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Die 10 Gebote des sorgenfreien Investierens

Source: Ged Carroll @ flickr

Investieren kann stressig sein – du kannst als Beispiel dafür jede Menge Filme über die Wall Street sehen, oder denke daran, wie du dich gefühlt hast, als der DAX das letze Mal um tausend Punkte abgestürzt ist.

Es muss aber nicht stressig sein: Wenn du ein paar einfachen Richtlinien folgst – die ich gerne „Die Zehn Gebote des sorgenfreien Investierens“ nenne –, macht dir der Stand deines Portfolios weniger Sorgen und du solltest keine schlaflosen Nächte während des nächsten Börsenkrachs haben.

Also welche sind diese Zehn Gebote?

I. Kaufe, was du kennst

Dieser Ratschlag kommt vom legendären Investor Peter Lynch in seinem Buch „Der Börse einen Schritt voraus„. Lynch glaubt, dass man großartige Anlageideen finden kann wenn man Dinge des Alltags (wie zum Beispiel Geschäfte oder Restaurants)  beobachtet. Warren Buffett meidet Investitionen in Industrien, die er nicht vollständig versteht – etwa Technologie-Unternehmen – auch wenn er weiß, dass er sich möglicherweise riesige Gewinne entgehen lässt.

Das bedeutet nicht, dass du Technologie-Firmen meiden solltest oder nur in Unternehmen investieren solltest, deren Produkte du auf der Straße siehst. Du solltest aber ein solides Verständnis für das Geschäft haben, in das du investieren möchtest und du solltest auf einfache Weise erklären können, warum du denkst, dass es eine gute Anlage ist. Vermeide es, in undurchsichtige oder komplizierte Ideen zu investieren, die du nicht verstehst. Wie Lynch gesagt hat: „Investiere nie in eine Idee, die du nicht mit einer Kreide illustrieren kannst.“

II. Investiere im Rahmen deiner Möglichkeiten

Man kann sich schnell mitreißen lassen und zu viel Geld in Aktien investieren – besonders während eines Bullenmarkts. Du solltest aber dieser Versuchung widerstehen und nur so viel Geld in den Aktienmarkt investieren, wie du für die etwa nächsten fünf Jahre nicht anfassen möchtest. Du solltest immer genug Geld greifbar haben – auf einem Girokonto oder Sparkonto – so dass dein täglicher Bedarf und mögliche Notfälle wie zum Beispiel eine unerwartete Autoreparatur oder der Verlust deines Jobs gedeckt sein können. Mit einem Polster, das deinen Bedarf für drei bis sechs Monaten deckt, bist du nicht gezwungen, deine Aktien unerwartet zu verkaufen, wenn du dringend Geld brauchst.

Abhängig von deiner Risikobereitschaft könntest du dir auch überlegen, ob du einen Teil deiner verfügbaren Mittel in eine Anlageform mit niedrigerem Risiko – wie zum Beispiel Anleihen – investierst; du könntest besser schlafen, wenn du weißt, dass deine Renditen garantiert sind, auch wenn diese Renditen niedriger sind als jene, die du vom Aktienmarkt erhoffst.

III. Diversifiziere

„Diversifikation ist ein Schutz gegen Ignoranz“, wie Buffett bekannterweise gesagt hat. Trotzdem solltest du dein Portfolio streuen. Seien wir ehrlich: Die meisten von uns sind kein Buffett. Auch wenn wir so begabte Investoren wären wie er, haben die meisten von uns weder die Zeit noch die Ressourcen, so informiert zu sein wie Buffett. Also höre auf diesen Rat und setze nicht alles auf eine Karte. Schütze dich selbst gegen deine eigene Ignoranz.

Das bedeutet nicht, dass du viele Aktien in deinem Portfolio haben musst. Ein börsennotierter Fonds (Exchange-Traded Fund, ETF), der die Aktien von einem Index wie z.B. des DAX hält, zusammen mit zehn bis fünfzehn individuellen Aktien, sollte ausreichen.

IV. Denke langfristig

Wenn du dir um deine Investitionen Sorgen machen möchtest, ist eine der todsichersten Methoden dazu, dich zu viel auf kurzfristige Entwicklungen zu konzentrieren. Wenn der Aktienkurs fällt hast du Angst, dass du in einen Versager investiert hast. Wenn der Kurs steigt bist du einerseits erfreut, auf der anderen Seite machst du dir vielleicht Sorgen, ob du vor der Trendwende verkaufen solltest. Du wirst also ständig Sorgen haben – und wirst möglicherweise deine Investition zu früh verkaufen.

Du solltest stattdessen darauf fokussieren, Unternehmen mit einem langfristigen Potenzial zu kaufen und ihnen genug Zeit zu geben, um ihre Strategie durchführen zu können. Kurzfristige Preisschwankungen sind meist nur Geräusche – diese solltest du so gut wie möglich herausfiltern.

V. Du sollst keine Angst vor Verlusten haben

„Wenn du in diesem Geschäft in sechs von zehn Fällen recht hast, bist du gut“, sagte Peter Lynch. „Du wirst nie in neun von zehn Fällen recht haben.“ Sogar die besten Anleger haben so manche sehr schlechte Entscheidungen getroffen. David Gardner, Mitgründer von The Motley Fool, schlägt den Aktienmarkt mit Abstand: Sein „Rule Breakers“ Portfolio für Wachstumsaktien hat eine Rendite von 95% im Vergleich zu 48 % des S&P 500. Aber er hat auch solche Empfehlungen gegeben wie First Solar (verkauft mit einem Verlust von 91 %) oder LeapFrog (- 74 %).

