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Die unbezahlbare Kunst, sich nichts draus zu machen

Jiddu Krishnamurti verbrachte sein Leben damit, hochgeistige Reden zu halten. Als er älter wurde, wurde er deutlicher. In einem berühmten Moment fragte er sein Publikum gerade heraus, ob es sein Geheimnis wissen will.

Er flüsterte: “Wisst Ihr, es ist mir egal, was passiert”.

Ich habe die letzten fünf Jahre als Investor damit verbracht zu versuchen, dies zu tun. Ich habe einen durchdachten Versuch unternommen, mich weniger darum zu kümmern, was in der Investitionswelt passiert. Natürlich passe ich noch auf. Das ist mein Job. Ich bin nun nur deutlich wählerischer bei dem, was ich lese. Dies hat mehr geholfen, als ich mir vorstellen konnte.

Sich zu kümmern, gibt uns den falschen Eindruck, dass das was wir denken wichtig ist. Wenn ich mich auf die Quartalszahlen konzentriere, sollte ich dann nicht ein besserer Investor sein? Wenn ich lese, was heute Morgen auf dem Markt passiert ist, bin ich dann nicht besser informiert?

Der gesunde Menschenverstand sagt dir, ja. Das ist aber falsch. In den meisten Fällen ist es besser, sich gar nicht zu kümmern.

Meine Reise begann mit der Erkenntnis, dass je mehr Medien Investoren konsumieren, desto schlechter schneiden sie ab. Je mehr sie analysieren, desto mehr Entscheidungen haben sie zu treffen. Je mehr Entscheidungen sie zu treffen haben, desto größer ist das Risiko, dass sie falsch liegen, dass die Gefühle in die Quere kommen und sie etwas tun, was sie später bereuen. Finde jemanden, der seine persönlichen Finanzen im Griff hat und du wirst jemanden vor dir haben, der in der Lage ist, sich nicht zu kümmern.

Es ist erstaunlich, dass es nur so wenige Ausnahmen von dieser Regel gibt. Wo ist der Beweis, dass das Aufsaugen jeder Information über den Markt dich zum besseren Investor macht? Ich habe danach gesucht, kann ihn aber nicht finden.

Daher habe ich aufgehört, mich um ein paar Sachen zu kümmern.

1. Das perfekte Portfolio finden

Investoren verschlingen Zahlen, um die perfekte Anzahl internationaler Aktien mit genau dem richtigen Alter zu finden, den genauen Betrag zu ermitteln, den sie in einem Fonds anlegen sollen und zu berechnen, wann sie Aktien abstoßen sollen, wenn historische Modelle zeigen, dass sie überbewertet sind.

Hier ist die Wahrheit: Keines dieser Modelle ist perfekt. Gute Schätzungen liefern in der Regel ebenso brauchbare Ergebnisse.

Harry Markowitz gewann den Nobelpreis für seine moderne Portfoliotheorie. Diese ist eine Formel, die die genaue Kapitalallokation berechnet, um bei einem bestimmten Risikoniveau den Ertrag zu maximieren.

Für sein eigenes Geld fand er dies zu kompliziert.

„Ich habe mir meine Trauer vorgestellt, wenn der Aktienmarkt nach oben geht und ich nicht mit dabei bin oder wenn er fiel und ich komplett drin steckte“, sagte Markowitz einst. „Daher habe ich meine Mittel 50/50 zwischen Aktien und Fonds aufgeteilt.“

Das sagt alles.

2. Quartalszahlen

Das Medianunternehmen des S&P 500 wurde 1949 gegründet und ist damit 66 Jahre alt. Die Quartalszahlen sagen dir, was in dessen letzten 90 Tagen passiert ist oder anders ausgedrückt, in 0,3% seines Lebens. Die Chancen, dass bahnbrechende Entwicklungen in einer solch kurzen Zeit passieren, sind dünn und gehen gegen null. Dies ist in etwa so, als ob du deinen Tagesverlauf anhand der letzten vier Minuten abschätzen willst.

Jeff Bezos, CEO von Amazon.com, sagte, er führt sein Leben nach der Maxime, Enttäuschungen zu minimieren. Sein Ziel ist es, im Alter von 80 zurückschauen zu können und so wenig wie möglich bereuen zu müssen.

Wie stehen die Chancen, dass ich im Alter von 80 Jahren sage: „Mann, ich wünsche mir, dass ich mehr auf den Umsatz von Microsoft im Jahre 2011 geschaut hätte.“ Ziemlich niedrig. Daher habe ich beschlossen, mich nicht drum zu kümmern.

3. Sich fragen, warum der Markt fiel

Der Dow Jones fiel am Mittwoch um 0,4%. Warum?

Es gibt viele Gründe. Ein Artikel sah die Schuld bei schwankenden Zinssätzen. Ein anderer Artikel schrieb über die „griechischen Sorgen“. Andere zeigten auf die Fed, das schwache BIP-Wachstum und die fallenden Energiepreise.

„Zufällige, unbekannte, kleine Verkäufer waren etwas motivierter, als zufällige, unbekannte, kleine Käufer“, schrieb niemand. Das ist allerdings die beste Erklärung dafür, warum Aktien fielen. Das Gleiche gilt für fast jeden Tag.

4. Andere Investoren dazu bringen, mir zuzustimmen

Nehmen wir an, deine Wetter-App sagt dir, dass es morgen 25°C und sonnig werden wird. Meine sagt, es wird 23°C und bedeckt.

Würdest du darüber streiten, ins Fernsehen gehen und es ausfechten, jemanden beleidigen?

Natürlich nicht. Wir würden sagen: „Lass uns schauen, was passiert. Wahrscheinlich ist es sowieso nicht wichtig“.

Investoren denken nicht auf diese Weise. Es gibt unzählige Auseinandersetzungen, in denen sich Leute darüber streiten, welche Vorhersage richtig ist.

Im Gegensatz zu Wetter ist Geld ein emotionales Ding. Im Gegensatz zur Temperatur von morgen haben wir Einfluss auf unsere Investitionsentscheidungen. Viele Investoren sind daher beleidigt, wenn andere nicht zustimmen. Sobald du jedoch einsiehst, dass a) deine Sichtweise genauso beeinflusst ist, wie die eines jeden anderen, und b) dass es wahrscheinlich ist, dass ihr beide falsch liegt, gibt es keinen Grund mehr zu streiten. Diskussion, sicher. Das Leben ist aber zu kurz zum Streiten.

Investieren macht viel mehr Spaß, wenn du dich mit diesen Dingen abfinden kannst. Stelle ein Portfolio zusammen, das dir passt. Es sollte dich nachts schlafen lassen und dir eine vernünftige Chance geben, deine finanziellen Ziele zu erreichen. Lass Platz für Fehler und habe einen Ausweichplan. Das ist das Beste, was du tun kannst.

Seit dem kümmere ich mich nicht mehr darum, was passiert.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und am 15.05.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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