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Apple Aktien: Hat Carl Icahn Recht oder Unrecht?

Quelle: Apple.

Der Fonds-Manager und Milliardär Carl Icahn hat neulich seinen jüngsten Brief an Apples (NASDAQ:AAPL) (FRA:APC) Management veröffentlicht. Und darin geht es besonders um eine Idee: Apples Aktien sind höchst unterbewertet, weswegen das Unternehmen Aktienrückkäufe beschleunigen sollte, um das Fenster nicht zu verpassen, in dem die Aktien zu vernünftigen Preisen zu haben sind.

Icahn besitzt beinahe 3,6 Milliarden USD wert an Apple Aktien. Damit ist seine Besorgnis nicht nur uneigennützig. Icahn ist einer der erfolgreichsten Investoren überhaupt, seinem Gedankengang zu folgen könnte also für alle Investoren einen lohnenswerten Einblick geben.

Ist Apple tatsächlich stark unterbewertet?

Carl Icahn und sein Team gehen davon aus, dass Apple derzeit 240 USD pro Aktie wert ist. Das würde eine große Steigerung gegenüber dem derzeit tatsächlich gehandelten Preis von etwa 130 USD pro Aktie bedeuten – nämlich ein Plus von 85%. Dieser ist der wichtigste Gedanke seiner These, denn Unterbewertung ist der beste Grund, um Aktienrückkäufe zu beschleunigen.

Icahn nimmt an, dass Apple bis Ende 2016 12 USD Gewinn pro Aktie machen. Wenn man von einem Multiplikator von 18 mal den Einnahmen pro Aktie ausgeht, dann kommt man auf einen Wert von 216 USD pro Aktie. Dazu kommen den Berechnungen von Icahn zufolge noch 24 USD pro Aktie an Cash, die Apple zur Verfügung stehen. Und mit der Addition von Wert zu Cashwert (216 + 24 = 240 USD) kommt man auf den von ihm errechneten Preis.

Im Brief vergleicht Icahn Apples Bewertung mit der Bewertung, die der Markt dem S&P 500 zukommen lässt, und dabei stellt er fest, dass Apple kriminell unterbewertet ist. „Wenn wir Apples Preis-Gewinn-Verhältnis mit dem des S&P 500 vergleichen, dann stellen wir fest, dass der Markt Apple noch immer mit dem Wert von 10,9 multipliziert – anstatt mit 17,4, wie man es für den S&P 500 tut. Damit bewertet man den S&P 500 um 60% besser als Apple.“

Wachstum und Bewertung

Einer der Gründe, warum Apple zu einem vergleichsweise niedrigen Multiplikator gehandelt wird ist, dass das Unternehmen für Verkäufe und Profit noch immer stark auf das iPhone angewiesen ist. Fast 70% des gesamten Umsatz kam im letzten Quartal alleine vom iPhone.

In der Tat verkauft sich das iPhone hervorragend. Der Gesamtumsatz in dem Segment wuchs zum Vorjahresvergleich im Q1 um 55% und erreicht damit 40,3 Milliarden USD. Andererseits bedeutet eine Konzentration auf ein einziges Produkt immer auch ein langfristiges Risiko – besonders natürlich auf dem schnelllebigen Markt von Tech. Sollten die iPhone-Verkäufe wegen Übersättigung des Marktes oder verstärkter Konkurrenz einbrechen, dann könnte es Apple schlecht ergehen.

Allerdings glaubt Icahn, dass Investoren die Wachstumsmöglichkeiten von Apple unterschätzen. Und das ist der Grund, aus dem Apples Bewertung vergleichsweise gering ist. Er sagt:

Es ist nicht ganz einfach zu verstehen, da Apple bereits das größte Unternehmen der Welt ist, aber bei Apple handelt es sich unserer Meinung nach nach wie vor um ein wachsendes Unternehmen. Und darum finden wir, dass die Aktien bei einem Vielfachen des S&P 500 gehandelt werden sollten – und nicht der S&P 500 60% über Apple.

