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Warum IBM Milliarden auf die Entwicklung des Internet der Dinge setzt

Foto: IBM

IBM (NYSE:IBM) (FRA:IBM) hat neulich einen komplett neuen Geschäftszweig hochgezogen, der sich mit seinen vielen neuen Projekten beschäftigen soll, die auf das „Internet of Things“ (Internet der Dinge, IoT) zielen. „Big Blue“ wird allein in dieses Projekt über die nächsten vier Jahre verteilt 3 Milliarden USD stecken, mit dem Ziel, der perfekte Partner für Geschäftskunden zu werden, die nach Lösungen im IoT-Bereich suchen.

Dieser Schritt positioniert IBM klug auf der Spielwiese des plötzlichen IoT-Markts. Die Kollegen von Cisco Systems schätzen, dass dieser Bereich über das nächste Jahrzehnt 19 Billionen USD Wertzuwachs für die Industrie bringen wird. Cisco hat dazu weitere Server angeschafft, erhofft sich, damit einen größeren Teil vom Kuchen zu schnappen. IBM allerdings geht in die andere Richtung und lässt Hardware hinter sich, setzt voll auf Software, Dienste und Datenanalyse.

Fest steht: Die IoT-Strategie ist der Schlüssel zur Zukunft des Unternehmens. Und die doch recht leise verlaufene Ankündigung könnte sich in den nächsten Jahren als neuer Impulsgeber herausstellen. Mit diesen Überlegungen im Hinterkopf habe ich Erick Brethenoux ans Telefon bekommen, um mit ihm das neue IoT-Segment zu besprechen. Erick ist der perfekte Ansprechpartner: Als Vorsitzender der Bereiche Business Analytics und Decision Management Strategy bei IBM kann er wie kein Zweiter Auskunft geben.

Worum geht es bei diesem IoT-Geschäftszweig?

Zuallererst einmal musste ich mehr herausfinden über die neu gegründete Einheit. Brethenoux erklärt die Einheit, die bei IBM als Teil der Analyse im Softwarebereich eingegliedert ist, folgendermaßen:

Wir haben an vielen IoT-Aufgaben unabhängig und in verschiedenen Bereichen gearbeitet. Wir glauben, dass bei der Relevanz der Daten und der immer größer werdenden Nachfrage von Kunden es von Vorteil ist, wenn man ihnen etwas in die Hand geben kann, was sie sich ansehen können. Und so hat es nur Sinn gemacht, alle Bereiche unter einen Hut zu bringen.

Wir haben in dieser Einheit drei Bereiche:

Einer sieht sich Lösungen an und versucht, aus Lösungen, die wir bereits aus bestehenden Problemen kennen, neue Wege zu gehen und für die neue Schiene umzusetzen.

Der zweite Bereich ist eine Plattform, auf der Entwickler auf Komponenten zugreifen können, die wir intern in unseren Programmen verwenden. Entweder die komplette Komponente, oder auch nur Teilstücke, die sich in neue Sachen integrieren lassen, an denen sie gerade arbeiten.

Die dritte Aufgabe besteht darin, dass wir ein Ökosystem erschaffen. Wir haben noch nicht alle nötigen Daten und auch noch nicht alles nötige Wissen. Deswegen holen wir uns erst einmal Leute, die richtig gut mit Zahlen umgehen können, oder die in der Lage sind, Software zu erschaffen, die die Daten verwerten können, damit man diese neuen Programmen füttern kann. Dazu noch Leute, die richtig gut das Netzwerk verstehen, damit wir die Kommunikation zwischen den einzelnen Geräten sauber hinbekommen. Leute von AT&T, bespielsweise.

Wenn es uns gelingt, diese drei Aspekte zusammenzuschließen, dann können wir uns tatsächlich daran machen, auf der IoT-Plattform zu wachsen.

Mit anderen Worten: Es geht um vorgefertigte Lösungen, eine große Entwickler-Plattform und einem lebendigen Ökosystem aus Daten und Expertise. Und jede einzelne Komponente kann entscheidend sein – vielleicht benötigt ein Projekt lediglich ein Tool zur Sammlung von Daten, oder anspruchsvollere Auswertung. IBM ist in der Lage diese Dinge zu leisten, und es kann sicherlich auch eine Lösung schaffen, die von oben nach unten alle drei miteinander vereint. So nämlich versucht das Unternehmen in dieser (wieder einmal) turbulenten Zeit der Neuerungen im Tech-Bereich noch immer relevant zu bleiben.

Ich habe mich nach direkten Plänen für Gewinn-Maximierung erkundigt, und Brethenoux hat die Frage geflissentlich ignoriert. Diese neue Einheit betreffend hat IBM hat noch keine direkten Pläne angekündigt – man sieht sie eben eher als Innovationsplattform, deren Ziele weit in die Zukunft reichen. Wertvoll, sicherlich, aber IBM wird erst einmal keine direkten Umsätze mit dieser Einheit generieren. Stattdessen wird die Einheit Software und Dienste aufwerten.

Konkretes Anwendung: Wetteranalyse

Ich wollte mehr darüber erfahren, wie IBMs IoT-Plattform Kunden und Partnern dienen kann. Brethenoux gab als Beispiel die Partnerschaft mit Weather Company an, die gleichzeitig zur IoT-Einheit verkündet wurde:

Die Weather Company hat uns gebeten, jede Menge Daten zur Verfügung zu stellen. Zur gleichen Zeit stellen wir unseren Apps jede Menge Daten zur Verfügung. Wir arbeiten für IBM natürlich auch für den Verkauf, und die bitten uns nun um Cross-Selling und Upselling von dem, was sie vorrätig haben – dabei spielt Wetter eine ziemlich große Rolle.

