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Ist GoPro das neue Apple?

Foto: Pixabay, SnapwireSnaps

Seitdem GoPro (NASDAQ:GPRO) (FRA:5G5) (ETR:5G5) vor etwas mehr als einem Jahr an die Börse gegangen ist, haben Investoren eine rasante Fahrt durchgemacht. Der Ausgabepreis der Aktie hat sich in nur vier Tagen verdoppelt. Nach einer weiteren Verdopplung hat die Aktie Anfang Oktober mit $98.47 ihren Höchststand erreicht.

GoPro: Verlauf des Aktienkurses, DATA BY YCHARTS

GoPro: Verlauf des Aktienkurses, DATA BY YCHARTS

Danach befand sich die Aktie fast ausschließlich im Abwärtstrend. Die GoPro-Aktie fiel im März unter die Marke von 40 USD. Und obwohl sich die Aktie heute auf einen Kurs von 55 USD aufgerappelt hat, ist sie immer noch Meilenweit vom Höchststand des vergangenen Jahres entfernt.

GoPros schlechte Börsenperformance ist größtenteils auf die Sorgen über die Kommodofizierung auf dem Actionkameramarkt zurückzuführen. Eine Vielzahl von Unternehmen hat diesen Markt betreten und in der Regel liegen die Preise der Konkurrenten deutlich unter dem, was GoPro für seine Produkte verlangt. Jedoch hatten Anleger bei Apple (NASDAQ:AAPL) (FRA:APC) lange Zeit die gleichen Sorgen – aber der lange gefürchtete Kollaps blieb aus. Könnte GoPro in Apples Fußstapfen treten?

Was es bedeutet, wie Apple zu sein

Bevor wir uns ausführlich mit dieser Frage auseinandersetzen, ist es wichtig, klarzustellen, was ich mit der Andeutung, dass GoPro das nächste Apple werden könnte, meine. Selbst wenn das Unternehmen extrem erfolgreich wird und in einige neue Märkte expandiert, wird aus GoPro kein 200 oder mehr Milliarden-Dollar Unternehmen, wie es Apple mit einer Marktkapitalisierung von 740 Mrd. USD ist.

Aber bei einer Marktkapitalisierung von etwa 7,5 Mrd. USD und einem erwarteten Umsatz im Jahr 2015 von weniger als 2 Mrd. USD muss GoPro nicht in Apples Dimensionen vorstoßen, um Aktionäre mit gewaltigen Erträgen zu belohnen.

Auf der anderen Seite könnte GoPro in der Lage sein, einige von Apples begehrenswertesten Eigenschaften nachzuahmen. Dazu zählt die Entwicklung einer extrem starken Marke, die sich auf Design und die Erschaffung eines einzigartigen Ökosystems konzentriert. Und es sollen (auf diesem Wege) starke Umsatz- und Ertragswachstumszahlen erreicht werden. Das ist das, was ich mit GoPros Potenzial, das neue Apple zu werden, meinte.

Das Original ist unnachahmbar

Apple-Pessimisten haben bei ihren Einschätzungen mehrfach daneben gelegen, da sie sich stets auf messbare technische Spezifikationen der Apple-Produkte eingeschossen haben. Das Innere der Apple-Produkte besteht zu meist aus gewöhnlicher Hardware, die andere Hersteller kopieren können. Tatsächlich haben die Top-Android Produkte in der Regel höhere Spezifikationen als das iPhone – manchmal sogar weitaus höhere.

Und dennoch kann Apple für seine Standard-Hardware deutlich höhere Preise als seine Konkurrenten verlangen. Dadurch hat sich Apple jüngst 90 % aller Gewinne in der Smartphone-Industrie gesichert.

Ebenso verfügen auch die Bestandteile der GoPro-Kamera über keine völlig einzigartige Technik. Deswegen sind viele Unternehmen GoPro in den Markt der Actionkameras gefolgt. Dazu zählt unter anderem das schnellwachsende chinesische Technik-Unternehmen Xiaomi, dessen Kamera etwa halb so teuer wie GoPros billigstes Modell ist, aber annähernd vergleichbare Spezifikationen hat.

Genauso wie Apple es bei so einer großen Konkurrenz geschafft hat, eine Bruttomarge von 40 % zu halten, haben auch GoPros Rivalen bisher keinen spürbaren Einfluss hinterlassen. GoPros Bruttomarge stieg letztes Jahr um 8 Prozentpunkte auf 45 %. Im ersten Quartal veränderte sich dieser Wert kaum und GoPros Management geht davon aus, dass es im zweiten Quartal so weiter geht.