Icahn glaubt, dass Apple mittelfristig in das TV- und Automobilgeschäft einsteigen wird, und dass diese beiden Branchen mächtige Triebfedern für Wachstum sein werden. Es ist schwer zu sagen, was der nächste Schritt für Apple sein wird um Umsatzsteigerungen zu erwirtschaften. Es gibt aber gute Anzeichen dafür, dass Apple in den nächsten Jahren überdurchschnittliches Wachstum erfahren wird.

Erstens gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die iPhone-Verkäufe verringern werden. Die Modelle iPhone 6 und iPhone 6 Plus sind besonders konkurrenzfähig und ziehen mehr als in den Vorjahren viele Kunden an, die zuvor auf andere Handys gesetzt haben. Auch ist die Nachfrage aus neuen Märkten besonders positiv, im letzten Quartal konnten die Verkäufe in diesen Regionen um 58% gesteigert werden.

Verschiedenen Magazinen zufolge ist Apple die wertvollste Marke der Welt. Und das ist ein entscheidender Vorteil, wenn man die Preise bestimmen und neue Produkte auf den Markt werfen will. Jüngste Projekte wie Apple Pay und die Apple Watch zeigen außerdem, dass sich das Unternehmen nicht auf seinen Lorbeeren ausruht, stattdessen weiter auf Wachstum und Innovation setzt.

Es ist nur schwer vorauszusagen, was Apple auf dem TV-Markt und im Automobilsektor erwartet. Allerdings könnte Carl Icahn den Nagel auf den Kopf getroffen haben, wenn er beide als große Wachstumschancen für Apple begreift.

Geld arbeiten lassen

Apple generiert viel mehr Cash als es braucht, um ins Geschäft zu reinvestieren. Das frei verfügbare Geld betrug in den ersten beiden Quartalen des Geschäftsjahrs 2015 47,2 Milliarden USD, eine Steigerung von 44% gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr. Das Unternehmen bringt mehr und mehr Geld für Rückkäufe in Stellung: so hat Apple neulich seine Rückkaufspläne von 90 Milliarden USD nach oben auf 140 Milliarden USD korrigiert. Seit der Rückkauf-Ankündigung im August 212 bis Ende März diesen Jahres hat Apple mehr als 80 Milliarden USD seinen Aktionären in Rückkäufen zugeführt.

Interessanterweise scheint der Vorstand mit Carl Icahn auf einer Linie zu sein – sonst gäbe es keine Rückkäufe. Luca Maestri, SVP und CFO, dazu: „Wir stellen den Hauptteil für Rückkäufe zur Verfügung, da wir volles Vertrauen in die Zukunft und den Wert der Aktie haben.“

Trotz dieser großzügigen Kapitalverteilung häuft Apple mehr und mehr Geld auf dem Konto an. Apple besitzt beinahe 194 Milliarden USD allein in Cash, Cash-Äquivalanten und Investitionen. Auch wenn man davon 40 Milliarden USD langfristig angelegter Schulden und 3,8 Milliarden USD in Geschäftsverbindlichkeiten abzieht, dann bleiben dem Unternehmen immer noch über 150 Millarden USD. Ganz klar: Apple hat mehr als genug Geld, um seine Rückkäufe aufs nächste Level zu führen.

Carl Icahns Einschätzungen und Annahmen zu Apple kann man diskutieren. Aber das Unternehmen sieht in der Tat attraktiv bewertet aus, wenn man sich die Möglichkeiten ansieht. Darüber hinaus generiert Apple Unmengen an Cash.

Das Rückkauf-Programm ist derzeit schon groß angelegt. Aber es gibt keine Zweifel daran, dass es nicht noch größer werden könnte. Es sieht ganz danach aus, dass Apple seine Rückkäufe in den nächsten Jahren beständig steigert.

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The Motley Fool empfiehlt Apple. The Motley Fool besitzt Aktien von Apple.

Dieser Artikel erschien am 20.5.2015 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser and der Diskussion teilnehmen können.

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