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Pfizer ist in Übernahmegesprächen mit GlaxoSmith Kline

Foto: GlaxoSmithKline

Die Aktien von GlaxoSmithKline (WKN:940561) stiegen letzte Woche steil, als Gerüchte über eine mögliche Übernahme durch Pfizer (WKN:852009) die Runde machten. Dies wäre der neuste spekulative Deal in einem rekordverdächtigen Jahr für Übernahmen und Fusionen im Gesundheitssektor.

Darf ich vorstellen? PfizerKline. Das Gerücht über die Übernahme von Glaxo durch Pfizer ist nicht neu. Berichte einer solchen Verbindung gab es seit Monaten. Anfang des Jahres veröffentlichte Gregg Gilbert, ein Biotech-Analyst der Deutschen Bank, einen Bericht mit dem Titel „Introducing PfizierKline“. Darin schrieb er, dass eine Kombination mit GlaxoSmithKline Pfizers Impf- und Konsumentenportfolios diversifizieren würde. Außerdem würde dadurch die Umsatzbasis für das Geschäft verdoppelt bzw. vervierfacht.

Quelle: Pfizer.

Quelle: Pfizer.

Pfizer ist bereits seit einiger Zeit auf Einkaufstour. Letztes Jahr scheiterte der Medikamentenhersteller, der für Verkaufsschlager wir den Cholesteriensenker Lipitor, das Schmerzmittel Lyrica, das Antibiotikum Zithromax, das Potenzmittel Viagra und den Entzündungshemmer Celebrex bekannt ist, bei der Übernahme von AstraZeneca (WKN:886455) trotz eines 119 Milliarden USD schweren Angebots. Wäre dieser Kauf erfolgreich gewesen, wäre dies einer der größten Buyouts in der Pharmaindustrie. Genau wie beim Kauf von AstraZeneca scheint ein Kauf von Glaxo durch das reiche Pfizer logisch. Pfizer sollte ein Unternehmen kaufen, welches bereits Produkte auf dem Markt und am besten eine Adresse im Ausland hat, damit Steuern gespart werden können.

Andrew Baum, Analyst bei Bloomberg, glaubt jedoch nicht, dass die Vereinigung von Glaxo und Pfizer tatsächlich stattfindet, da „der Widerstand der [Britischen] Regierung GSK als unabhängiges Unternehmen zu erhalten, deutlich höher ist als es bei [dem in London ansässigen] AstraZeneca war.“ Trotzdem scheint Pfizer an einem schnellen Deal interessiert zu sein, um seine Umsätze zu stärken.

Die Verbindung dieser zwei Pharmariesen würde zu erheblichen Einsparungen für Pfizer führen, sowohl in der Medikamentenentwicklung als auch in der Verwaltung, da die beiden Unternehmen ein paar überlappende Programme haben. GSK würde seine starken COPD/Asthma-Produkte, inklusive Breo, Anoro, Incruse und Arnuity einbringen. Außerdem würde auch das führende Produkt Advair an Pfizer übergehen und sein Portfolio für Atemmedikamente bereichern. Trotz der Sorgen über einen sinkenden Umsatz hat Glaxo immer noch den größten Marktanteil im Atemwegserkrankungsmarkt.

Hinzu kommt das Impfportfolio, welches Glaxo von Novartis übernommen hat. Dieses würde die sehr erfolgreiche Prevnar-Linie von Pfizer vervollständigen und das vereinte Unternehmen zu einem schlagkräftigen Marktteilnehmer bei Impfungen machen. Glaxo hat 40 Medikamente in der Entwicklung. Davon erwartet das Management, dass 20 die Zulassung in den nächsten fünf Jahren erhalten. Wenn Pfizer nicht in der Lage ist, den Deal abzuschließen, wäre ich nicht überrascht, wenn Pfizer es bei einem anderen Pharmaunternehmen versuchen würde.

M&A ist das neue F&E

Innovationen waren ein Haupttreiber in der Pharmaindustrie, aber Übernahmen und Fusionen (M&A) könnten die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) ersetzen, da größere Pharmaunternehmen ihren beachtlichen Cashflow nutzen, um kleinere Unternehmen zu kaufen. Damit bekommen sie Zugang zu neuen Produkten, die entweder bereits auf dem Markt oder in der Pipeline weit fortgeschritten sind.

In diesem Jahr gab es in den USA bisher 631 Deals im Gesundheitssektor, die eine Summe von 364,5 Milliarden USD ausmachten. Damit übertrafen sie die gesamten Transaktionen in Höhe von 326,4 Milliarden USD aus dem Jahr 2014. Die weltweiten Übernahmen belaufen sich auf 422,8 Milliarden USD bisher in diesem Jahr. Dies sind 42% mehr als noch letztes Jahr. Es scheint bereits ausgemacht, dass 2015 den Spitzenwert von 429,3 Milliarden USD aus 2014 bei M&A übertreffen wird.

