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Deutsche Wohnen und 3 andere aussichtsreiche Möglichkeiten, in den deutschen Immobilienmarkt zu investieren

Foto: Pixabay, falco

Immobilienaktien sind besser als die direkte Investition in Immobilien. Wieso? Ganz einfach: In meinem letzten Artikel habe ich fünf gute Gründe genannt, die diese These unterstreichen.

Wenn ihr das nun auch so seht, fragt ihr euch sicherlich, in welches Unternehmen man am besten sein Geld investieren sollte. Die schlechte Nachricht ist dabei: Wie so oft im Leben gibt es auch hier nicht die eine, ideale Möglichkeit, die mit größtmöglicher Sicherheit zum Erfolg führen wird, sondern einen ganzen Blumenstrauß an Investitionsmöglichkeiten.

Die gute Nachricht ist allerdings: Für jeden persönlichen Geschmack gibt es die passende Möglichkeit, in den deutschen Immobilienmarkt zu investieren. Welches Unternehmen zu deinen Vorlieben passen könnte, erfährst du nun.

1. Was sollte man kaufen, wenn man den dicksten Fisch im Portfolio haben will?

Marktführer auf dem deutschen Wohnungsmarkt ist eindeutig die Deutsche Annington Immobilien SE (FRA:ANN) (ETR:ANN). Der Ursprung des Unternehmens geht auf verschiedene Wohnungsgesellschaften zurück, die für Angestellte der früheren Reichsbahn erschwinglichen Wohnraum angeboten haben.

Laut dem Geschäftsbericht für das Jahr 2014 bewirtschaftet die Gesellschaft mit ca. 3.800 Mitarbeitern derzeit rund 230.000 Einheiten, die sich mehrheitlich im eigenen Eigentum befinden. Im Geschäftsjahr 2014 konnte das Unternehmen einen Jahresüberschuss von 401 Mio. EUR vorweisen. Bei einem Eigenkapital von 4.933 Mio. EUR entspricht das einer Eigenkapitalrendite von ca. 8,1 %. Die Eigenkapitalrendite gibt Auskunft darüber, wie viel Rendite das Unternehmen mit dem Geld der Eigenkapitalgeber erwirtschaftet hat. Als Aktionäre sind wir ebenfalls Eigenkapitalgeber des Unternehmens, daher ist diese Kennzahl für uns von besonderer Bedeutung. Im Vergleich zu anderen Branchen, wo teilweise 20 % erzielt werden, sind 8 % nicht unbedingt üppig. Allerdings sollte man bei kapitalintensiven und weniger riskanten Branchen, wie es die Immobilienbranche ist, mit einer solchen Rendite zufrieden sein. Der Vergleich mit anderen Branchenunternehmen (weiter unten werden drei weitere vorgestellt) zeigt auch, dass sich 8 % durchaus sehen lassen können.

Im Jahr 2015 wird sich die Deutsche Annington nochmal deutlich vergrößern, da sie sich die Mehrheit an der Gagfah SE gesichert hat. Am 15. April hat Gagfah offiziell den Widerruf der Zulassung der Aktien zum regulierten Markt verkündet. Gagfah war mit ca. 140.000 Wohn- und 1.600 Geschäftsimmobilien die Nummer drei im deutschen Immobilienmarkt. D.h. die Deutsche Annington wird künftig ca. 370.000 Immobilien betreiben und damit mit Abstand der größte Fisch im deutschen Immobilienmarkt sein.

Konzentriert man sich bei seiner Aktienauswahl also jeweils auf die Branchenführer, so könnte die Wahl durchaus auf die Deutsche Annington fallen.

2. Was sollte man kaufen, wenn man am liebsten in Wundertüten investieren möchte?

Die Deutsche Wohnen AG (FRA:DWNI) (ETR:DWNI) betreibt ca. 150.000 Wohn-und ca. 2.000 Gewerbeimmobilien. Die Immobilien befinden sich überwiegend im Großraum Berlin, im Rhein-Main-Gebiet, im Rheinland, in Dresden und in Hannover.

Mit ca. 780 Mitarbeitern erwirtschaftete das Unternehmen einen Jahresüberschuss von 856 Mio. EUR. Das Eigenkapital zum Bilanzstichtag 2014 betrug 4.693 Mio. EUR. Damit ergibt sich eine Eigenkapitalrendite im Geschäftsjahr 2014 in Höhe von 18,2 %. Bei einem Ergebnis pro Aktie von 2,97 EUR und einem aktuellen Kurs von 23,83 EUR (Xetra-Schlusskurs am 18.05.2015) ergibt sich ein KGV von 8,0.

