manchmal ist das, wonach du Ausschau hältst etwas spezifischer. Etwas das ganz konkret sagt: „Hier habe ich etwas für dich. Das kannst du tun, wenn der Markt abstürzt.“

Darum habe ich einen Artikel von meinem Freund Morgan Housel wirklich genossen. Er hat ihn vor zwei Jahren geschrieben und beschreibt darin den Plan, wie er sein „geparktes“ Geld in einem fallenden Markt einsetzen würde.

Dieser Plan wird nicht für alle unter uns der Richtige sein. Aber auch wenn die Einzelheiten nicht unbedingt alle die richtigen für dich sind, der Plan kann ein Anfangspunkt für deinen eigenen „Crash Plan“ sein.

Aber genug von meiner Seite…hier kommt Morgan!


 

 

Housel_Morgan_200Eine der gängigsten Fragen eines Finanz-TV-Moderators an seine Gesprächspartner ist, ob sie eine Kehrtwende des Marktes oder einen Crash erwarten. Es ist eine merkwürdige Frage. In etwa so als ob man fragt, ob sie erwarten würden, ob der Sommer kommt. Natürlich wird der Sommer kommen und natürlich werden Aktien eine Kehrtwende erleben. Seit 1928 ist der S&P 500 89 Mal von einem Hoch in kurzer Zeit um 10 % zurückgegangen — das entspricht einmal alle 11 Monate und nur eine Handvoll Jahre sind diesem Phänomen entkommen. 10 % Kursrückgänge sind fast so häufig wie der Sommer. Auch Kursstürze um 20 % gab es seit 1928 ganze 21 Mal, also in etwa so häufig wie Präsidentschaftswahlen in den USA stattfinden.

Investieren ist allerdings eine emotionale Angelegenheit und der Reiz des Geldes macht uns wahnhaft, so dass wir es uns sowohl antrainieren zu denken, dass der Markt nicht ab und zu crashen wird (oder soll), als auch in Panik zu verfallen, wenn er es tut. Wenige von uns sind immun dagegen. Genauso wie die Zahl der Investoren, die von sich behaupten konträr zu investieren, um Größenordnungen höher ist als die Zahl der Investoren, die das tatsächlich tun.

Wenn du dich mit dem Gedanken abfindest, dass der Markt des Öfteren crasht (und mit unserer Tendenz, genau dann in Panik auszubrechen), dann macht ein Investmentplan mit strikten Regeln sehr viel mehr Sinn, anstatt einfach zu hoffen, dass du rational reagierst während alle anderen das nicht tun.

Also habe ich einen Plan ausgearbeitet, an den ich mich halten will, wenn der Markt das nächste Mal das Bodenlose sucht.

Sagen wir ich habe 1.000 Euro auf die Seite gelegt, die ich in solchen Situationen investieren kann (zusätzlich zu einem Cashpolster für Notfälle). Es handelt sich dabei um opportunistisches Geld. Hier ist mein Leitplan, wie ich es einzusetzen plane:

Markt fällt um so viel Historische Häufigkeit des Ereignisses So viel investiere ich
10 % Alle 11 Monate 100 Euro
15 % Alle 24 Monate 220 Euro
20 % Alle 4 Jahre 300 Euro
30 % Einmal im Jahrzehnt 130 Euro
40 % Alle paar Jahrzehnte 125 Euro
50 % 2-3 Mal im Jahrhundert 125 Euro

Diese Regeln treffen auf den Teil meines Portfolios zu, mit dem ich in breit gestreute Aktien-Indexfonds investiere, da Gelegenheiten während jedes Crashs in einzelne Unternehmen und Sektoren zu investieren auf unvorhersehbare weise variieren.

Meine Gedanken hinter diesem Plan sind wie folgt.

Meine Annahme ist: Je weiter Aktienkurse abstürzen, desto größer die Gelegenheit zu investieren. Ich wollte ausreichend Geld investieren, um von „ordentlichen“ Gelegenheiten zu profitieren und trotzdem noch genug Geld übrig haben, um einen Vorteil aus den „großen“ Gelegenheiten zu ziehen. Der Betrag, den ich investiere, ist am höchsten, wenn der Markt um 20 % fällt, denn das ist sowohl ein großer als auch ein historisch häufiger Rückgang. Die größte Gelegenheit bietet sich, wenn der Markt um 50 % fällt. Aber das passiert zu wenig häufig, so dass ich nicht einen ganzen Geld-Berg bereithalten möchte, der lange nur rumliegt und nur dann eingesetzt wird, wenn diese Situation eintrifft.

Das ist ein grober Leitfaden. Er berücksichtigt Dinge wie die allgemeine Bewertung von Aktien nicht. Wahrscheinlich würde ich einen Kurssturz um 10 % ignorieren, wenn er die Folge eines immens überbewerteten Marktes ist, wie wir es im Jahr 2000 hatten. Und er berücksichtigt nicht die Tatsache, dass Anleihen oder Immobilien eventuell bessere Anlagechancen bieten.

Folge ich dem Plan genau so wie ich ihn hier beschreibe? Wahrscheinlich nicht. Aber er brachte mich dazu, über Volatilität nachzudenken. Diese Zahlen zu Papier zu bringen zwingt einen dazu, große Kursrückgänge als Gelegenheiten zu sehen, die man ausnutzen sollte — anstatt als Krisen, die man fürchten muss. Im Gegenteil, es fällt einem sogar schwer, über diese Zahlen nachzudenken und sich nicht zu wünschen, dass der Markt bald mal wieder abstürzt.

Am wichtigsten ist, dass der Plan eine Richtlinie ist, die auf einer objektiven Analyse historischer Daten beruht und an die ich mich wenden kann, wenn Aktien in den Keller rauschen – anstatt emotional auf den Typen im Fernsehen zu reagieren, der mir sagt, dass ich in Panik ausbrechen soll.

Winston Churchill sagte einmal: “Lasst unser entwickeltes Gegrüber zu einem entwickelten Denken und Planen werden.” Weise Worte, über die man nachdenken sollte.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und wurde am 19.08.2013 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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