Du wirst ein paar Verlustträger in deinem Portfolio haben. Lerne damit zu leben. Wie David Gardner sagte: „Hab keine Angst vor Verlusten, sei nicht besessen davon und probiere nicht, sie unbedingt zu vermeiden. Verluste sind ein selbstverständlicher Teil vom Gewinnen.“ Und vergiss nicht: Du kannst nur 100 % von deiner Investition verlieren, aber deine Gewinne können viel höher sein.

VI. Du sollst dir nicht den Kopf über verpasste Chancen zerbrechen

Du kannst an der Deutschen Börse mehr als eintausend verschiedene Aktien kaufen und verkaufen und noch viel mehr an anderen Börsen. Sogar professionelle Anleger können nicht allen Aktien folgen – also ist es eine sichere Annahme, dass du ein paar Chancen verpassen wirst. Statt dich über die Erfolgsaktien, in die du nicht investierst hast, aufzuregen, solltest du die Gewinner in deinem Portfolio feiern. Und erinnere dich daran, dass viele Unternehmen den Aktionärswert über viele Jahre erhöhen werden – also hast du die Gelegenheit nicht unbedingt verpasst, nur weil du die Aktie nicht am tiefsten Punkt gekauft hast.

VII. Du sollst „Market Timing“ vermeiden

„Tief kaufen, hoch verkaufen“ klingt wie das wichtigste Anleger-Grundprinzip, aber wenn du probierst, dir den besten Zeitpunkt auszusuchen, um Aktien zum tiefsten Preis zu kaufen und zum höchsten Preis zu verkaufen, wirst du – zumindest meistens – scheitern. Die wenigen Fälle, in denen du den Markt überlistest werden zur Selbstbestätigung und du wirst mehr kaufen und verkaufen als du solltest, um von kurzfristigen Preisbewegungen zu profitieren. Die meisten Fälle, in denen du den perfekten Zeitpunkt nicht findest werden einen schlechten Nachgeschmack haben („Ich hätte es besser machen können“) auch wenn du mit der Investition eigentlich Geld verdient hast.

In jedem Fall machst du dir mehr Sorgen als du solltest. Also solltest du nicht probieren, den perfekten Zeitpunkt zu finden. Du solltest dich daran erinnern, dass du ein langfristiger Investor und kein Tageshändler bist.

VIII. Du sollst keine Aktien leer verkaufen

Leerverkauf heisst, du verpflichtest dich, eine Aktie in der Zukunft zu einem vereinbarten Preis zu verkaufen, auch wenn du diese Aktie heute eigentlich nicht besitzt. Du gehst grundsätzlich eine Wette gegen das Unternehmen ein und du nimmst an, dass der Aktienpreis fallen wird.

Es gibt zwei Problemen mit dieser Strategie. Als erstes ist das Aufwärtspotenzial verglichen mit dem Abwärtsrisiko das genaue Gegenteil vom Aktienbesitz: Wenn der Aktienpreis auf Null fällt ist dein maximaler Gewinn der Verkaufswert. Dein Verlustpotenzial ist jedoch unbegrenzt, falls der Aktienpreis stark steigt. Zweitens glaube ich –  und dies ist eher eine persönliche Geschmackssache –, dass es viel gesünder ist, den Erfolg eines Unternehmens anzufeuern anstatt dessen Misserfolg.

IX. Du sollst kein Margin-Konto benutzen

Wenn du deine Investitionen durch ein Margin-Konto finanzierst, investierst du im Grunde geliehenes Geld – also Geld, das du nicht besitzt. Wenn alles gut geht kann die Hebelwirkung deine Buchgewinne erhöhen; aber wenn deine kreditfinanzierte Anlage Verluste macht, kann es sein, dass du mehr Geld auf das Konto überweisen oder andere Investitionen verkaufen musst, um diese Verluste zu finanzieren.

Laut dem oben angeführten Fünften Gebot sollte man lernen, Verluste bei manchen Investitionen zu ertragen. Es ist aber eine andere Sache, wenn du Geld verlierst, das nicht dir gehört. Wenn du während eines Preisrückgangs keine schlaflosen Nächte haben möchtest, solltest du keine Kreditfinanzierung benutzen. Weitere Hinweise findest du im Zweiten Gebot und wenn du ein abschreckendes Beispiel brauchst, empfehle ich, dass du den Film Margin Call mit Kevin Spacey anschaust.

Um klar zu stellen: Sowohl Leerverkauf als auch Kreditfinanzierung kann profitabel sein – ich behaupte nicht, dass du damit unbedingt Verluste machen musst. Die beiden Methoden sind jedoch unvereinbar mit dem Konzept des sorgenfreien Investierens.

X. Verwende weniger Zeit, um den Finanznachrichten zu folgen

Die Finanzmedien sind (meistens) berühmt-berüchtigt für ihre kurzfristige Sicht. Ein Unternehmen wird ein Tag wegen guter Nachrichten bejubelt und eine Woche später wird es aufgrund von schlechten Entwicklungen angegriffen. Fernsehanalysten raten heute zum Kauf einer Aktie basierend auf der aktuellsten Chart-Analyse; morgen wollen sie die gleiche Aktie verkaufen, weil ihre Diagramme sich geändert haben.

Wenn du den Medien zu sehr folgst kann es passieren, dass du dich in diesem kurzfristigen Zirkus verlierst und es viel schwieriger wird, den oben erwähnten Vorschlägen zu folgen. Mach also einen Schritt zurück: Lies ein paar Bücher für Anleger statt täglicher Finanznachrichten. Lies die aktuellsten Jahresberichte der Firmen, die dich interessieren, statt ihren Nachrichten-Tickern zu folgen. Konzentriere dich im Generellen auf die langfristigen, strategischen Themen deines Medienkonsums – nicht auf das kurzfristige Rauschen.

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Miklos Szekely besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Berkshire Hathaway und LeapFrog.

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