Obwohl Wachstum durch M&A nicht neu ist, scheint es heutzutage sinnvoller zu sein, da die Kosten für die Entwicklung neuer Medikamente in die Höhe geschossen sind. Medikamentenhersteller müssen mit 2,5 Milliarden USD aufgeteilt auf zehn Jahre rechnen, bevor sie die Genehmigung für ein neues Medikament erhalten. Das ist fast 150% mehr als die Pharmaunternehmen noch vor 12 Jahren ausgeben mussten. Die Steigerung der Kosten kann teilweise durch die Behandlung komplizierter Krankheiten erklärt werden, wodurch die Gefahr des Scheiterns steigt.

Aufgrund dieser steigenden Entwicklungskosten ist es sinnvoll, dass Pharmagiganten lieber versuchen, neue Medikamente durch Übernahmen zu erwerben als durch Forschung. Wenn ein Unternehmen das Gefühl hat, dass es nicht ausreichend viele Verkaufsschlagermedikamente hat, kann der Kauf kleinerer Unternehmen helfen, den verlorenen Umsatz wieder auszugleichen, wenn die Patentklippe erreicht wird.

Glaxo hat vielleicht mehrere Verehrer

Pfizer ist womöglich nicht der einzige Partner für Glaxo. Das in der Schweiz ansässige Norvartis (WKN:904278) wurde ebenfalls als potenzieller Käufer angesehen. Die zwei Pharmariesen kennen sich bereits gut aufgrund eines Deals im letzten Jahr. Dabei tauschte Glaxo seine Krebsmedikamente gegen die Impfungen von Novartis. Die zwei Unternehmen gründeten zudem ein Joint Venture, um die Konsumentenprodukte zu vermarkten.

Ein Deal zwischen Glaxo und Novartis könnte noch einen Dritten Spieler aufs Feld holen. Das ebenfalls in der Schweiz heimische Unternehmen Roche Holding AG (WKN:851311) könnte ein paar Vermögensgegenstände von Glaxo kaufen.

Auch Johnson & Johnson (WKN:853260), welches in New Jersey ansässig ist, darf nicht fehlen. Das Unternehmen ist bekannt für Konsumentenprodukte wie Band-aid, Tylenol und Listerine. Genau wie bei Pfizer wäre die Überlegung hinter dem Deal, die Impfsparte und die Konsumentenportfolios zu diversifizieren. J&Js Interesse läge darin, seine eigene Kundensparte auszubauen. Da J&J nicht im Impfmarkt aktiv ist, würde es entweder versuchen, diesen Teil zu verkaufen oder damit in den Impfmarkt einzusteigen. Allerdings scheint Pfizer auf der schnelleren Bahn unterwegs zu sein, wie die Gerüchte um die Gespräche zeigen.

Gerüchte können den Preis einer Aktie genauso beeinflussen, wenn nicht sogar noch mehr, wie aktuelle Neuigkeiten. Es ist durchaus möglich, dass eine Übernahme durch Pfizer das beste finanzielle Ergebnis für Glaxo-Aktionäre ist. Aber auch unabhängig von einem möglichen Deal bewegt sich Glaxo in die richtige Richtung. Das Unternehmen kündigte an, dass es 40 neue Medikamente in der Pipeline hat. Davon sind einige die ersten ihrer Art. Zudem sollen 20 dieser Medikamente in den kommenden fünf Jahren die Zulassung erhalten. Außerdem waren die Ergebnisse aus dem zweiten Quartal positiv und besser als erwartet. CEO Andrew Witty steht jedoch weiterhin unter Druck, aufgrund der Übernahme der wenig profitablen Produkte von Novartis, des Versprechens, ins zweistellige Wachstum zurückzukehren und der eingefrorenen Dividende, die jedoch eine beachtliche Rendite verspricht. Diese Probleme verursachen bei den Aktionären noch Bauchschmerzen.

Während sich manche Händler Unternehmen raussuchen, von denen Sie denken, dass sie ein potenzielles Übernahmeziel sind, und hoffen, damit einen schnellen Gewinn zu erzielen, ist das nicht unser „Modus Operandi“. Ich bin ein langfristiger Investor, der in hochwertige Unternehmen investieren will, die eine vorhersehbare beständige und wachsende Dividende haben. Übernahmegerüchte oder nicht, ich werde bei Glaxo passen.

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Dieser Artikel wurde von David Weinberg auf Englisch verfasst und am 11.08.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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