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3 Investitionskennzahlen, die du vermutlich ignorieren kannst

Du hast das Gefühl, dass manche Kennzahlen etwas Entscheidendes vernachlässigen? Du hast Recht. Quelle: Pixabay, HebiPics

Ob du ein Investor-Neuling oder ein alter Hase im Geschäft bist, es gibt sicherlich eine Handvoll Kennzahlen, die du nicht verstehst oder bei denen du nicht weißt, wozu es sie gibt. Offen gesagt gibt es viele Kennzahlen da draußen, die einfach nur nutzlos sind. Warum? Weil sie dir keinerlei Informationen über den Aktienkurs eines Unternehmens im Verhältnis zu seiner Ertragskraft liefern.

In diesem Sinne haben wir einige unserer Autoren gebeten, eine Kennzahl zu beschreiben, die du getrost vergessen kannst. Folgendes haben sie von sich gegeben.

Dan Caplinger: Eine der am häufigsten beobachteten Kennzahlen eines Unternehmens ist seine Marktkapitalisierung, die der Anzahl der sich im Umlauf befindlichen Aktien multipliziert mit dem aktuellen Aktienkurs entspricht. Eine Unzahl anderer Kennzahlen zur Messung des Erfolgs einer Aktie wird von der Marktkapitalisierung abgeleitet und die meisten Anleger beurteilen die Reichweite des Einflusses eines Unternehmens innerhalb seiner Branche mit Hilfe der Marktkapitalisierung.

Das Problem liegt jedoch darin, dass die Marktkapitalisierung nur eine Messzahl bezüglich der Größe eines Unternehmens berücksichtigt: den Teil seiner Kapitalstruktur, der durch Eigenkapital finanziert ist. Um ein genaueres Bild darüber zu bekommen, wie groß ein Unternehmen wirklich ist, ist es hilfreich, den durch Fremdkapital finanzierten Teil miteinzubeziehen. Das ist genau das, was der Unternehmenswert misst.

Gerade Unternehmen mit hohen Verbindlichkeiten haben bei weitem mehr Einfluss, als es seine Marktkapitalisierung vermuten lässt. Der Hypotheken-REIT Annaly Capital (NYSE:NLY) (FRA:AAY) hat beispielsweise eine Marktkapitalisierung von 9 Mrd. USD. Aber wenn du die Verbindlichkeiten des Unternehmens miteinberechnest, bläht sich das Volumen des Unternehmens auf fast 75 Mrd. USD auf.

Bei all der Aufmerksamkeit, die der Marktkapitalisierung geschenkt wird, ist der Unternehmenswert eine häufig übersehene aber nützliche Kennzahl für die Größe eines Unternehmens. Schau über die Marktkapitalisierung hinaus und sieh, wie der Unternehmenswert den Vergleich verschiedener Unternehmen fairer macht.

Jordan Wathen: Es gibt viele Finanzkennzahlen, die ich nie wirklich gemocht habe, aber das Kurs-Umsatz-Verhältnis sticht als eine der unnötigsten Kennzahlen heraus.

Umsatz ist nun einmal nicht gleich Gewinn. Umsatz ist eben einfach nur Umsatz und sagt nur wenig über den Wert eines Unternehmens aus. Schließlich könnte man von heute auf morgen ein riesiges Unternehmen hochziehen, indem man 1-Euro-Münzen für 99 Cent verkauft. Man würde so aber schnell pleite gehen.

Akademischer ausgedrückt mangelt es dem Kurs-Umsatz-Verhältnis daran, dass es nur den Marktpreis der ausstehenden Aktien durch den Umsatz teilt, der sich auf Eigen- und Fremdkapital stützt. Wenn dir diese Kennzahl gefällt und du auf Umsatz basierte Bewertung bestehst, wäre eine geeignetere Kennzahl das Verhältnis zwischen Unternehmenswert und Umsatz, da es auch, wie Dan bereits etwas vorher erwähnt hat, das Fremdkapital der Kapitalstruktur miteinbezieht. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis lässt hoch verschuldete Unternehmen preisgünstiger erscheinen, als sie es tatsächlich sind, da Eigenkapital einen kleineren Teil ihrer Kapitalstruktur ausmacht.

