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Werden sie kommen, wenn Elon Musk die Tesla Gigafactory baut?

Foto: Pixabay, Hans

Wenn du es jemals darauf absiehst, eine stundenlange Diskussion loszutreten, dann stell einer Gruppe von Investoren einfach die folgende Frage: Ist Tesla Motors (NASDAQ:TSLA) (ETR:TL0) (FRA:TL0) mit einer Marktkapitalisierung von 32 Mrd. USD und einem Umsatz in 2014 von 3,2 Mrd. USD überbewertet?

Argumente für die gegenwärtige Marktbewertung bauen in erster Linie auf die Wachstumsprognosen — und das aus gutem Grund. Mein Fool Kollege Daniel Sparks hat erst vor kurzem erklärt, wie die ambitionierten Pläne von Tesla Motors (bis 2020 bis zu 500.000 Fahrzeuge pro Jahr zu verkaufen) durch sorgfältige Umsetzung realistisch erreicht werden können. In der Zwischenzeit wird die erste Gigafactory eine Produktionskapazität erreichen, um Batterien für 500.000 Fahrzeuge pro Jahr versorgen zu können — zusätzlich zu den stationären Energiespeicherprodukten, die für weiteres Wachstum sorgen können.

Argumente, die dafür sprechen, dass Tesla Motors überbewertet ist, bedienen sich meistens den verfänglichen Vergleichen mit den etablierten Wettbewerbern (Ford hat eine Marktkapitalisierung von 57 Mrd. USD und erzielte im letzten Jahr einen Umsatz von 144 Mrd. USD) oder dem gefürchteten Thema der Marktnachfrage. Ein anderer Fool Kollege, Adam Levine-Weinberg, argumentierte vor kurzem, dass das Model 3 — von welchem Hunderttausende verkauft werden müssen, um das Verkaufsziel bis zum Ende des Jahrzehnts zu erreichen — eher mit anderen Luxusmarken im Wettbewerb stehen wird, wenn man es mit einer Batterie höherer Kapazität ausstatten möchte und noch andere Zusatzoptionen dazu bucht; dann komme man nämlich auf einen Preis, der nicht mehr massenmarkttauglich sei.

Venturekapitalgeber Steve Jurventson (links) auf dem Dach der Gigafactory mit Teslas CTO JB Straubel. Jurventson hat durch SpaceX und Tesla in Elon Musk investiert. Quelle Steve Jurvetson, Flickr.

Venturekapitalgeber Steve Jurventson (links) auf dem Dach der Gigafactory mit Teslas CTO JB Straubel. Jurventson hat durch SpaceX und Tesla in Elon Musk investiert. Quelle Steve Jurvetson, Flickr.

Beide Seiten haben stichhaltige Argumente. Aber egal was deine Sichtweise ist, für Tesla Investoren ist es wichtig zu verstehen, dass die Fertigstellung der Gigafactory alleine nicht für sofortiges Wachstum und Erfolg führen wird. Alles andere zu glauben, wäre ein Fehler, wie Investoren in einer anderen wachstumsstarken Industrie in den letzten Jahren mehrere Male auf die harte Tour lernen mussten.

Wenn man sie baut, werden sie kommen?

Aber täusch dich nicht: Wenn Tesla im Jahr 2020 einer Nachfrage nach einer halben Million Fahrzeuge gegenübersteht, dann wird die Gigafactory ein absolut kritischer Teil dieses Wachstums. Bei voller Auslastung soll die Gigafactory ingesamt 35 GWh Energiespeicher im Jahr produzieren und weitere 15 GWh an Speicher montieren. Dafür wird sie jedes Jahr fast 8.300 Tonnen Lithium benötigen — das entspricht fast dem doppelten des gegenwärtigen weltweiten Angebots auf dem Markt. Wer kann sich mit einer solch massiven Produktionskapazität anlegen? Auf dem Papier deutet alles auf enormes Wachstum hin.

Auf dem Papier. Genau das könnte das Problem sein.

Die Argumente einiger Investoren und Wall Street Analysten bezüglich der Gigafactory und wie sie bei voller Auslastung gleich zu starkem Wachstum führen wird ähneln sich bemerkenswert zu den Argumenten, die in den letzten Jahren für industrielle Biotechnologie-Unternehmen gesprochen haben. Schau dir das jüngste Beispiel des Produzenten erneuerbaren Öls an, das Unternehmen Solazyme (NASDAQ:SZYM) (FRA:S7Y). Das Unternehmen manipuliert Algen, um verschiedene Öle zu produzieren, die speziell für eine Reihe von Anwendungen gemacht sind.

Wie Tesla zielte Solazyme zunächst auf den Luxusmarkt mit hohen Margen ab (die Kosmetikindustrie in diesem Fall), bevor das Unternehmen dann in den vielversprechenderen Massenmarkt eindrang. Wie bei Tesla Motors malten Wall Street Analysten spektakuläre Wachstumsszenarien für das Unternehmen an die Wand, welche von neuer Produktionskapazität getrieben sein sollten. Das trieb die Marktbewertung in luftige Höhen und es wurden unnötigerweise Dinge eingepreist, die erst noch bewiesen werden mussten; nämlich dass die Nachfrage besteht und dass das Unternehmen die Kapazität entsprechend realisieren kann).

