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3 Dinge, die ich von Netflix lernen konnte, der besten Aktie in meinem Portfolio

Quelle: Netflix

Netflix (WKN:552484) ist eine der großartigen Aktien dieses Jahrzehnts und in vielen Portfolios zu finden. Als ich zum ersten Mal Mitte 2007 dem Namen begegnet bin, habe ich ein paar Aktien gekauft. Ich hatte keine Vorstellung davon, auf was für eine Reise mich die Aktie mitnehmen würde.

Seitdem bin ich ein viel smarterer Investor geworden. Ich denke auch, dass Netflix eine bessere Zukunft vor sich hat als noch 2007. Wir werden wohl keine 40-fache Wertsteigerung mehr sehen, aber dafür ist auch die Gefahr von einem mächtigeren Konkurrenten erdrückt zu werden fast vollständig gebannt. Der Plan des Unternehmens, international einen Fußabdruck zu hinterlassen und den Markt in den USA zu durchdringen, geht zügig voran. Ich bin ehrlich darauf gespannt, was das nächste Jahrzehnt bringen wird.

Hier sind drei Dinge, die ich in meiner Zeit als Netflix-Aktionär gelernt habe:

Gewinnabsicherung ist ein leeres Hype-Wort

Als der Wert meiner Aktien sich das erste Mal verdoppelte, habe ich 20% meiner Anteile verkauft. Ich fühlte mich großartig und konnte nicht fassen, dass es so einfach war, meinen Einsatz zu verdoppeln. Wenn du deine Gewinne absicherst, ist der nächste Schritt naturgemäß der, sich zu überlegen, wohin diese Gewinne fließen sollen. Wäre ich auf der Suche nach einem Eigenheim gewesen oder hätte für die Ausbildung eines Kindes aufkommen müssen, wäre die Entscheidung zu verkaufen recht leicht gefallen. Ich aber war damals 22 Jahre alt, frisch angehender Anwalt, und solche Zwecke waren mir fremd.

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was ich mit den Gewinnen gemacht habe, aber was auch immer es war, es kam nicht dem nahe, was Netflix seitdem geleistet hat. Begriffe wie „Gewinnabsicherung“ schaden mehr, als sie nutzen. In dem Moment, in dem das Geld bei deinem Broker oder als Chips vor dir beim Blackjack liegt, ist es dein Geld. Einen Teil davon zu verkaufen ist einfach nur faul. Ich habe es in der Vergangenheit gemacht und versuche jetzt, es zu vermeiden.

Es ist natürlich mehr als nachvollziehbar, wenn du das Geld dazu nutzt, um es noch besser einzusetzen – oder weil du davon überzeugt bist, dass meine These nicht stimmt. Aber deine Gewinne einfach nur so abzusichern ist oft ein Zeichen, dass du nicht mit dem Unternehmen, in das du investiert hast, ganz einverstanden bist.

Wenn man von 300 USD auf 55 USD rauscht, dann tut das ganz schön weh

Netflix stieg und stieg und stieg, bis die Aktie Mitte 2011 zu einer sechs Monate dauernden Talfahrt ansetzte, an deren Ende sie 80% ihres Werts verloren hatte. Der Aktienpreis sank etwa ein Drittel, weil es viele Sorgen über die Bewertung, Schulden und eigentlich dieselben Themen gab, die Bären heute noch bei der Beurteilung des Unternehmens anführen. Diese Art von Wertverlust ist oft von Unternehmen, die so schnell wie eben Netflix wachsen, zu erwarten.

Im September 2011 ging es weiter abwärts, weil man sich marketingtechnisch den Fehler leistete, in Netflix (zuständig für Streaming) und Qwikster (DVDs per Post) zu splitten. Nachdem man sich ein bisschen berappelt hatte, pendelte sich der Aktienpreis im September 2012 bei 55 USD ein.

Ich erinnere mich noch an die Panik, die das Unternehmen bei mir auslöste, und gab mir selber damals eine „2 minus“ für meine Performance. Obwohl ich alle meine Aktien behielt, verstand ich damals noch nicht ganz, dass dies eine enorme Gelegenheit zum Kauf war. Denn seitdem war die Performance der Aktie schlichtweg atemberaubend.

