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Big Pharma: Bei Pfizer, GlaxoSmithKline, Merck und Novartis geht Großes vor sich

Quelle: GlaxoSmitKline

Vielleicht ist es dir nicht ganz bewusst, aber in der Big Pharma Branche, zu der Riesen-Player wie Pfizer (WKN:852009), GlaxoSmithKline (WKN:940561) und Merck (WKN:659990) gehören, passiert gerade was richtig Großes.

Was Großes? Was genau?

In vielen Fällen war das Interesse an Leerverkäufen von Aktien aus der Pharma-Branche im letzten Jahr auf Talfahrt. Das Interesse an Leerverkäufen bedeutet in diesem Fall die Anzahl an Aktien, die Monat für Monat von Leerverkäufern gehalten werden.

Leerverkäufe sind nichts anderes als Wetten von Tradern, die man darauf setzt, dass eine Aktie an Wert verlieren wird. Wenn die Aktie an Wert verliert, verdient der Trader Geld. Wenn die Aktie steigt, verlieren die Trader. Was das Leerverkaufen so besonders riskant gegenüber herkömmlichem Kaufen und Verkaufen macht, ist, dass die Profite von Leerverkäufen bei 100% begrenzt sind (eine Aktie kann ja nicht auf unter Null Euro fallen), aber die Verluste sind praktisch potenziell grenzenlos, weil eine Aktie so hoch gehen kann, wie Trader es verkraften können. Das hat Trader aber im Laufe des vergangenen Jahres nicht davon abgehalten, Wetten gegen die große Pharmaindustrie abzuschließen.

Wie du im Graphen unten erkennen kannst, haben zwei der größten Player in der Branche Verluste im Interesse an Leerverkäufen erfahren. (Ich habe Pfizers Graphen außen vor gelassen, da ihre Kurve die der anderen beiden sonst wie gerade Linien aussehen lassen würde.) In Mercks Fall ist es sogar der größte Abfall gegenüber dem Vormonat seit langer Zeit.

MRK Short Interest. Von YCharts

Warum der Wandel vor sich geht

Was aber geht in der Pharma-Branche gerade vor sich, dass Leerverkäufer die Beine in die Hand nehmen und sich verabschieden? Ich denke, dass eine Reihe von Faktoren dafür verantwortlich ist.

Zuerst einmal sind die großen Pharmaunternehmen die größten Probleme mit den Patenten los. Das heißt nicht, dass wir nicht erleben werden, dass große Medikamente von namenlosen Konkurrenten angegriffen werden. Lyrica von Pfizer, ein Medikament, das 5 Milliarden USD wert ist, wird ab Dezember 2018 sich Konkurrenz ausgesetzt sehen, COPD von GlaxoSmithKline und das Asthma-Medikament Advair, das schon vor Jahren seinen Patentschutz verlor, wird wohl bis Ende des Jahrzehnts auf die Hälfte seiner Verkäufe von derzeit 6 Milliarden USD fallen.

Insgesamt aber ist die schlimmste Zeit der Patent-Ausläufe für den Großteil der großen Pharmahersteller vorbei. Und das sieht man an den Zahlen bei den Quartalsberichten. Pfizer kündigte im Q2 an, dass man man trotz des Verlusts von Patentschutz auf Celebrex weiter wachsen würde. Ähnlich Merck: sicher sah der Umsatzrückgang von 10,5% gegenüber dem Vorjahr übel aus, aber sobald man die Währungsfluktuation und Zukäufe aus der Gleichung nimmt, konnte Merck sogar zulegen. Leerverkäufer haben also gemerkt, dass Big Pharma besser in Schuss ist als angenommen.

Und da ist noch mehr.

Quelle: Pfizer

Denn zusätzlich dazu konnte man gut was aus der Pipeline bringen und für organisches Wachstum sorgen.

Eine der größten Hindernisse mit den Patentausläufen ist die, dass die großen Pharmahersteller schnell den verlorenen Umsatz wieder gut machen mussten. Auch wenn die Forschungsabteilungen bei den Herstellern niemals ruhen, war doch die Chance gering, dass sie alle gleichzeitig neue Behandlungen und Medikamente im Ärmel hatten, um die Verluste auszugleichen. Allerdings konnte man schon ein paar Jahre nach den Patentausläufen bemerken, dass Big Pharma beständig neue und erfolgreiche Medikamente rausbringt, die in der Lage sind, Cash in die Kassen zu spülen und Zukäufe zu ermöglichen.

Pfizer hat eine Behandlungsmethode für Brustkrebs namens Ibrance entwickelt, die im Februar – vier Monate früher als vorgesehen – abgesegnet wurde. Die PALOMA-1-Studie, die zur Legalisierung führte, zeigte, dass die Überlebensrate sich bei Behandlung mit dem Medikament beinahe verdoppelte, die durchschnittliche Lebenserwartung um vier Monate stieg. Man könnte daraus ein halbes Dutzend andere Marken ableiten und expandieren. Damit könnte Ibrance für Pfizer ein Medikament mit Wert von 3 Milliarden USD im Jahr oder gar mehr werden.

