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Warum die BVB Aktie im letzten Jahr um über 22 % gesunken ist

Foto: Bernd Schmid

Die Aktie von Borussia Dortmund (ETR:BVB) (FRA:BVB) ist keine „normale“ Aktie. In erster Linie deswegen nicht, weil es bei einem Sportclub besonders schwer fällt, vorherzusagen, wie viel Gewinn er erwirtschaften kann – und vor allem möchte. Und darauf kommt es bei einem Investment einfach an.

Trotzdem lässt sich der Wert der BVB-Aktie relativ gut bestimmen, denn dieser sollte ähnlich hoch sein wie der Marktwert des Profikaders — so lange der Club keine Verluste einfährt. Und auf diesem Niveau wird die Aktie im Moment auch gehandelt: Die Marktkapitalisierung beträgt laut Finanzen.net am 17.06.2015 306 Mio. EUR, wohingegen der Marktwert des BVB-Kaders laut transfermarkt.de auf 314 Mio. geschätzt wird.

Wenn wir jetzt annehmen, dass die BVB-Aktie nicht an Wert verloren hat, weil der Markt einfach tut und macht was er will (was er im Normalfall allerdings immer tut), dann gibt es drei Hauptgründe für den Absturz.

1. Der ablösefreie Abgang eines der wertvollsten Spieler

Robert Lewandowski wechselte im letzten Jahr ablösefrei zu Bundesliga-Konkurrent Bayern München. Das schmerzte sportlich schon sehr, aber wirtschaftlich war der Abgang des Topstürmers ein herber Verlust.

Laut Transfermarkt.de liegt der Marktwert des Neu-Bayern bei 50 Mio. EUR. Das heißt, dass der Verlust von Lewandowski alleine schon zu einer Verringerung des Marktwerts des BVB-Kaders von über 14 % geführt hat. Alleine damit lässt sich also bereits ein Großteil des Kursverlusts für die BVB-Aktionäre erklären.

Dafür, dass die Aktie nicht noch mehr eingebrochen ist, können sich Investoren bei Marco Reus bedanken. Laut Gerüchteküche hätte er in diesem Sommer für eine polkotierte Ablösesumme von 25 Mio. wechseln können. Er hielt dem Club allerdings die Treue und so blieb die Aktie von einem zusätzlichen potentiellen Rückgang um 8 % verschont — denn auch Marco Reus hat einen Marktwert von 50 Mio. EUR, weshalb dem Club bei einem Reus-Abgang wieder 8 % Marktwert verloren gegangen wären (50 Mio. EUR Marktwert – 25 Mio. EUR Einnahmen im Verhältnis zum Gesamtmarktwert des BVB Kaders von 314 Mio. EUR)

2. Die sportliche Talfahrt

Borussia Dortmund war wohl die Überraschung der Saison; in negativer Hinsicht. Nach der Hinrunde stand der Vorjahreszweite auf Platz 17 und rutschte nach Beginn der Rückrunde sogar auf den letzten Tabellenplatz ab. Erst nach dem Rücktritt von Trainer Jürgen Klopp fing sich das Team und erklomm am Ende noch einen respektablen Platz 7. Der reicht immerhin, um sich nächste Saison für die Euro League qualifizieren zu können.

Allerdings rechnete man beim Club und als Investor sicher mit der Champions League. Das Nicht-Erreichen dieser bedeutet einige zig Millionen EUR weniger Einnahmen. Zum Vergleich

  • Champions-League-Einnahmen des BVB in 2014 / 2015: 44,7 Mio. EUR
  • Europa-League-Einnahmen des Gewinners (FC Sevilla) in 2014/2015: 14,6 Mio. EUR

Vergleicht man einen Viertelfinalisten der Champions League mit dem Gewinner der Europa League, ergibt sich eine Differenz von über 30 Mio. EUR. Das sind also noch einmal 10 % des gegenwärtigen Marktwertes des BVB-Kaders, die der BVB weniger hat.

Allerdings war das BVB-Management sehr gewieft und verlängerte vor der Saison offenbar einen Versicherungsvertrag, der den Club gegen den Ausfall von Champions-League-Einnahmen versichert. Damit dürfte ein Großteil dieser Einnahmen-Verluste zumindest in diesem Jahr hereinkommen. Ansonsten hätte es die Aktie meiner Meinung noch schlimmer erwischen können.

3. Unsicherheiten, was das zukünftige sportliche Niveau anbelangt

Was aber bleibt, ist, dass der BVB nicht Champions League spielt. Für potentielle neue Spieler ist das ein Minuspunkt, weshalb ich glaube, dass es schwer für den Club wird, sich zur kommenden Saison erheblich zu verstärken.

Hinzu kommt, dass mit Thomas Tuchel ein neuer Trainer an Bord kommt. Dieser wird nicht das komplette Spielsystem umstellen, trotzdem muss er beweisen, dass er alles aus der Mannschaft herausholen kann, was Klopp zumindest bis Mitte 2014 herausholen konnte. Ich persönlich traue ihm das zu, aber eine gewisse Unsicherheit bleibt.

Beides wird es für den BVB nicht einfacher machen, sich nächste Saison wieder zurück in die Champions League zu kämpfen. Und sollte dem Club das nicht gelingen, dann besteht die Gefahr einer gewissen Abwärtsspirale: Keine Champions League => geringere Einnahmen => weniger hochkarätige Neuzugänge => Halten des sportlichen Niveaus schwierig => weitere Champions League Teilnahme schwierig…

Alle Augen auf Thomas Tuchel und die Entwicklung in der nächsten Saison

Keine Frage, der ablösefreie Abgang von Lewandowski tat der BVB-Aktie weh und auch die Nicht-Teilnahme an der Champions League trug meines Erachtens ihren Teil dazu bei, dass die Aktie im letzten Jahr um 22 % abstürzte.

Was allerdings nachhaltiger wirkt, ist das Risiko, dass es der Leistungseinbruch in der Bundesliga für den Club schwieriger macht, sein sportliches Niveau zu halten. Daher ist die größte Frage, wie der neue Trainer die Mannschaft aufstellen kann — und wie schnell er sie wieder nach oben bringen kann.

Im Sport kann bekanntlich ja alles ganz schnell gehen. Allerdings in beide Richtungen. Und langfristig wird die Aktie dieser Entwicklung folgen.

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Bernd Schmid besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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