MENU

Die reichste Selfmade-Milliardärin der Welt: Lynn Tilton

Foto: The Motley Fool

Ihr langes blondes Haar, ihre gewagten Outfits und die Diamanten, die Hals und Hände schmücken, unterstreichen die umstrittene Persona jener wilden Frau, die auszog, um amerikanische Jobs zu retten. Sogar ihr Vermögen ist ein Streitpunkt. Es liegt irgendwo zwischen 800 Millionen USD und 1 Milliarde USD und sie wehrt sich dagegen, als irgendetwas anderes als als Milliardärin bezeichnet zu werden. Ihr Intellekt und ihre harte Arbeit haben sie zu einer starken Persönlichkeit und der Gründerin der Private-Equity-Firma Patriarch Partners gemacht. Sie hat ein Geschäftsmodell entwickelt, welches mehr als 240 Unternehmen vor dem Untergang bewahrt hat.

Quelle: The Motley Fool

Quelle: The Motley Fool

Es ist das Zusammenkommen dieser Eigenschaften, ihrer Persönlichkeit und ihrem Geschäftssinn, die Lynn Tilton zu einer polarisierenden Person und ihr Leben zu einer faszinierenden Unternehmensgeschichte machen.

Wie alles begann

Als Tilton ihre Karriere bei Morgan Stanley in den frühen 1980er Jahren begann, schloss sie sich einer wachsenden Anzahl von Frauen an, die an der Wall Street arbeiteten. Tatsächlich wuchs der Frauenanteil an der Wall Street zwischen 1970 und 1980 laut Harvards Boris Groysberg von 5 % auf 20 % an, aber diese steigende Präsenz hat wenig an der frauenfeindlichen Kultur geändert.

Als aus den 1980ern die 1990er wurden, entstand eine Kultur der 100-Stunden-Wochen, der Gier und der sexuellen Belästigung, welche eine besonders giftige Umwelt für Frauen schaffte, deren Präsenz daraufhin nachließ. Damit Tilton in dieser Umgebung als Investmentbankerin überleben konnte, musste sie nicht nur gut in ihrem Job sein; sie musste sich auch an die männerdominierte Kultur anpassen – und genau das hat sie fast zwei Jahrzehnte lang getan.

Tilton hat es zwar geschafft, ein kleines Vermögen zu machen, aber wie sie 2011 in einem Interview sagte, hat die permanente Angst, die sie als alleinerziehende Mutter mit unzähligen Überstunden verspürte, dafür gesorgt, dass ihre Erinnerungen an ihre 20er verschwommen sind. In den späten 1990ern kam ihr dann die Erkenntnis: Menschlichkeit und gute Geschäfte sollten sich nicht gegenseitig ausschließen. Basierend auf diesem Prinzip hat Tilton Patriarch Partners aufgebaut.

Gebt mir eure Müden, eure Armen, eure geknechteten Massen…

Tiltons Nische an der Wall Street war es, notleidende Kredite zu erforschen. Dank ihrer Expertise konnte sie sich darauf konzentrieren, scheiternde Unternehmen zu kaufen. Im Gegensatz zu typischen Private-Equity-Firmen hat Patriarch Partners diesen Unternehmen jedoch wieder auf die Beine geholfen, anstatt sie auseinanderzunehmen. Das ist der Gedanke hinter Tiltons berühmten Zitat: „It’s only men I strip and flip. I hold my companies long and close to my heart“ (was auf Englisch ein Wortspiel ist und so viel bedeutet wie: Ich gehe nur mit Männern schnell und kalt um, Unternehmen halte ich lange und in meinem Herzen).

Um erfolgreich zu sein, nutzte Tilton beide ihrer Seiten: die berechnende Investorin und Businessfrau sowie ihre unglaublich starke Persönlichkeit. Tiltons Übernahme beginnt häufig damit, das Management zu ersetzen, den Gürtel enger zu schnallen und einen neuen Businessplan zu erstellen. Dieser Plan basiert darauf, eine Kultur zu erschaffen, die Kunden das gibt, was sie wollen: Design und Disruptive Elemente. Um genauer zu sein: ein gut gemachtes und innovatives Produkt. Diese Strategie verfolgt Tilton zur Zeit in Unternehmen wie Dura Automotive, MD Helicopters, Rand McNally, Jane Cosmetic und vielen anderen, die sie besitzt oder von denen sie einen großen Anteil hält.

