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Commerzbank Aktie: Solltest du so begeistert sein wie der Vorstandsvorsitzende Blessing?

Foto: The Motley Fool, Matt Koppenheffer

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank (WKN:CBK100) Martin Blessing nahm bei seiner Bewertung der Leistung der Bank im ersten Halbjahr 2015 kein Blatt vor den Mund. „Das ist ein weiteres Zeugnis des erfolgreichen Turnarounds, den die Bank erreicht hat,“ behauptete er in der Pressemeldung der Bank. „Wir sind mit der strategischen Positionierung auf dem richtigen Kurs.“

Abhängig davon, auf welche Zahlen du schaust, kann man dem leicht zustimmen.

Das operative Ergebnis lag in den ersten sechs Monaten des Jahres bei 1,07 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lag dieses noch bei gerade einmal 581 Millionen Euro. Der Umsatz machte keinen ganz so großen Sprung, landete aber 16 % höher als im Vorjahr bei 5,2 Milliarden Euro. Der Gewinn je Aktie im ersten Halbjahr kam bei 0,55 Euro rein. Beachtenswert: Es handelt sich hierbei um dieselbe Bank, die 2012 einen Gesamtjahresverlust einfuhr und im Gesamtjahr 2013 einen Gewinn je Aktie von gerade einmal 0,09 Euro.

Der Fortschritt ist klar erkennbar. Aber ist er groß genug?

In mancherlei Hinsicht nicht

In den ersten sechs Monaten lag die Eigenkapitalrendite — eine Schlüsselkennzahl zur Messung der Profitabilität — der Commerzbank bei gerade einmal 4,7 %. Das ist zwar wesentlich besser als noch vor einem Jahr, aber noch immer keine attraktive Rendite. Wells Fargo, dessen größter Aktionär Warren Buffetts Berkshire Hathaway ist, verdiente in den letzten 12 Monaten eine Eigenkapitalrendite von 13 %.

Ebenso können wir sehen wie weit der Weg der Commerzbank noch ist, wenn es um das „Efficiency Ratio“ geht — das heißt wie viel des Umsatzes wird von Ausgaben wieder aufgefressen. In den letzten sechs Monaten waren es 71 %. Das entspricht wiederum einer Verbesserung gegenüber den letzten Jahren, aber Investoren sehen diese Zahl lieber in eine Umgebung von eher 60 % (wie beim Golf gilt hier: je weniger, desto besser).

Anhang nur dieser beiden Zahlen können wir klar sehen, dass der Turnaround der Commerzbank noch nicht komplett vollzogen ist.

Es ist aber etwas Wahres dran

Die Commerzbank hat in der Tat bereits einiges erreicht. Und die Bank scheint sich kontinuierlich auf Zahlen zuzubewegen, die sie zu einer wahrlich verlockenden Bank machen. Die Zukunft wird zeigen, ob sie das wirklich schafft, aber die Richtung der Zahlen scheinen Blessings Kommentar „Wir sind auf dem richtigen Kurs“ zu unterstützen.

Insbesondere ist die Commerzbank immer noch dabei ein Portfolio von Vermögensgegenständen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, zu reduzieren. Diese Ansammlung unerwünschter Vermögensgegenstände zieht die Ergebnisse der Bank nach unten, wird aber umso stärkere Auswirkungen haben, je mehr die Bank sie abstoßen kann.

Gleichzeitig, auch wenn du möglicherweise schon mehr als genug von der “Niedrigzinsumgebung” gehört hast, kann man sie einfach nicht ignorieren. Der finanzielle Erfolg von Banken hängt so stark davon ab, wie groß die Differenz zwischen dem Zinssatz für geliehenes Geld und dem für verliehenes Geld ist. Mit so niedrigen Zinsen wie heute ist diese Differenz heute ungewöhnlich niedrig.

Der Blick nach vorn

Anfang der Woche habe ich einen eher kritischen Blick auf die Deutsche Bank (WKN:514000) geworfen. Meine Hauptsorge bei der Deutschen Bank ist, dass sie richtungslos erscheint und nicht fähig, wirklich zu definieren, wie sie sich dem Wettbewerb stellen und gewinnen möchte.

Ich glaube nicht, dass dieses Problem bei der Commerzbank besteht. Blessing hat die Bank auf einen arbeitsamen Kurs gebracht, weiterhin ihre Stärke im deutschen Mittelstand auszunutzen und gleichzeitig vorsichtig ihren Horizont außerhalb Deutschlands zu erweitern. Tatsächlich erreichte die Mittelstandsbank der Commerzbank in der ersten Jahreshälfte ein Efficiency Ratio von nur 50,3 % und eine Eigenkapitalrendite von 15,6 % (allerdings: Diese Zahl ist nicht vergleichbar mit der Netto-Eigenkapitalrendite der Gesamtbank oben). Also auch wenn uns die Bank insgesamt nicht komplett vom Hocker wirft, wir können sehen, dass sie diese „Kronjuwel“-Sparte weiterhin aufpoliert.

Insgesamt würde ich also nicht so weit gehen wie Blessing und den Turnaround der Commerzbank bereits als “erfolgreich” bezeichnen. Allerdings haben wir in der ersten Jahreshälfte 2015 einen Fortschritt gesehen, der die Bank auf jeden Fall einen weiteren Schritt nach vorn bringt.

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Matt Koppenheffer besitzt Aktien von Wells Fargo und Berkshire Hathaway. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Berkshire Hathaway und Wells Fargo.

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