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Warum Symrise für mich interessant ist, ich die Aktie aber noch nicht kaufe

Quelle: Symrise AG

Schalke 04 und Borussia Dortmund – für Fußballfans der Inbegriff einer innigen Feindschaft. Stell dir vor, die beiden Vereine fusionierten. Ein recht abwegiger Gedanke, nicht wahr?

Dennoch ist eine vergleichbare Situation schon einmal eingetreten und hat ein erfolgreiches Unternehmen aus dem MDAX hervorgebracht, das ich dir gerne als potentielle Investition vorstelle: die Symrise AG (ETR:SY1) (FRA:SY1), die Duft- und Aromastoffe produziert.

Um zu bewerten, ob sich heute eine Investition lohnt, betrachte ich dabei drei leicht zu ermittelnde Kennzahlen:

  • Die Umsatzentwicklung, um die Wachstumsrate zu bestimmen;
  • den Gewinn der letzten Jahre, um zu sehen wie profitabel das Unternehmen ist;
  • und schließlich die Bewertung der Aktie, um einzuschätzen ob der Markt uns vielleicht ein Schnäppchen liefert.

Eine interessante Vergangenheit

Holzminden in der niedersächsischen Provinz ist der Ursprungsort von Symrise. Dort gibt es eine lange Tradition der Herstellung von Duft- und Aromastoffen. 1874 wurde Haarmann & Reimer gegründet, 1919 folgte Dragoco.  Beide Unternehmen standen über Jahrzehnte in einem harten Wettbewerb miteinander.

H&R gehörte später zu einem internationalen Konzern, während Dragoco stets ein Familienunternehmen blieb. Daraus ergaben sich neben der Konkurrenzsituation auch noch erhebliche Unterschiede in den Unternehmenskulturen.

2002 wurden beide Firmen trotzdem vom zum Wallenberg-Imperium gehörenden Private-Equity-Investor EQT übernommen und 2003 zur Symrise AG fusioniert. Der Zusammenschluss beider Unternehmen ist auch im Logo von Symrise festgehalten, in dem sich der Drache (Dragoco) und der Kolibri (H&R) wiederfinden.

2006 erfolgte der Börsengang.

Womit verdient Symrise Geld?

Symrise ist der weltweit drittgrößte Hersteller von Duft- und Aromastoffen mit einem Marktanteil von 12 %. Die Produkte der Holzmindener finden sich in einer breiten Palette von Produkten des täglichen Bedarfs: Unter anderem in Parfüms, Kosmetik, Lebensmitteln und Getränken, Tierfutter, Babynahrung sowie Reinigungsprodukten.

Symrise legt besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und stellt viele Aromastoffe nicht chemisch her, sondern auf Basis natürlicher Rohstoffe. Dadurch besteht allerdings auch eine Abhängigkeit von Rohstoffpreisänderungen, die die Kostenstruktur des Unternehmens unsicherer machen, als die der Konkurrenten, die mehr mit Chemie arbeiten.

Umsätze

In der folgenden Tabelle siehst du die Umsätze von Symrise in den letzten fünf Jahren.

2010 2011 2012 2013 2014
Umsatz in Mrd. € 1,6 1,6 1,7 1,8 2,1
Wachstum n/a 0,0% 6,2% 5,9% 16,7%

Quelle: Geschäftsberichte

2010 erzielte Symrise einen hohen Umsatz, sodass das Wachstum in 2011 sehr gering ausfiel. In 2014 stieg der Umsatz außergewöhnlich stark an. Das hängt mit dem Erwerb der Diana-Gruppe zusammen, die Symrise zur Stärkung des Lebensmittelbereichs und zur Expansion in die Tiernahrung kaufte.

Gewinnentwicklung

Symrise verzichtet bewusst auf margenschwaches Geschäft und legt großen Wert auf Kostendisziplin. Erkennbar wird das dadurch, dass die Gewinne des Konzerns stärker steigen als die Umsätze.