Einige haben die Gelegenheit beim Schopf gegriffen und damals zugepackt, andere haben sich den Fehler geleistet, fast ganz unten zu verkaufen. Ich habe die Augen geschlossen und bin standhaft geblieben. Sobald sich die Aktie wieder erholte, hörte ich Gerüchte über eine Übernahme von großen Tech-Unternehmen und dachte, wie schön das doch wäre: „Wenn Apple oder Microsoft bei 150 USD zuschlagen, könnte ich mein Geld in eine andere Idee stecken.“ Selbstverständlich passierte das nicht, und Netflix segelte an den 150 USD vorüber. Dann dachte ich: „Wäre es nicht wunderbar, wenn es wieder auf 300 USD hoch geht? Da oben würde ich gerne verkaufen.“ Jeder weiß, wie es weiterging: Das Unternehmen wurde nie gekauft und wird jetzt bei 850 USD vor dem Split gehandelt.

Mein Fehler hier bestand in derselben Sache wie beim zu frühen Verkauf: Ich wollte, dass man mir die Entscheidung einfach abnimmt. Das kam, weil ich unsicher war und nicht einzuschätzen wusste, wohin das Unternehmen – und nicht der Aktienpreis – sich entwickelte. Ich bin froh, dass Netflix nicht übernommen wurde und dass ich meine Aktien behalten habe, denn bei einem Verkauf hätte ich diese Lektion wohl nicht gelernt.

Die beste Art, große Gewinne einzufahren

Die einzige Art und Weise, wie meiner Meinung nach massive Gewinne beim Investieren zu holen sind: großartige Unternehmen wie Netflix kaufen, dann halten und von Zeit zu Zeit noch hinzukaufen. Ich bin mir sicher, dass es Fools gibt, deren Kosten pro Netflix-Aktie bei unter 1 USD sind. Selbst jenen, die schon das Hundertfache aus dem Investment rausgeholt haben, sage ich, dass das Unternehmen noch viele gute Jahre vor sich hat.

Netflix wird auch weiterhin in internationale Märkte hineinwachsen, währenddessen aber auch mehr Abonnenten in den USA und in Kanada dazugewinnen. Wenn alles nach Plan geht, wird das Wachstum geringer und Netflix ein reifes Unternehmen werden. Zu dem Zeitpunkt erwarte ich dann, dass jene Umsätze, die man zuvor zur Expansion genutzt hat, aufs Konto kommen – nächster Schritt: Aktienrückkäufe, Dividenden oder Akquisen.

Wenn man eine Aktie auf diese Weise und zu dieser Dauer gehalten hat, kann man ablesen, wie wichtig Investieren für die Vermögensbildung ist. Stell dir mal vor, du hättest vor einem Jahrzehnt 500 USD in Netflix investiert, und das zu 2,40 USD pro Aktie. Diese 208 Aktien wären jetzt 25.000 USD wert, vorausgesetzt natürlich, du hättest deine Gewinne niemals abgesichert, Steuern darauf gezahlt oder das Geld andersweitig eingesetzt.

Wenn wir uns zukünftiges Wachstum einmal vorstellen und davon ausgehen, dass sich in den nächsten sechs Jahren der Aktienpreis verdoppelt, können wir sehen, wo die eigentliche Magie passiert. Dann nämlich würde die Aktie bei etwa 240 USD gehandelt werden. Wenn man weiterhin davon ausgeht, dass bis dahin eine bescheidene Dividende von 2% ausgeschüttet wird, würdest du jährlich etwa 1.000 USD vom Unternehmen bekommen – also das Doppelte von deinem ursprünglichen Investment. Das wäre machbar, indem man die Einkommenssteuer rausschiebt und ganz ohne dein Zutun.

Charlie Munger, einer der größten Investoren der Welt, hat einmal gesagt, dass Investieren bedeutet, ein paar sehr gute Unternehmen zu finden und dann einfach gar nichts zu tun. Die sehr guten Unternehmen aufzuspüren ist nicht so einfach. Ich allerdings habe gelernt, dass das anschließende Nichtstun fast noch schwieriger sein kann.

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The Motley Fool empfiehlt Apple und Netflix. The Motley Fool besitzt Aktien von Apple, Microsoft und Netflix. Dieser Artikel von James Sullivan erschien am 18.8.2015 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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