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Die richtige Denkweise beim Investieren in Aktien

Foto: Pixabay, wilhei

Der Statistiker Nate Silver sagte die Wahlergebnisse jedes Bundesstaates der USA bei der Präsidentschaftswahl 2012 voraus. Dies brachte ihm viel Ruhm ein, in einem Gebiet, was die meisten als das langeiligste Fach überhaupt ansehen. Seitdem war er zwei Mal in der Daily Show und hat mehr als eine Millionen Follower auf Twitter.

Der wichtigste Punkt bei der Analyse von Silver ist, dass sie nicht wirklich eine Vorhersage trifft. Jedenfalls nicht auf die Weise, wie sich Leute eine Vorhersage vorstellen.

Du wirst Silver niemals sagen hören „er wird die Wahl gewinnen“. Du könntest ihn aber sagen hören, „er hat eine 60%ige Chance, die Wahl zu gewinnen“ oder „die Chancen stehen gut für ihn“. Experten machen Vorhersagen, Nate Silver kalkuliert Wahrscheinlichkeiten.

Alle Wahrscheinlichkeiten von weniger als 100% zeigen, dass es mehr als einen Ausgang geben kann. Silver gab Obama eine 60%ige Chance, 2012 Florida zu gewinnen. Damit sagte er auch, dass es eine 40%ige Chance gibt, dass er den Staat nicht gewinnt. Silvers Wahrscheinlichkeitskarte für die Wahl zeigte, dass er Obama eher als Sieger sieht. Wenn aber Mitt Romney den Staat gewonnen hätte, hätte dies nicht bedeutet, dass Silver daneben gelegen hätte. In seinem Buch The Signal and the Noise schrieb Silver:

Parteianhänger könnten die Rolle der Unsicherheit bei einer Vorhersage missverstehen. Sie werden sie als Absicherung ihrer Wetten ansehen und sie als Entschuldigung verwenden, wenn sie daneben lag. Das ist nicht die Idee dahinter. Wenn du vorhersagst, dass ein bestimmter Kongressabgeordneter die Wahl in 90% der Fälle gewinnt, dann sagst du auch voraus, dass er in 10% der Fälle verliert. Das Wesen einer guten Vorhersage ist, dass diese Wahrscheinlichkeiten auf lange Sicht korrekt sind… Wir werden vielleicht niemals die Wahrheit mit 100% Sicherheit wissen. Wenn wir jedoch richtige Vorhersagen machen, können wir sagen, ob wir näher dran sind.

Was Silver von anderen unterscheidet, ist, dass er in Wahrscheinlichkeiten denkt. Die Masse der Experten, die Münzen wirft, denkt in schwarz und weiß. Seine Gedanken sind offen für eine Bandbreite von möglichen Ausgängen bevor, während und – am wichtigsten – nachdem er seine Vorhersage getroffen hat. Es kann so laufen oder so. Er passt die Chancen von bestimmten Ausgängen an, wenn neue Informationen eintreffen. Das ist die effektivste Möglichkeit, über die Zukunft zu denken.

Warum denken nicht mehr Leute wie Nate Silver?

Vor 20 Jahren hat der Vizevorsitzende von Berkshire Hathaway Charlie Munger eine Rede gehalten, die den Titel hatte „Die Psychologie des menschlichen Fehlurteils“. Er zählte 25 Wahrnehmungsverzerrungen auf, die eine Entscheidung beeinflussen. Eine davon ist die Tendenz, Zweifel zu vermeiden. Er beschrieb sie so:

Das Gehirn eines Menschen ist mit der Tendenz ausgestattet, Zweifel schnell auszuräumen, indem er schnell eine Entscheidung fällt.

Es ist leicht zu erkennen, warum die Evolution Tieren im Laufe der Zeit die Fähigkeit gegeben hat, Zweifel schnell zu eliminieren. Für ein Beutetier ist es eben kontraproduktiv, wenn es bei einem Angriff durch ein Raubtier erst lange darüber nachdenkt, was zu tun ist.

Mit anderen Worten, die meisten von uns denken nicht in Wahrscheinlichkeiten. Es ist natürlich, schnell die eine oder andere Antwort zu akzeptieren und danach zu handeln.

Wenn du Finanzsendungen anschaust oder Investitionsnachrichten liest, wirst du fast niemals jemanden sagen hören, dass es dieses Jahr ein 55%iges Risiko einer Rezession gibt. Sie sagen, dass dieses Jahr eine Rezession eintreten wird. Es sagt auch niemand, dass dieses Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 60% ein Bärenmarkt wird. Stattdessen sagen sie, dass es dieses Jahr einen Bärenmarkt geben wird. Da ist kein Platz für Fehler. Es gibt keine Wahrscheinlichkeiten. Die Leute wollen genaue Antworten und die Experten gehorchen gern.

Konsumenten von Finanznachrichten sind Teil des Problems: Nicht zu wissen, was die Zukunft bringt, ist verängstigend. Du wirst aber nicht viel Vertrauen gewinnen, wenn dir jemand sagt, dass es eine 60%ige Chance für diesen Ausgang und eine 40%-Chance für jenen Ausgang gibt. Wir hören viel lieber auf Vorhersagen, die eindeutige und selbstsichere Aussagen über die Zukunft treffen. Es ist wie warme Milch gegen unsere Angst.

In Sicherheit zu denken ist normalerweise eine Reflexion, wie du die Welt gerne sehen möchtest und nicht, wie sie tatsächlich ist. Silver schreibt:

Die Unsicherheit der realen Welt bei den Vorhersagen der Experten anzuerkennen, würde voraussetzen, dass sie die Mangelhaftigkeit ihrer Theorien, wie die Welt funktioniert, zugeben müssten. Das ist das Letzte, was ein Ideologe will.

Wenn du die Welt so siehst, dass eine Steuererhöhung die Wirtschaft verlangsamt, wird keine Information deine Meinung ändern. Du wirst nicht akzeptieren, dass eine Steuersenkung die Wirtschaft mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% verlangsamen könnte. Sonst müsstest du zugeben, dass deine gesamte Weltsicht über Steuersenkungen falsch ist.

Einer der Hauptgründe, warum Investoren Fehler machen, ist, dass die Welt in Wahrscheinlichkeiten funktioniert, die Leute aber in Sicherheit denken. Darum überraschen Bärenmärkte die Leute, nutzen Banken zu große Hebel, sind Budgetvorhersagen immer falsch und viele Experten machen sich selbst lächerlich.

Sobald du anfängst, in Wahrscheinlichkeiten zu denken, ändert sich alles. Du wirst dich auf Risiko vorbereiten, welches du vorher nicht zur Kenntnis genommen hast. Du wirst auf Leute hören, denen du vorher widersprochen hast. Du wirst nicht überrascht sein, wenn eine Rezession oder ein Bärenmarkt, den niemand vorhergesehen hat, eintritt. All dies macht dich besser darin, in Zukunft zu handeln und dich in ihr zurecht zu finden – denn dies ist genau der Grund, warum man Vorhersagen trifft.

Hier ist noch einmal Silver:

Je stärker wir unsere Theorien hinterfragen und testen, desto leichter akzeptieren wir, dass unser Wissen über die Welt unsicher ist und desto eher erkennen wir, dass perfekte Vorhersagen unmöglich sind. Damit haben wir weniger Angst vorm Scheitern und mehr Freiheit, um unsere Gedanken frei fliegen zu lassen. Wenn wir wissen, was wir nicht wissen, werden wir ein paar mehr Vorhersagen richtig machen.

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The Motley Fool empfiehlt Berkshire Hathaway.

Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und am 19.06.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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