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Dein Guide zur Interpretation der Infineon Quartalszahlen am Donnerstag

Foto: Pixabay, HebiPics

Durch die Übernahme und begonnene Integration des Unternehmens International Rectifier wurden die Zahlen von Infineon (WKN:623100) im letzten Quartal etwas durcheinandergewürfelt. Das macht die Interpretation der Q3 Ergebnisse (bei Infineon beginnt das Steuerjahr im Oktober) am Donnerstag nicht leichter. Dieser Artikel soll etwas Licht ins Dunkel bringen und dir helfen, den Wald trotz lauter Bäume gut zu sehen.

Auf der Umsatzseite sollte sich einiges tun

Die Zahlen von International Rectifier stehen seit dem 13. Januar in den Büchern von Infineon. Das führte dazu, dass die Umsatzsteigerung in Q2 um 355 Mio. EUR (31,5 %) im Vergleich zu Q1 größtenteils durch die Übernahme von International Rectifier zu erklären ist. Trotzdem bleibt noch ein netter Umsatzsprung um 13,8 %, rechnet man die von International Rectifier beigesteuerten 199 Mio. EUR heraus.

Für Q3 erwartet das Management einen Umsatzanstieg zwischen 7 % und 12 %. Vergleicht man das mit den 13,8 % von Q1 auf Q2, erscheint das auf den ersten Blick etwas mager. Allerdings profitierte das Unternehmen in Q2 in besonderem Maße von dem damals immer stärker werdenden Dollar. Diese Währungseffekte dürften im vergangenen Quartal kaum zu Buche geschlagen haben.

Trotzdem erwartet das Management, dass der Umsatz in Q3 im Vergleich zu Q2 in allen Segmenten steigt. Im Segment Power Management & Multimarket (PMM) würde alles andere auch überraschen, da in Q3 zum ersten Mal die Umsätze von International Rectifier zu 100 % eingehen – in Q2 fehlten noch die ersten zwei Wochen des Quartals (da die Übernahme erst am 13. Januar abgeschlossen wurde). Da rund 66 % des Rectifier-Umsatzes in dieses Segment wandern, sollte der Umsatzanstieg vorprogrammiert sein.

Die restlichen Umsätze von Rectifier werden laut Management zu etwa gleichen Teilen (also ca. jeweils 16,5 %) den Segmenten Automotive (ATV) und Industrial Power Control (IPC) zugeschrieben. Also auch hier spielt dieser Effekt noch eine Rolle, wenn auch eine sehr kleine.

Insgesamt solltest du bei diesen drei Segmenten (die in Q2 zusammen 88 % des Gesamtumsatzes ausmachten) also genau darauf achten, wie viel Wachstum Infineon wirklich erreichte, also ohne den oben beschrieben Einmaleffekt.

Besonders überrascht hat im letzten Quartal allerdings das von der Integration nicht betroffene Chip Card & Security Segment, welches die restlichen 12 % zum Gesamtumsatz beitrug. Im Vergleich zu Q1 stieg der Umsatz in diesem Bereich in Q2 um erstaunliche 38 %.

Daran sind vor allem der Hype um das Mobile Payment und die USA schuld. Ersterem verdankt Infineon ein 60 % größeres Payment Geschäft. Allerdings hat das auch damit zu tun, dass das Unternehmen sein Produktportfolio verbesserte, welches nun „sehr gut von den Kunden angenommen wird“ (zum Beispiel hat sich Samsung entschlossen, sein Galaxy S6 mit dem Mobile Payment Chip von Infineon auszustatten). Und warum die USA? Dort werden nun Kreditkarten mit Magnetstreifen ersetzt durch Kreditkarten mit der sichereren Chip-Karten-Technologie. Das spielt einem Chip-Hersteller wie Infineon natürlich in die Karten.

Das sollte also keine einmalige Sache sein. Daher glaube ich, dass das Chip Segment in Q3 das größte Überraschungspotential für Investoren birgt.

Auch auf der Kostenseite sollten Entwicklungen erkennbar sein

Auch auf der Kostenseite wird es spannend, da das Management in der Analystenkonferenz zu Q2 bereits einen positiven Trend prognostizierte. Zum einen aufgrund der Tatsache, dass in Q2 (wie immer zu Beginn des Jahres) das Inventar teilweise abgeschrieben werden muss. Der Grund sind die jährlichen Preissenkungen, die im Chip Geschäft üblich sind. (Die niedrigeren Preise des Inventars führen zu geringeren Umsatzkosten).

Aber wirklich Interessant wird es, was die Integration von International Rectifier anbelangt. Infineon erwartet, dass es einige Synergien realisieren kann und insgesamt mit geringeren Kosten (in % vom Umsatz) auskommen kann, als die beiden Unternehmen separat. In Q2 waren die Effekte noch nicht so gering, weshalb das sogenannte Segmentergebnis – was Infineon selbst berechnet und vereinfacht ausgedrückt einem operativen Ergebnis entspricht, bei dem Einmaleffekte und aktienbasierte Vergütung (da diese nicht Cashflow-wirksam ist) herausgerechnet werden – am Umsatz gemessen von 15 % in Q1 auf 13,4 % in Q2 gesunken ist.

Grob geschätzt erwartet das Management, dass diese Segmentergebnismarge in Q3 bereits wieder bei 15 % liegen wird. Zudem versprach das Management, dass es uns nach Q3 (also am kommenden Donnerstag) genauere Angaben machen kann, wo diese Marge langfristig (bis 2017) liegen soll.

Insgesamt sollte der Trend allerdings jetzt bereits deutlich positiv sein. Alles andere wird Investoren negativ überraschen.

Auf den Fortschritt der Integration von International Rectifier kommt es an

Wenn man das alles in einem Stichwort zusammenfassen muss, dann wäre das die Integration von International Rectifier. Werden die geplanten Synergieeffekte erzielt? Auf der Kostenseite wirst du das anhand der Segmentergebnismargen bereits in Q3 beurteilen können, diese sollten deutlich gestiegen sein.

Aber auch umsatzseitig wäre es sicher eine gute Nachricht, wenn Infineon mit seinem nun breiteren Produktangebot bereits in Q3 die besseren Cross-Selling Möglichkeiten anfängt auszuschöpfen. Ob das Management genaue Angaben hierfür macht werden wir sehen; als Investor würde ich jedenfalls genau darauf schauen.

Insgesamt ist mein persönliches Gefühl dahingehend sehr positiv, da das Management bereits in Q2 davon sprach, dass die Integration bereits „well on track“ war. Allerdings dürften das die meisten Investoren denken, daher schätze ich das Überraschungspotential eher gering sein.

Ganz anders bei dem von der Integration nicht betroffenen Chip Card Segment. Wenn das so weitermacht wie im zweiten Quartal, könnte es sich zum Wachstumsmotor für Infineon entwickeln.

 

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Bernd Schmid besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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