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SWOT-Analyse für Gilead Sciences‘ Aktie

Foto: Pixabay, felixioncool

Wie stehen die Aussichten für den Aktienkurs von Gilead Sciences (NASDAQ:GILD) (FRA:GIS) (ETR:GIS)?

Auf kurze Sicht ist es so gut wie unmöglich, diese Frage zu beantworten. Auf lange Sicht können Investoren jedoch mit einigermaßen großer Wahrscheinlichkeit hochrechnen, wie gut sich die Aktie von Gilead (oder die jedes anderen Unternehmens) entwickeln wird. Der entscheidende Punkt ist, dass eine Aktie kein abstraktes Finanzinstrument ist. Sie ist ein Teileigentum an einem echten Unternehmen mit Produkten, Mitarbeitern und Wettbewerbern.

Seit Jahrzehnten analysieren Experten die Aussichten eines Unternehmens mit Hilfe eines einfachen Werkzeugs namens SWOT-Analyse. Die Abkürzung steht für Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Gefahren). Gilead Sciences’ langfristigen Aussichten für den Verlauf seines Aktienkurses hängen stark davon ab, wie gut sich das Unternehmen in jeder dieser Kategorien schlägt. Hier ist eine schnelle SWOT-Analyse für den Biotech-Riesen.

Stärken

Es ist nicht schwer, Gilead Sciences‘ Stärken auszumachen. Ganz oben stehen dabei die Hepatitis-C-Medikamente des Unternehmens Harvoni und Sovaldi. Letztes Jahr haben die beiden Medikamente zusammen einen Umsatz von über 12,4 Mrd. USD eingefahren. Das ist eine gewaltige Summe – und sogar noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass Sovaldi erstmals im Dezember 2013 und Harvoni im Oktober 2014 erhältlich war.

Während diese Hepatitis-C-Medikamente Gileads Akienkurs auf ein Allzeithoch katapultiert haben, basiert der überwiegende Erfolg des Biotech-Unternehmens auf einer beständigen Verbesserung seiner HIV-Medikamente. Atripla und Truvada ragen momentan mit einem kombinierten Umsatz im Jahr 2014 von 6,8 Mrd. USD heraus. Jedoch hat Gilead drei weitere starke HIV-Medikamente in seinem Arsenal: Die schnellwachsenden Verkaufsschlager Stribild, Complera/Epivlera und Viread.

Schwächen

Gileads Stärken im Hepatitis-C und HIV-Markt könnten auch als seine größten Schwächen gesehen werden. Der Erfolg des Biotech-Unternehmens in diesen Bereichen macht es stark von diesen Medikamenten abhängig. Insbesondere ist der Ergebniszuwachs, der zuerst von Sovaldi und nun von Harvoni getrieben ist, nicht auf Dauer haltbar.

Die Dominanz im Hepatitis-C und HIV-Markt unterstreicht außerdem die Tatsache, dass Gilead auf anderen Bereichen keine vergleichbaren bahnbrechenden Erfolge erzielt hat. Herz-Kreislauf-Medikamente Letairis und Ranexa liefern akzeptable Ergebnisse, aber sie spielen nicht in der gleichen Liga wie die anderen Medikamente des Biotech-Unternehmens.

Gileads Betreten der Onkologie-Bühne war sogar noch weniger beeindruckend. Das Medikament Zydelig, das für die Behandlung von drei Krankheiten einschließlich chronischer lymphozytischer Leukämie zugelassen ist, war nicht annähernd so erfolgreich wie das Medikament Imbruvica des Konkurrenten Pharmacyclics (NASDAQ:PCYC) (FRA:PY2).

Chancen

Es ist angemessen, den Umsatzwachstums von Gilieads aktuellen Produkten, insbesondere Harvoni und Stribild, als eindeutige Chancen für den Kursverlauf der Aktie zu betrachten. Auf lange Sicht gibt es jedoch einige andere Schlüsselelemente, die dem Biotech-Unternehmen in die Karten spielen.