Es dreht sich alles um die Marke, das Design und das Ökosystem

Wie schafft es GoPro also, mit gebräuchlicher Technik solche riesigen Profite einzufahren? Es ist ganz einfach: Es folgt Apples Playbook.

Die neue GoPro Hero4 Session ist aufgrund ihres innovativen Designs mit einem Premiumpreis ausgewiesen. PHOTO: GOPRO

Die neue GoPro Hero4 Session ist aufgrund ihres innovativen Designs mit einem Premiumpreis ausgewiesen. Bild: GoPro

Erstens hat sich GoPro einen unglaublich starken Markennamen aufgebaut. Mit einer treuen und zufriedenen Kundenbasis profitiert GoPro immens von dem positiven Hype, der das Markenbewusstsein stärkt. Zumindest in den USA tendieren Verbraucher, die auf der Suche nach einer Actionkamera sind, explizit zu einer GoPro zu greifen. Wenn Verbraucher niemals eine andere Marke in Erwägung ziehen, ist es egal, ob der Konkurrent ein „zufriedenstellendes“ Produkt für die Hälfte des Preises anbietet.

Zweitens versucht GoPro sich verstärkt durch sein Produktdesign abzusetzen. Das Unternehmen hat neulich die GoPro Hero4 Session vorgestellt. Sie ist deutlich kleiner und leichter als vorherige GoPro-Kameras und ist auch ohne Extra-Gehäuse wasserdicht. Sie ist nicht so leistungsfähig wie die HERO4 Silver – dem Produkt der zweiten Ebene in GoPros Produktportfolio – aber wird zu dem gleichem stolzen Preis von 399 USD angeboten. Es wird interessant zu beobachten, wie erfolgreich dieses innovative Design sein wird.

Schließlich investiert GoPro massiv in die Aufrechterhaltung eines einzigartigen Ökosystems, um sicherzustellen, dass Kunden der Marke treu bleiben. Das Unternehmen hat einen extrem beliebten YouTube-Kanal ins Leben gerufen, auf dem GoPro-Nutzer ihre Videos teilen können. Heute liegt GoPros Hauptfokus auf dem Aufbau einer Cloud-basierten Videobearbeitungs-Plattform, die Nutzern den Zugang zu Videos und deren Bearbeitung erheblich erleichtern soll.

Die Früchte ernten

GoPro bedient sich also bei der Beibehaltung seiner marktführenden Position auf dem Actionkameramarkt vieler von Apples Taktiken. Und die Bilanz seiner bisherigen finanziellen Leistung spiegelt diesen Erfolg wieder.

GoPro hat im Urlaubsquartal 2014 einen Rekordumsatz von 633,9 Mio. USD ausgewiesen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete dies einen Anstieg von 75 % und dieser Wert überstieg die Erwartungen, die bei 550-580 Mio. USD lagen, mit Leichtigkeit. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 0,99 USD lag deutlich über den durchschnittlichen Analysteneinschätzungen von 0,70 USD.

Die starke Nachfrage nach den hochwertigen Kameras hat GoPros Bruttomargen gefestigt. Bild: GoPro.

Die starke Nachfrage nach den hochwertigen Kameras hat GoPros Bruttomargen gefestigt. Bild: GoPro.

Im ersten Quartal dieses Jahres ging es genau so weiter. Nachdem GoPro Anfang Februar einen Quartalsumsatz von 330-340 Mio. USD prognostiziert hatte, vermeldete das Unternehmen schließlich einen Umsatz von 363,1 Mio. USD. Dies war ein Anstieg um 54 % gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 0,24 USD lag deutlich über den von Analysten geschätzten 0,18 USD.

Mit GoPro geht es eindeutig aufwärts. Und auch da Actionkameras niemals so verbreitet wie Smartphones sein werden, hat GoPro letztes Jahr nur 5,2 Mio. Produkte verkauft. Es gibt noch jede Menge Luft nach oben. GoPro zielt außerdem auf die Märkte der Drohnen und der virtuellen Realität: zwei weitere Kandidaten für potenzielles Langzeitwachstum.

Viele Investoren scheinen GoPros Fähigkeiten, seine unglaublichen Wachstumszahlen aufrechtzuerhalten, skeptisch gegenüberzustehen. Aber dank einem starken Markennamen, dem Fokus auf Design und einem überlegenem Ökosystem hat es auch Apple geschafft, die Märkte dauerhaft zu dominieren. GoPro ist gut aufgestellt, um in Apples Fußstapfen zu treten.

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The Motley Fool empfiehlt Apple und GoPro. The Motley Fool hält Aktien von Apple und GoPro.

Dieser Artikel wurde von Adam Levine-Weinberg auf Englisch verfasst und am 17.7.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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