2010 2011 2012 2013 2014
Gewinn in Mio. € 133,5 146,5 157,5 172,3 211,6
Wachstum n/a 9,7% 7,5% 9,4% 22,8%

Quelle: Geschäftsberichte

Auch hier fällt wieder der Diana-Effekt auf. Zusätzlich sorgte eine hohe Nachfrage – und die damit zusammenhängende bessere Auslastung der Werke — für den Gewinnsprung in 2014.

Setzt man den Gewinn zum Umsatz ins Verhältnis, so erhält man die Umsatzmarge. Das ist also das, was von den Einnahmen am Ende übrig bleibt und in den Taschen des Unternehmens landet. Die Marge ist von 2010 (8,3 %) bis 2014 (10 %) kontinuierlich gestiegen und zeigt, dass die Duft- und Aromaindustrie eine profitable Branche ist.

Diese Umsatz- und Gewinnzahlen zeigen uns, dass Symrise ein Unternehmen ist, das durchaus seine Qualitäten hat: Die Produkte sind gefragt und Symrise erzielt ansprechende Margen — es bleibt also etwas bei den Aktionären hängen. Außerdem wollen die Holzmindener weiter wachsen — und zwar mit weiteren Übernahmen und mit Investitionen in Schwellenländern, um von deren Trend hin zu einem westlichen Lebensstil zu profitieren. Aber wie sieht es mit dem Kurs der Aktie aus?

Bewertung der Aktien

In dieser Tabelle habe ich den Gewinn pro Aktie und den Aktienkurs aufgeführt und daraus jeweils das KGV der letzten Jahre ermittelt:

2010 2011 2012 2013 2014
Gewinn pro Aktie in € 1,13 1,24 1,33 1,46 1,69
Kurs am 31.12. 20,53 20,62 27,12 33,50 50,13
KGV per 31.12. 18,17 16,63 20,39 22,95 29,66

Quellen: Geschäftsberichte und finanzen.net

Auffällig ist, dass das KGV erst in 2014 stark zugelegt hat. Das hängt mit der Diana-Übernahme zusammen, die dem Unternehmen weiteres Wachstumspotential eröffnet hat, aber auch mit der gestiegenen Profitabilität. Dieser Trend hat sich zum Teil auch im 1. Quartal 2015 fortgesetzt, in dem der Umsatz um 42 % gestiegen ist. Dagegen haben sich die Margen kaum verändert. Dennoch steigt der Gewinn um 31 %.

Der Gewinn pro Aktie betrug im ersten Quartal 52 Cent. Wenn wir das auf das Gesamtjahr hochrechnen, wären das etwa 2 Euro pro Aktie. Bei einem Aktienkurs von 55 EUR (07.07.2015) errechnet sich ein KGV von rund 27. Dieses KGV liegt über den Wachstumsraten der letzten Jahre. Als groben Anhaltspunkt für ein attraktives KGV kann man die Wachstumsrate in Prozent heranziehen (würde Symrise also mit 27 % pro Jahr oder mehr wachsen, dann würde das für mich ein KGV von 27 rechtfertigen).

Die guten Zahlen im ersten Quartal rechtfertigen allerdings ein etwas höheres KGV. Für den langfristig denkenden Foolishen Investor könnte die Aktie jetzt interessant sein, aber lieber würde ich etwas tiefere Kurse sehen. Im Rahmen der Griechenland-Krise habe ich mir das erhofft. Leider ist das nicht geschehen. Aber wenn der Zeitpunkt kommt, zu dem nervöse Anleger ihre Aktien — ohne Rücksicht auf Fundamentaldaten — auf den Markt werfen, dann stehe ich bereit. Bis dahin werde ich Symrise auf meine Watchlist nehmen, um dieses starke Unternehmen im Auge zu behalten.

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Peter Roegner besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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