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Die 10 Unternehmen Deutschlands mit dem stärksten Cashflow, von Morphosys über SAP bis hin zu K+S

Foto: The Motley Fool, Matt Koppenheffer

In einem Artikel über die 10 renditestärksten deutschen Unternehmen habe ich angemerkt, dass Gewinn nicht alles ist und man auch einen Blick auf den Cashflow eines Unternehmens werfen sollte. Genau das mache ich hier. Hier erfährst du, welche Unternehmen aus DAX, MDAX, SDAX und TECDAX gemessen an ihrem Umsatz den stärksten Cashflow aufweisen und was wir als Investition daraus lernen können.

Die Liste

Hier sind die 10 Unternehmen, die in den letzten fünf Jahren gemessen an ihrem Umsatz den höchsten operativen Cashflow erzielten.

Unternehmen Index Cashflowmarge
Morphosys (WKN:663200) TECDAX 30,5 %
RIB Software (WKN:A0Z2XN) TECDAX 28,5 %
SAP (WKN:716460) DAX 23,1 %
Rational (WKN:701080) SDAX 22,6 %
Qiagen (WKN:901626) TECDAX 20,9 %
Infineon (WKN:623100) DAX 20,8 %
Merck (WKN:659990) DAX 19,6 %
Software AG (WKN:330400) TEXDAX 18,2 %
Linde (WKN:648300) DAX 17,9 %
K+S (WKN:KSAG88) DAX 17,8 %

Datenquelle: S&P Capital IQ; Cashflowmarge = durchschnittlicher operativer Cashflow der letzten 5 Jahre im Verhältnis zum Umsatz in demselben Zeitraum

Neben vier Unternehmen aus dem TECDAX haben es gleich fünf Unternehmen aus dem DAX in die Liste geschafft. Das ist Rekord unter allen meiner bisherigen Artikeln, in denen ich solche Listen erstellt habe – bei den meisten anderen haben es viele kleinere Unternehmen an die Spitze geschafft.

Mein erster Gedanke beim Betrachten der Liste war daher, dass es uns doch vor allem eines zeigen könnte: wie wichtig Cashflow ist, um ein großes Unternehmen zu werden – und eines zu bleiben. Denn am Ende eines Jahres ist es nicht der Gewinn, der bestimmt, wie viel Geld hereingekommen ist, um in weiteres Geschäft zu investieren, sondern der Cashflow.

Heißt das jetzt also, dass diese 10 Unternehmen gute Investitionen darstellen? Nun, Cashflow ist sehr wichtig, aber ein Unternehmen anhand nur eines Kriteriums auszuwählen könnte eine eher schlechte Idee sein. Und vielleicht fragst du dich auch, weshalb ich hier überhaupt den operativen Cashflow betrachte. Ist es nicht der Freie Cashflow, über den immer alle reden?

Der Freie Cashflow

Zunächst einmal macht es schon Sinn, wenn du dir den operativen Cashflow eines Unternehmens betrachtest. Dieser sagt dir nämlich wie gesagt, wie viel Cash das Unternehmen aus seinem operativen Geschäft generiert. Und je höher dieser ist, desto besser ist es.

Es gibt allerdings eine Sache, die der operative Cashflow ignoriert und die der Freie Cashflow berücksichtigt: Investitionen. Der Freie Cashflow ist nämlich nichts anderes als der operative Cashflow in einem Jahr, abzüglich der Investitionen, die in demselben Jahr getätigt werden.

Der Freie Cashflow ist damit der Anteil des operativen Cashflows eines Unternehmens, der nach (nötigen) Investitionen in das Geschäft übrig bleibt und damit theoretisch an dich als Aktionär ausgeschüttet werden könnte, ohne den Fortbestand des Unternehmens zu gefährden. Aus diesem Grund interessiert der Freie Cashflow häufig mehr als der operative Cashflow. Also lass uns die obige Liste einmal um den Freien Cashflow – ebenfalls als Verhältnis zum Umsatz – ergänzen.

Unternehmen Cashflowmarge Free-Cashflow-Marge
Morphosys 30,5 % 27,9 %
RIB Software 28,5 % 27,0 %
SAP 23,1 % 19,8 %
Rational 22,6 % 20,3 %
Qiagen 20,9 % 13,8 %
Infineon 20,8 % 6,2 %
Merck 19,6 % 15,9 %
Software AG 18,2 % 16,9 %
Linde 17,9 % 6,7 %
K+S 17,8 % 5,4 %

Datenquelle: S&P Capital IQ; Free-Cashflow-Marge = durchschnittlicher Freier Cashflow (operativer Cashflow minus Investitionen) der letzten 5 Jahre im Verhältnis zum Umsatz in demselben Zeitraum

Ganz anders sieht das Bild gar nicht aus. Die Top 4 würden die Top 4 bleiben. Nur SAP würde seinen Podiumsplatz für das einzige SDAX Unternehmen der Liste, Rational, räumen müssen. Von diesen vier Unternehmen investiert SAP gemessen an seinem Umsatz also das meiste in sein Geschäft (das können wir an der Differenz der beiden Zahlen sehen, die bei SAP am größten ist).

Auch Merck und die Software AG haben in den letzten fünf Jahren nur einen relativ geringen Teil ihres operativen Cashflows in ihr Geschäft reinvestiert – die Free-Cashflow-Marge ist daher ähnlich hoch wie die operative Cashflowmarge.

Anders sieht es bei den anderen vier Unternehmen aus und ganz besonders so bei den drei DAX Konzernen Infineon, Linde und K+S. Alle drei weisen eine starke, zweistellige Cashflowmarge, basierend auf ihren operativen Cashflows, auf; basierend auf ihren Freien Cashflows aber nur noch eine mittlere, einstellige Marge.

Was Investoren daraus lernen können

Das erste, das wir aus diesen Zahlen lernen können ist, dass ein hoher operativer Cashflow zwar sehr gut für ein Unternehmen ist. Er bedeutet aber nicht unbedingt, dass ein Unternehmen mit einem hohen operativen Cashflow auch gleichzeitig sehr viel Geld erwirtschaftet hat, das es an seine Aktionäre ausschütten kann (siehe Infineon, Linde und K+S).

Die zweite Lektion entsteht aus der Frage: Worin haben die Unternehmen investiert? Haben sie investiert, um zukünftiges Wachstum zu befeuern – zum Beispiel durch die Erweiterung  von Produktionskapazitäten. Oder haben sie investiert, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten – zum Beispiel durch den Kauf neuer Maschinen, um mit den Wettbewerbern auf Augenhöhe bleiben zu können.

Der Unterschied zwischen beiden ist, dass Investitionen in zukünftiges Wachstum (wenn sie vernünftig getätigt wurden) potentiell in Zukunft zu höherem Cashflow führen, wohingegen Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit im Zweifel notwendig sind, nur um das gegenwärtige Cashflow-Level zu halten.

Als Aktionäre ist uns das erste wesentlich lieber. Aber noch schöner ist es, wenn unser Unternehmen selbst nach Investitionen in die Zukunft noch viel Geld für uns übrig hat. Und es sieht so aus, als ob unter den 10 Unternehmen in der obigen Liste einige dabei sind, die uns genau das bieten könnten.

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Bernd Schmid besitzt Aktien von K+S. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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