Jason Hall: Vermutlich ist die wichtigste zu vernachlässigende Kennzahl die, auf die wir die ganze Zeit starren: der Aktienkurs. Ernsthaft—lass mich das kurz erklären.

Alleine betrachtet ist der Aktienkurs eine nutzlose Kennzahl. Sie sagt nichts aus, was von Wichtigkeit ist. Betrachte beispielsweise die zwei namenhaften Bankaktien Bank of America und U.S. Bancorp:

BAC Daten von YCharts

BAC Daten von YCharts

Wenn man nur den Aktienkurs betrachtet, wäre es einfach, anzunehmen, dass Bank of America die „günstigere“ Aktie ist. Aber das ist nicht zwangsläufig der Fall. Der Aktienkurs von U.S. Bancorp ist so viel höher, da es insgesamt nur 1,7 Mrd. solcher Aktien gibt, während Bank of America 10,5 Mrd. Aktien im Umlauf hat. Obwohl Bank of America mehr als doppelt so groß wie U.S. Bancorp ist, drücken die ganzen Extra-Aktien den Kurs herunter.

Aufgrund dieser Abweichung zwischen dem Aktienkurs eines Unternehmens und seinem Marktwert bietet der Preis einer Aktie an sich nichts Brauchbares zur Bewertung eines Unternehmens. Eine brauchbare Kennzahl zum Vergleich von Unternehmen innerhalb einer Branche würde den Aktienkurs zweier Unternehmen „normieren“ und Dinge wie Verschuldung und Ertrag berücksichtigen. Das wird aber von vielen Kennzahlen, wie Dan und Jordan weiter oben beschrieben haben, ignoriert. Eine Kennzahl wie der EV/EBITDA-Multiplikator – auch als „Enterprise Multiple“ bekannt – zeigt ein anderes Bewertungsbild der beiden Banken:

BAC EV TO EBITDA (TTM) DATEN VON YCHARTS.

BAC EV TO EBITDA (TTM) DATEN VON YCHARTS.

Der EV/EBITDA-Multiplikator misst den Wert eines Unternehmens, der dem Gesamtwert aller von Anlegern gehaltenen Aktien (sowohl Stamm- als auch Vorzugsaktien oder Minderheitsanteile) zuzüglich dem Fremdkapital und abzüglich liquider Mittel eines Unternehmens entspricht. Teile diese Nummer durch den EBITDA, dem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (was im Grunde genommen die Ertragskraft des Kerngeschäfts misst).

Wie oben zu sehen ist, sind die Aktien von U.S. Bancorp unter der Verwendung dieser Kennzahl – da eine niedrigere Zahl auf eine „günstigere“ Aktie hinweist – tatsächlich „günstiger“.

Zusammengefasst

Wie unserer Experten gezeigt haben, besteht die Möglichkeit, dass du dich auf eine Kennzahl verlässt, die dir nicht wirklich beim Investieren hilft. Insbesondere dann, wenn die Kennzahl daran scheitert, dir bei der Beurteilung davon zu helfen, ob der Preis, den du für eine Aktie, basierend auf der Fähigkeit eines Unternehmens, Ertrag zu erwirtschaften, zahlen würdest, gut oder schlecht ist.

Nun seid ihr Fools an der Reihe. Gibt es sogar eine noch unbrauchbarere Kennzahl, die wir hier vergessen haben? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren.

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The Motley Fool empfiehlt Bank of America und Wells Fargo. The Motley Fool hält Aktien von Bank of America und Wells Fargo.

Dieser Artikel wurde von Jason Hall auf Englisch verfasst und am 11.06.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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