Aber damit sie einem strauchelnden Unternehmen helfen kann, muss dieses und seine Angestellten an sie glauben – nicht an die berechnende Geschäftsfrau, die gerade ihren Chef gefeuert hat, sondern an die wilde Frau, die von der Tellerwäscherin zur Millionärin geworden ist und verrückt genug sein könnte, um das Blatt zu wenden.

Tilton gegen die SEC

Tilton ist sehr charismatisch und der Kopf hinter ihrem Unternehmen, aber sie hat auch eine prall gefüllte Brieftasche. Bevor sie Patriarch Partners gründete, entwickelte sie eine patentierte Formel, um notleidende Kredite zu strukturieren. Die Intention ist einfach: Die Qualität von Krediten verbessern und Partriarchs Mittel attraktiver für außenstehende Investoren machen. Knapp gesagt, funktioniert Patriarch Partners wie eine private Bank, die Tiltons Investitionen finanziert und alles am Laufen hält.

Ironischerweise ist genau dieses Werkzeug, welches es Tilton ermöglicht hat, hunderte Unternehmen und tausende Jobs in Amerika zu retten, das Werkzeug, von dem die SEC (US-Börsenaufsichtsbehörde) glaubt, Tilton hätte es benutzt, um Investoren betrügen. Und im Hinblick auf Betrug ist dieser Fall sehr interessant.

Die SEC geht davon aus, dass Tilton Vermögenswerte innerhalb Patriarchs Portfolios manipuliert hat. Wenn Kreditnehmer ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen, sollte das die Vermögenswerte heruntersetzten – was jedoch nie geschah. Das hatte zwar keinen Einfluss auf die Zinsen, die Investoren erhalten, jedoch auf Tiltons Gehalt. Indem Tilton eine Gebühr berechnet hat, die auf verwaltetem Vermögen basierte und jene nicht heruntergesetzt hat, geht die SEC davon aus, dass sie zusätzliche 200 Millionen USD an Gebühren im Jahre 2009 erhoben hat.

In einem CNBC-Interview Anfang des Jahres hat Tilton die Beschuldigungen abgestritten und nahegelegt, dass sie Investoren davon berichtete, dass Vermögen nicht zu Zeit- oder Marktwerten gehalten wurden und dass der Fonds von Anfang so agiert hat. Die Wahrheit wird früher oder später ans Licht kommen, aber im Moment bleibt Lynn Tilton ein zweischneidiges Schwert. Ist sie die wilde Frau, die in der Investment-Welt der 1980er und 1990er gewachsen ist und von der die wenigsten von uns bezweifeln würden, sie hätte Investoren betrogen? Oder ist sie ein in Yale ausgebildete Geschäftsfrau, die von der SEC daran gehindert wird, für amerikanische Arbeiter zu kämpfen? Keine Version erfasst Lynn Tilton komplett, aber sie machen die Geschichte einer der mächtigsten Selfmadewomen der Welt um einiges komplexer.

Die nächste Milliarden Dollar Revolution ist hier

Tesla Gründer Elon Musk hat riesige Pläne für ein anderes Unternehmen, von welchem er in seinen Worten erwartet, dass es Fabriken baue, die ?eine Größenordnung größer sind, als die größte heute in der Welt existierende Fabrik". Investoren auf der ganzen Welt wurden bereits reich mit Tesla. Könnte dieses andere revolutionäre Unternehmen dein Ticket zum Reichtum sein? Du kannst mehr herausfinden, wenn du den Sonderbericht von The Motley Fool "Die aufstrebenden Wachstumsaktien, die Warren Buffett niemals kaufen wird -- aber kaufen sollte" liest. Klick hier, um kostenlosen Zugang zu dem Bericht zu erhalten.

Dieser Artikel wurde von Dave Koppenheffer auf Englisch verfasst und am 25.7.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Kostenlos: Aktientipps, Börsen-Nachrichten, Anlage-Erkenntnisse

Registriere dich kostenlos für den Newsletter "Bilanz Ziehen", deine wöchentliche E-Mail von The Motley Fool