Mitte 2013 war die durchschnittliche Meinung von 10 Analysten, dass Solazyme im Jahr 2014 einen Gesamtumsatz von 282 Mio. USD erzielen würde. Investoren waren hellauf begeistert. Als die erste Massenproduktionsstätte Anfang 2014 ihre Türen öffnete, trieben Anleger die Marktkapitalisierung des Unternehmens auf über 1 Mrd. USD — trotz der Tatsache, dass im Jahr zuvor gerade einmal ein Umsatz von 106.000 USD erzielt wurde; mit dem gleichen Produkt, dass jetzt auf einmal in Massen produziert werden sollte. Und warum auch nicht? Die Jährliche Produktionskapazität sollte bis Ende 2015 von gerade einmal 1.280 Tonnen auf über 120.000 Tonnen ansteigen.

Diese riesige Erweiterung der Produktionskapazität deutete auf fantastisches Wachstum hin. Auf dem Papier.

Was dem Ganzen dann aber einen Strich durch die Rechnung machte war die fehlende Nachfrage nach zehntausenden Tonnen erneuerbaren Öls. Wie sich herausgestellt hat, ist es ziemlich wichtig die vorhandene Nachfrage nachzuweisen, bevor man Wachstumsprognosen anstellt. Solazyme erzeugte im letzten Jahr einen Umsatz von 60 Mio. USD  (nur 13 Mio. davon mit Massenmarktprodukten); teilweise wegen nicht vorhandener Nachfrage, nachgewiesen durch die geringe Anzahl von Abnahmeverträgen, die das Management preisgab. Das Unternehmen gab letztes Jahr eine strategische Richtungsänderung bekannt und hat jetzt eine Marktkapitalisierung von 250 Mio. USD.

Um fair zu sein: Das Unternehmen hatte auch mit Produktionsverzögerungen und höher als geplanten Produktionskosten zu kämpfen, was beides zu einer langsameren Produktionserweiterung führte. Und es gibt sicherlich Unterschiede zu Tesla Motors. Tesla hat Elon Musk, verkauft direkt an Verbraucher (Solazymes Kunden sind größtenteils andere Unternehmen) und ist in einer ganz anderen Industrie tätig. Trotzdem sollte man auch beachten, dass es Solazyme nicht geholfen hat, sein Produkt in verschiedenartigsten Märken zu verkaufen (Kosmetik, Treibstoff, Bohrschmiermittel, Textilmittel, Lebensmittel und noch einige andere) — die Nachfrage blieb aus.

Nichtsdestotrotz sollten Investoren vorsichtig sein und nicht zu viel Hoffnung auf die Fertigstellung der Gigafactory alleine setzen. Das Priorisieren der Produktionskapazitäten als Schlüsseltreiber für zukünftiges Wachstum, ohne dabei die Nachfrage des Marktes zu beobachten, hat Investoren schon des Öfteren das Genick gebrochen. Nicht nur in der Biotechnologieindustrie, auch bei anderen Unternehmen die Lithium-Ionen Batterien herstellten und zahllosen anderen Unternehmen und Industrien.

Was bedeutet das für Investoren?

Ja, die Gigafactory wird eine wichtige Rolle für das Wachstum von Tesla Motors spielen, aber mehr eine unterstützende Rolle. Nur die Produktionskapazität online zu haben bedeutet nicht gleichzeitig, dass auch ausreichend Nachfrage existiert, um diese Kapazität vollständig auszuschöpfen. Das ist ein entscheidender Punkt — einer, den viele Investoren in Unternehmen der industriellen Biotechnologie gerne früher verstanden und darüber nachgedacht zu haben, inklusive meiner einer.

Bedenke, dass das eine neutrale Analyse ist. Es ist noch immer ausreichend Zeit vorhanden, die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen von Tesla Motors nachzuweisen — oder dass sie nicht besteht. Investoren sollten einen Einblick in die Machbarkeit der Wachstumspläne des Unternehmens erhalten, indem sie in den kommenden Quartalen und Jahren genau auf die Exekution bei Tesla und die wahre Nachfrage auf dem Markt achten.

Merk dir nur das: Marktnachfrage ist König.

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Tesla Gründer Elon Musk hat riesige Pläne für ein anderes Unternehmen, von welchem er in seinen Worten erwartet, dass es Fabriken baue, die ?eine Größenordnung größer sind, als die größte heute in der Welt existierende Fabrik". Investoren auf der ganzen Welt wurden bereits reich mit Tesla. Könnte dieses andere revolutionäre Unternehmen dein Ticket zum Reichtum sein? Du kannst mehr herausfinden, wenn du den Sonderbericht von The Motley Fool "Die aufstrebenden Wachstumsaktien, die Warren Buffett niemals kaufen wird -- aber kaufen sollte" liest. Klick hier, um kostenlosen Zugang zu dem Bericht zu erhalten.

Dieser Artikel wurde von Maxx Chatsko auf Englisch verfasst und wurde am 19.07.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool empfiehlt Ford, Solazyme und Tesla Motors. The Motley Fool besitzt Aktien von Solazyme und Tesla Motors.

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