Wenn wir also sagen: „Ihr solltet euch mal unbedingt Wetter als Faktor ansehen“, dann sagen die uns, dass sie diese Daten nicht vorrätig haben, über keine Wetterstation verfügen, dass wir diese Daten unbedingt mit einer Werbung mitschicken sollen. Das ist ein neuer Schritt für IBM: Dass wir bislang nicht mit Daten gehandelt haben.

Deswegen sind wir die Partnerschaft mit Weather Company eingegangen. Das hilft uns dabei, Wetterdaten für jede unserer Anwendung auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen.

Dies ist nicht nur ein recht frischer Blick auf das dritte Standbein des IoT-Geschäfts – nämlich das Ökosystem an Expertise – sondern auch ein schönes Beispiel dafür, wie das IoT auf unerwartete Art und Weise behilflich sein kann. Ganz klar: Wetter hat einen großen Einfluss darauf, wie die Aussichten für Geschäfte und Veranstaltungen stehen. Warum das Wetter also nicht gleich als Faktor in die Apps einbauen, die diese Branchen überwiegend nutzen?

Das eingebaute Wetter kann nicht nur das Geschäft hinter dem Vorhang vereinfachen, sondern auch direkt in Smartphone-Apps oder andere mobile Tools integriert werden. Wenn du also an einem sonnigen Tag auf dem Parkplatz deines Baumarkts hältst, könnten dir direkt Coupons für Gartenmöbel oder einen Grill aufs Smartphone geschickt werden. An einem regnerischen Tag dafür Gutscheine für einen Regenschirm oder Kamine.

Das sind natürlich nur sehr einfache Beispiele, die der Veranschaulichung dienen sollen. Wetter ist ein wichtiger Faktor fürs Geschäft, es sollte Unternehmen möglich sein, voll darauf zuzugreifen.

Natürlich ist Wetter lediglich einer von vielen Aspekten, die über das Internet der Dinge eine profunde Auswirkung auf die Geschäftswelt haben kann. IBM arbeitet mit vielen anderen Datensammlern zusammen, um den Zweit IoT zu stützen. Wundere dich also nicht, wenn in den nächsten Jahren noch mehr Ankündigungen dieser Art kommen.

Erick Brethenoux, IBM. Quelle: IBM.

Ein weiteres Beispiel: Analyse von Flugzeugmotoren

IBM hat außerdem eine Kooperation mit Pratt & Whitney angekündigt, einer Division von United Technologies, was mich sehr an ein Gespräch mit General Electric erinnert, das ich im letzten Jahr zum selben Thema geführt habe. Indem man Unmengen an Daten von normal verlaufenden Flügen sammelt und diese Daten durch einen aufwendigen Analyseprozess schickt, können Airlines mühsame Strecken und kostenintensive Wartung vermeiden. GE ist bereits dabei, und nun erledigt IBM diesen Dienst für Pratt & Whitney.

Brethenoux ging auf die Ähnlichkeit ein, hob allerdings hervor, was man bei IBM anders macht:

Analyse ist unsere Brot und Butter. Analyse steckt tief in unserer DNS, ist schon lange Bestandselement des Unternehmens, wir sind auch sehr gut darin. Wir haben bedingt durch die Geschichte einen Vorteil.

Darüber hinaus muss man sagen, dass GE auch großartige Lösungen in der Hinterhand hat, jede Menge Wissen aufbauen konnte. Auf diesem Sektor ist GE sicherlich als Konkurrent zu betrachten.

Brethenoux sagte außerdem, dass Pratt & Whitney ihre eigenen Analysetools hätte entwickeln können, stattdessen aber lieber eine Partnerschaft mit IBM einging. Das ist der Unterschied zu GE, wo die Herstellung von Flugzeugmotoren und die Datenanalyse unter demselben Dach stattfinden. Es gibt sicherlich viele verschiedene Wege, die man durch den neuen Dschungel an neuer und intensiver Datenanalyse nehmen kann – IBM schafft es, für andere eine Art Abkürzung zur Verfügung zu stellen. Ich bin sicher, dass GE derzeit auf der Suche nach Partnern ist, die an ihrer IoT-Expertise interessiert sind. Aber Flugzeug-Analysen gehören sicherlich nicht dazu.

Das Fazit

Am Ende beschrieb Brethenoux die Bemühungen von IBM in einfachen Worten:

Wir stehen erst ganz am Anfang mit dem Sektor IoT. Es wird großartige Möglichkeiten bieten.

Dieser riesige neue Markt kommt gerade erst auf uns zu. Keiner kann ihn aufhalten. Warum sich also nicht darauf freuen, ihn als Chance betrachten und sich überlegen, wie man selber Teil dieses Billionen-Dollar-Geschäfts werden kann?

Darum also investiert IBM gerade Milliarden in die neue Geschäftseinheit.

Kurzfristig könnten diese Ausgaben IBM wehtun, es ist aber ganz sicher die richtige Taktik für die Zukunft. Aus genau diesem Grund habe ich neulich ein eigenes Portfolio für Big Blue angelegt. Zudem nehme ich mal an, dass Warren Buffetts Wette auf IBM in Höhe von 12 Milliarden USD viel Optimismus für den Wiederaufbau signalisiert, sonst hätte das Orakel schon längst sein Geld wieder abgezogen.

Stattdessen kauft er mehr und mehr IBM Aktien. Solltest du vielleicht auch tun.

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The Motley Fool empfiehlt Apple und Cisco Systems. The Motley Fool besitzt Aktien von Apple, General Electric Company und International Business Machines. Dieser Artikel wurde am 5.5.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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