Zunächst einmal Gileads Pipeline. Das Unternehmen arbeitet gerade an 40 klinischen Studien, wobei zwei Medikamente auf die regulatorische Zulassung warten und 8 Medikamente sich in Phase 3 befinden.

Gilead möchte seine Vormachtstellung mit seiner Emtricitabine/Tenofovir- Alafenamide-Kombination auf dem HIV-Markt weiter aufrechterhalten, genauso wie seine Position auf dem Hepapitits-C-Markt mit Hilfe von verbesserten und neuen Produkten.

Das Unternehmen scheint auch ein weiteres vielversprechendes Medikament namens Simtuzumab in Aussicht zu haben. Das Medikament, das sich in Phase 2 befindet, soll zur Behandlung von zwei Lebererkrankungen eingesetzt werden: Nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH) und primär sklerosierende Cholangitis. Falls Simtuzumab erfolgreich ist, wäre das Produkt eine großartige Ergänzung zu Gileads Hepatitis-C-Medikamenten.

Gileads kräftige Barmittelbestände bergen die zweite große Chance für das Unternehmen. Zum 31.März 2015 verfügte das Biotech-Unternehmen über liquide Mittel und börsengängige Wertpapiere im Wert von 11,2 Mrd. USD. Die richtige Verwendung dieser Mittel könnte den Aufwärtstrend der Aktie weiter vorantreiben. Schließlich wurde Sovaldi durch einen Buyout erwirtschaftet. Gilead hat dieses Jahr bereits zwei Übernahmen verkündet: das NASH Programm von Phenix Pharmaceuticals und das winzige dänische Unternehmen EpiTherapeutics ApS.

Gefahren

Gileads Gefahren sind so ziemlich dieselben, denen sich auch andere Medikamentenhersteller stellen müssen: Wettbewerb, Patentschutz und Entwicklungsrisiken. Was den Wettbewerb betrifft, sticht AbbVie als Gileads größter Konkurrent im Hepatitis-C-Markt heraus. Merck wird recht bald mit seiner Grazoprevir/Elbasvir-Kombination mit in den Ring steigen. Im HIV-Markt ist Gileads größter Konkurrent Viiv Healthcare, ein Joint Venture zwischen GlaxoSmithKline und Pfizer.

Das größte Risiko von diesen Rivalen geht vom Preisverfall aus. Obwohl es scheint, dass Gilead den Kampf mit AbbVie über Exklusitvitätszahlungslisten gewonnen hat, setzte dies die Senkung der Preise für Harvoni und Sovaldi voraus.

Bezüglich des Patentschutzes gibt es gute Nachrichten. Die Patente der meisten großen gewinnbringenden Medikamente laufen noch viele Jahre. Viread ragt als bemerkenswerte Ausnahme heraus. Sein U.S-Patent läuft 2018 aus. Gilead muss sich jedoch patentbezogenen Gerichtsverfahren stellen, die dem Unternehmen bei Misserfolg schaden könnten.

Auch wenn Gileads Pipeline weiterhin stark bleibt, birgt die Medikamentenentwicklung immer Risiken. Sicherheitsprobleme könnten auftreten. Regulierungsbehörden könnten die Zulassung verweigern. Das stellt für Gilead (und andere Biotech-Unternehmen) eine laufende Gefahr dar.

SWOT. Na und?

Wie steht es also nun um Gilead Sciences’ Perspektiven? Die Stärken und Chancen des Biotech-Riesens scheinen für mich zu diesem Zeitpunkt die Schwächen und Gefahren zu überwiegen. Infolgedessen würde ich sagen, dass die Perspektiven für Gileads Aktie gut sind.

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The Motley Fool empfiehlt Gilead Sciences. The Motley Fool hält Aktien von Gilead Sciences. 

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 20.05.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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