Diese Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, da Sondereffekte (Neubewertung des Immobilienbestandes) den Jahresabschluss deutlich positiv beeinflusst haben. Schaut man sich die Vorjahreswerte an, so zeigt sich ein deutlich anderes Bild. Bei einem Jahresüberschuss von 212 Mio. EUR bzw. einem Ergebnis pro Aktie von 1,20 EUR betrug die EK-Rendite 7,4 % und ergibt sich ein KGV von 19,9. Mit einer Dividende von 0,44 EUR pro Aktie liegt die Dividendenrendite derzeit bei 1,8 %.

Schaut man sich nur diesen kleinen Auszug an möglichen Kennzahlen an, so ist die Deutsche Annington derzeit vielleicht die bessere Wahl. Allerdings möchte ich an dieser Stelle deutlich machen, dass sich mit einem solch kurzen Blick auf die Unternehmenszahlen kaum eine vernünftige Prognose ableiten lässt. Geht man beispielsweise davon aus, dass die Deutsche Wohnen künftig eine ähnliche Eigenkapitalrendite wie die Deutsche Annington erzielen kann, so würde sich ein Jahresüberschuss pro Aktie von 1,30 € ergeben und damit ein KGV von 18,3. Eine ähnliche Bewertung wie die Deutsche Annington. Ohne eine tiefergehende Analyse bleibt die Deutsche Wohnen zunächst also die Wundertüte in diesem Quartett.

3. Was sollte man kaufen, wenn man auf lokale Größen mit hoher Dividendenrendite steht?

Als lokales Unternehmen ist die LEG Immobilien AG (FRA:LEG) (ETR:LEG) ausschließlich in Nordrhein-Westfalen aktiv. Das Unternehmen entstand 1970 aus dem Zusammenschluss mehrerer eigenständiger Immobilienunternehmen. Das Kürzel LEG geht dabei noch auf die ehemalige Firmierung als Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen GmbH zurück.

Mit ca. 1.000 Mitarbeitern betreibt das Unternehmen über 110.000 Immobilien. Im Jahresabschluss 2014 bilanziert das Unternehmen ein Eigenkapital in Höhe von 2.477 Mio. EUR. Bei einem Jahresüberschuss von 156 Mio. EUR (2,89 EUR pro Aktie) ergibt sich eine Eigenkapitalrendite von 6,3 %. Der derzeitige Kurs von 68,51 EUR (Xetra-Schlusskurs am 18.05.2015) entspricht einem KGV von 23,7. Und, für das Geschäftsjahr 2014 wird pro Aktie eine Dividende von 1,96 EUR ausgeschüttet, was eine Dividendenrendite von 2,9 % ergibt.

Wollt ihr also speziell in Immobilien in Nordrhein-Westfalen investieren und zusätzlich eine ordentliche Dividende einstreichen, so seid ihr hier an der richtigen Adresse. Allerdings müsst ihr dann auch Abstriche bei der aktuellen Bewertung und der Rendite in Kauf nehmen.

4. Was sollte man kaufen, wenn man auf hohe Renditen abfährt?

Der Exot in der Reihe ist die Deutsche Euroshop AG (FRA:DEQ) (ETR:DEQ), da sich diese ausschließlich als Investmentgesellschaft an Shoppingcenter beteiligt. Dieses Geschäftsmodell ist wohl größeren Schwankungen unterworfen als die Geschäftsmodelle der anderen drei Kandidaten, da die Auswirkungen von Wirtschaftskrisen eher die Erträge (Mieteinnahmen) von Shoppingcenter treffen werden als die Mieteinnahmen bei Wohnimmobilien.

Dieses höhere Risiko zeigt sich allerdings auch in der im Vergleich deutlich höheren Eigenkapitalrendite von 11,6 %. Das Ergebnis pro Aktie betrug im Jahr 2014 3,15 EUR, was beim aktuellen Kurs von 46,59 EUR (Xetra-Schlusskurs am 18.05.2015) einem KGV von 14,8 entspricht. Das höhere Risiko führt also auch zu entsprechenden Bewertungsabschlägen an den Wertpapierbörsen. Bei einer Dividende von 1,30 EUR beträgt die Dividendenrendite ca. 2,8 %.

Renditeorientierte und risikobereitere Anleger dürften sich also eher mit der Deutschen Euroshop wohlfühlen.

Wie ihr seht, gibt es verschiedenste Möglichkeiten mit Immobilienaktien Geld zu verdienen. Mit welcher Möglichkeit ihr euch am wohlsten fühlt und welche am besten zu eurem persönlichen Anlagestil passt, muss nun jeder für sich selber entscheiden.

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Sven besitzt Aktien der Deutschen Euroshop. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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