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Ins nächste große Ding investieren (das kein Mensch mitbekommt)

Foto: Pixabay, dapple1

Wenn du ein erfolgreicher Investor sein willst, dann musst du natürlich der Zeit voraus denken und die Trends antizipieren, aus denen das Next Big Thing entsteht. Das ist selbstverständlich nicht ganz so ein Selbstläufer, vor allem, wenn die Branchen, wo es demnächst richtig abgehen wird, vielleicht noch gar nicht existieren.

Trotzdem sollte man sich mal nach potenziellen Geldbringern umschauen, und wir haben einmal Fool-Autoren befragt, wo sie denn danach suchen würden. Fehlt hier ein wichtiger Hinweis? Dann lass es uns in den Kommentaren wissen.

Todd Campbell: Ich denke, dass das Next Big Thing im Bereich Biotech zu finden sein wird.

Seit Jahren schon haben Arzneimittelhersteller von traditionellen kleinmoleküligen Medikamenten erdulden müssen, dass große, namenlose Konkurrenten ihnen Marktanteile wegschnappen. Aber Biotech ist doch gegen dieses Risiko relativ immun.

Das allerdings soll sich ändern. Im März hat die US-Behörde für Lebensmittel und Arzneimittel das erste „Biosimilar“ durchgewunken – eine „Kopie“ von Amgens Neupogen, das von Novartis hergestellt wird. Die Behörde sorgte im April dann für dasselbe Prozedere bei Copaxone von Teva Pharmaceutical.

Und dabei wird es sicherlich nicht bleiben. Es werden wohl noch mehr Nachbauten genehmigt werden. Im Jahr 2018 werden wohl etwa 70 Milliarden USD wert an Medikamenten ohne Patentschutz dastehen. Deswegen pumpen Unternehmen wie Pfizer, Amgen und Biogen viel Geld in Forschung und Entwicklung. Da Kopien wahrscheinlich 30% bis 40% unter den Preisen von Markenmedikamenten liegen werden, werden sich Sparfreunde wohl diesen zuwenden – und das könnte für Aktionäre eine wichtige Information sein.

Selena Maranjian: Was man gerne übersieht, da wir es tagtäglich direkt vor der Nase haben: Wasser. In der Ersten Welt nehmen wir es einfach so hin, dass es bei uns sauber und rein aus den Hähnen läuft. Aber laut Weltgesundheitsorganisation WHO und UNICEF trinken rund 1,8 Milliarden Menschen auf der Welt kontaminiertes Wasser. Über 840.000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen von Krankheiten, die über verschmutztes Wasser kommen. Es wird erwartet, dass die Weltbevölkerung von derzeit 7 Milliarden Menschen auf über 9 Milliarden im Jahr 2050 wächst. Diese Menschen werden Zugang zu sauberem Wasser benötigen – und natürlich auch Lebensmitteln. Das bedeutet, dass die Agrarwirtschaft wachsen wird – und die Bewässerung von Feldern nimmt derzeit 70% des weltweiten Wasserverbrauchs in Anspruch. Auch in den USA müssen viele Städte und Kommunen ihre Wasseranlagen verbessern. Viele davon unterliegen einem strapazierten Budget, trotzdem können sie diese wichtige Sache nicht einfach aufschieben.

Mittlerweile dürfte dir klar sein, worauf ich hinauswill. Es gibt immensen Bedarf nach Wasser – Reinigung, Konservierung, Wiederaufbereitung usw. Vieles davon wird von Unternehmen in die Hand genommen, in die man investieren kann. In den USA beispielsweise gibt es American Water Works Company und American States Water Company, beide mit viel positivem Cashflow und zweistelligen Profitmargen. Noch größer sind Veolia Environment aus Frankreich. Alle drei sind tief in Wasser-Infrastrukturprojekte und Wiederaufbereitung involviert.