Quelle: GlaxoSmithKline

Quelle: GlaxoSmithKline

GlaxoSmithKline hatte keinerlei Schwierigkeiten, für ihr großes Arsenal an Atembeschwerdebehandlungen die Lizenzen zu bekommen. Darunter Breo Ellipta, Anoro Ellipta, Arnuity Ellipta und Incruse Ellipta. Breo, was als erstes durchgewunken wurde, nimmt langsam an Fahrt auf, nachdem mehr und mehr Versicherer bereit waren, die Kosten zu übernehmen – nicht zuletzt Dank einem großen Kraftakt der PR-Abteilung von GSK. All diese Atemwegsbehandlungen zusammen sollten die Basis für jene 9,5 Milliarden USD bilden, die GSK mit neuen Produkten bis zum Jahr 2020 verkaufen will.

Mit Keytruda hat auch Merck einen großen Pfeil im Köcher. Denn das Krebs-Medikament ist in der Mono- wie auch in der Kombitherapie einsetzbar und hat damit ein Potenzial von mehreren Milliarden USD. Zuerst wurde es als Medikament für fortgeschrittene Fälle von Melanomen durchgewunken, mittlerweile hinterlässt es aber auch Spuren in der Behandlung von bestimmten Fällen von Lungenkrebs, für die es in den letzten zehn Jahren nur wenig Chancen auf Überleben gab.

Eine andere Schlüsselkomponente sind transformative Akquisitionen. Pfizers Zukauf von Hospira wird das bestehende Markenportfolio noch einmal aufwerten und zu Kosten-Synergien führen, die man am Ende freudig auf dem Kontoauszug erkennen sollte. Glaxos Asset Swap mit Novartis hat etwa 9 Milliarden USD in die Kassen gespült, was gute Neuigkeiten sind, sollte Glaxo auf der Suche nach gemeinsamen Projekten oder gar Zukäufen sein. Merck hingegen hat sich Idenix Pharmaceuticals geschnappt, um die Hepatitis-C-Medikamentsparte zu verstärken. Diese Geschäfte (und die Aussicht auf noch mehr Deals) geben Big Pharma die Möglichkeit, noch mehr Cash zu generieren – und das hat bei Leerverkäufern eindeutig für Panik gesorgt.

PFE Short Interest. Von YCharts

Sollte man jetzt bei Big Pharma einsteigen?

Da es jetzt bei einigen der größten Player der Medikamenten-Industrie bergauf geht, fragst du dich bestimmt, ob jetzt der geeignete Zeitpunkt für den Einstieg ist. Vielleicht sogar gleich alle Aktien? Es ist sicherlich ermutigend, dass Leerverkäufer sich aus dem Geschäft zurückziehen, ist das noch lange kein Grund, die Korken knallen zu lassen.

Eine Sache, die man beherzigen sollte: „Short Covering“ kann eine Aktie in die Höhe treiben, da Leerverkäufer ihre Wetten mit Aktienkäufen absichern müssen und potenziellen Verlusten entgegenkaufen wollen. Da das Interesse an Leerverkäufen zurückgeht, ist es gut möglich, dass wir schon bei einigen Unternehmen einen Höchststand erreicht haben, was dann natürlich lange nicht mehr das gute Geschäft wäre, für das du auf der Lauer liegst.

Außerdem sind die Wachstumsmöglichkeiten für viele der Big Pharma Unternehmen nicht ganz so groß wie du denkst. Für viele der großen Hersteller ist Wachstum im niedrigen einstelligen Bereich die Norm, für allem für jene, die sich noch immer mit den Folgen der Patentaufhebungen herumschlagen. Es ist gut möglich, dass die Turnarounds von Pfizer, Merck und Glaxo noch ein paar Jahre in Anspruch nehmen, bevor sie an Aktionäre eine Dividende ausschütten – selbst, wenn sie so attraktiv bewertet sind, wie der Preis-pro-Einnahmen-Graph unten zeigt:

P/E-Verhältnis. Von YCharts

Anders gesagt: Investoren sollten sich ganz klar darüber sein, dass eine Investition in Big Pharma Jahre dauern könnte, bis sie sich auszahlt. Das ist natürlich per se erstmal nicht schlecht, bedeutet aber auch, dass nur Investoren mit Langzeithorizont sich überhaupt überlegen sollten, in diese Unternehmen zu investieren.

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The Motley Fool besitzt keine der angegebenen Aktien. Dieser Artikel von Sean Williams erschien am 18.8.2015 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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