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Warum Volkswagen das Irrsinnsprojekt Lamborghini Urus durchgewunken hat

Foto: The Motley Fool

Letzten Mittwoch wurde es offiziell: Lamborghini verkündete, dass man im Jahr 2018 einen SUV auf den Markt bringen wird.

Es wird erwartet, dass der neue SUV in die Fußstapfen jenes Konzepts des Lamborghini Urus tritt, das 2012 vorgestellt wurde. Damals hieß es, dass das Fahrzeug „etwa 600 PS“ hätte, wahrscheinlich von einer Version des V10-Motors, der im Lamborghini Huracán steckt.

Der Huracán, wie sein großer Bruder Aventador, ist die Art von Sportwagen, für den Lamborghini berühmt-berüchtigt ist: extrem schnell, gewöhnungsbedürftiges Design, laut. Warum sollte sich also ausgerechent Lamborghini mit einem SUV beschäftigen?

Das Konzept Lamborghini Urus aus 2012 war eine Studie für den SUV, der 2018 auf den Markt kommen soll. Quelle: Automobili Lamborghini.

Das Konzept Lamborghini Urus aus 2012 war eine Studie für den SUV, der 2018 auf den Markt kommen soll. Quelle: Automobili Lamborghini.

Warum es wichtig ist, wer bei Lamborghini das Sagen hat

Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten, aber wir sollten zuerst auf die Konzerneltern von Lamborghini sehen. Der kleine Hersteller wird nämlich von Audi beaufsichtigt, die wiederum zur riesigen Volkswagen Gruppe (NASDAQOTH:VLKAY) (FRA:VOW) (ETR:VOW) gehören. Volkswagen ist mittlerweile der zweitgrößte Autohersteller weltweit, nur Toyota verkauft mehr Autos und holt mehr Geld rein.

Volkswagen hat 2014 10,85 Milliarden EUR Reingewinn gemacht, und das auf einem operativen Gewinn von 12,7 Milliarden EUR sowie etwas mehr als 10 Millionen verkauften Autos. Der Schlüssel zum Erfolg: die beiden Luxusmarken Ausdi und Porsche waren lediglich für 16% dieser Verkäufe verantwortlich – aber sie haben 62% des operativen Reingewinnst generiert. (Lamborghinis Verkaufszahlen und Profite sind bei Audi untergebracht.)

Das Interieur des Urus von 2012. Quelle: Automobilii Lamborghini.

Das Luxussegment ist also tatsächlich ein großes Geschäft für VW. Und SUVs sind von diesem Geschäftszweig noch einmal ein wertvoller Teil, sind mittlerweile bei Porsche für die Hälfte der verkauften Autos verantwortlich, machen selbst bei Audi einen großen Teil aus.

Porsches SUV Cayenne teilt sich das Fahrgestell mit dem Audi Q7 und dem Volkswagen Touareg. Der Touareg verkauft sich nicht ganz so gut, aber Q7 und Cayenne haben VW jede Menge Geld eingebracht, nicht zuletzt wegen des noch immer anhaltenden weltweiten Booms bei Luxus-SUVs.

Für 2017 wird ein neuer Cayenne erwartet. Und an dieser Stelle kommt Lamborghini ins Spiel.

Den Erfolg des Cayenne verdoppeln und verdreifachen

Der Erfolg des Cayenne – und erst jetzt kommende Nachfrage vor allem in China und im Nahen Osten – haben VW ein Risiko eingehen lassen in Bezug auf die nächste Generation des Cayenne.

Der soll nämlich noch exklusiver werden.

Der Urus in einer weiteren Ansicht. Quelle: Automobilii Lamborghini.

Es ist natürlich ganz klar, dass Audi auf derselben Blaupause seinen neuen Q7 aufbauen wird. Und es wird wohl auch einen neuen Touareg geben. Aber wir haben jüngst erfahren, dass noch eine weitere VW-Tochter den Hut in den SUV-Ring werfen wird: Bentley wird seinen allerersten SUV auf den Markt bringen, ein Fahrzeug mit dem Namen Bentayga – ein Affront, den der Rivale Rolls Royce sicherlich nicht lange auf sich sitzen lassen wird. Und wir wissen natürlich, dass Lamborghini mit von der Partie sein wird.

Mit anderen Worten: VW baut auf dem höchstprofitablen Porsche SUV auf, indem man noch Bentley und Lamborghini mit ins SUV-Boot holt.

Was aber können wir vom Lamborghini-SUV erwarten?

Das ist nicht der erste Lamborghini SUV

Lamborghini hat es schon einmal auf dem Markt versucht – und dabei sogar das Segment des Luxus-SUVs quasi erfunden. Protagonist damals: der wüste LM002 aus dem Jahr 1986.

Der Urvater: Lamborghinis LM002 aus dem Jahr 1986. Quelle: Automobilii Lamborghini.

Der neue SUV – der vielleicht nicht den Namen Urus behält, wohl aber auf dem Konzept von 2012 aufbaut – wird laut dem Unternehmen in der Fabrik in Italien hergestellt werden.

Das bedeutet wiederum, dass die Rahmen und einfachen Komponenten in Bratislava in der Slowakei gefertigt und dann in die Fabrik nach Sant’Agata Bolognese zur Montage verfrachtet werden. Dieselbe Fabrik in der Slowakei stellt die Rahmen und Gestelle für den derzeitigen Q7 und Touareg her, genauso wie für den Cayenne.

Allerdings wird der Vorstand sichergehen wollen, dass der neue SUV tatsächlich ein Lamborghini wird und kein modifizierter Porsche. Es scheint sicher, dass der neue Lamborghini SUV von demselben Motor angetrieben werden soll, der auch den Huracán befeuert: V10, 600 PS, dazu ein fortschrittlicher Vierradantrieb, der dem des Cayenne nicht unänhlich sein dürfte. Damit das in die Tat umgesetzt werden kann, will Audi die derzeitige Fabrik von Lamborghini vergrößern und zusätzlich 500 neue Arbeiter einstellen. Das ist schon eine große Sache, aber es wird eben auch erwartet, dass der SUV ungefähr die Lamborghinis Verkäufe von 2.530 Stück im Jahr 2014 verdoppeln wird.

Glasklare Angelegenheit: der Geschäftsaspekt für den Lamborghini SUV

2.500 verkaufte SUVs wäre nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein im weltweiten SUV-Geschäft. Warum also sollte sich VW die Mühe machen? Aus vier Gründen:

  • Der neue Lamborghini SUV wäre in der Entwicklung nicht besonders teuer, basiert er doch auf bereits existierenden Modellen.
  • Jeder der Lamborghini SUVs wäre etwa so teuer in der Herstellung wie ein Porsche Cayenne.
  • Und doch wäre der Anfangspreis für den Lamborghini ungefähr das Doppelte dessen, was man derzeit für einen Cayenne verlangt.
  • Der Porsche Cayenne Turbo ist bereits sehr profitabel für VW.

Kurz: Obwohl wohl nur wenige Einheiten verkauft werden, kann Lamborghini aus dem Modell jede Menge Profit schlagen. Darüber hinaus eben auch Audi und die VW-Gruppe. Und das ist der Grund, aus dem VW für dieses Projekt nur zu gerne grünes Licht gegeben hat.

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The Motley Fool besitzt keine der angegebenen Aktien. Dieser Artikel erschien am 31.5.2015 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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