Wenn du noch nicht bereit bist, in ein spezielles Wasser-Unternehmen zu investieren, dann kannst du dir das Guggenheim S&P Global Water ETF zu Gemüte führen, das dich automatisch in etwa 50 Unternehmen mit Wasserbezug einführt. Es hat kein besonders hohes Kosten-Verhältnis von 0,65% und hat den Weltmarkt in den letzten 5 Jahren outperformed.

Sean Williams: Wenn ich hier „personalisierte Medizin“ anführen, würdest du mit den Augen rollen und sagen, dass das schon lange nicht mehr ein Next Big Thing ist. Vor allem, seit die Apple Watch und andere Wearables in Zusammenspiel mit individualisierter Medikamentierung gerade das Arzt-Patienten-Verhältnis noch exakter gestaltet. Allerdings übersehen Wall Street und die Investoren gerne mal, dass die sinkenden Kosten für Genomkartierung in der Öffentlichkeit für eine Revolution in der DNS-Kartierung sorgen könnte.

Dem National Human Genome Research Institute zufolge betrugen die Kosten, um im September 2001 ein menschengroßes Genom zu kartieren noch stolze 95 Millionen USD. Im Juli 2014 sind die Durchschnittskosten für dasselbe Prozedere auf 4.095 USD gesunken. Die Technologie verbessert sich dabei bei den Faktoren Geschwindigkeit und Genauigkeit, es könnte für Versicherer sogar ökonomisch betrachtet sinnvoll sein, von Anfang an solch ein Screening anzubieten, um gleich auf Risiken und Erkrankungen vorbereitet zu sein. Das wiederum könnte die Versicherer Millionen und Milliarden einsparen, weil man potenzielle Krankheiten frühzeitig behandeln kann.

In diesem Bereich ist das Unternehmen Illumina tätig, das eine große Auswahl an Genom-Kartierungen zur Verfügung stellt. Letztes Jahr erst führte man das HiSeqX Ten Sequencing System ein, und Illumina durchbrach die magische Grenze von 1.000 USD.

Um ehrlich zu sein, konnte die Genom-Kartierung bislang noch keine große Neuentwicklung von Medikamenten nach sich ziehen, aber die Technologie dahinter steckt ja auch noch in den Kinderschuhen. Wenn man etwas Geduld aufbringt, könnte daraus etwas richtig Großes erwachsen.

Dan Caplinger: Eine etwas kontroverse Investment-Chance dreht sich um den Klimawandel sowie die Einflüsse, die steigende Wasserspiegel auf Küstengebiete haben. Da ein Großteil der Weltbevölkerung am Wasser lebt, könnte ein Steigen der Meeresspiegel bedingt durch das Schmelzen der Polkappen katastrophale Auswirkungen auf die Infrastruktur haben. Um dem vorzubeugen werden großen Anstrengungen unternommen.

Viele Gebiete bereiten sich bereits darauf vor. So haben die Niederlande bereits Milliarden an Euro zur Vorbeugung von Wasserspiegelanstiegen investiert: verstärkte Dämme, neue Strukturen und Barrieren, um Springtiden abzuschwächen. Die niederländischen Unternehmen expandieren jetzt auch ins Ausland, so ist Arcadis in Vertragsverhandlungen mit New York City, um Wasseraufbereitungsanlagen nach dem Hurricane Sandy wieder aufzubauen.

Die Aufmerksamkeit wird zunehmen. Das könnte Arcadis und andere Unternehmen in der Branche echte Gewinner aus der Entwicklung machen. Da es noch jede Menge andere Auswirkungen des Klimawandels gibt, können gewiefte Investoren die Resultate vorausahnen und sich Unternehmen suchen, von deren verbesserter Auftragslage zu profitieren sein wird.

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The Motley Fool empfiehlt Apple, Illumina, Teva Pharmaceutical Industries und Veolia Environnement (ADR). The Motley Fool besitzt Aktien von Apple.

Dieser Artikel wurde von Dan Caplinger, Selena Maranjian, Sean Williams und Todd Campbell auf Englisch verfasst und erschien am 8.6.2015 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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