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Belüge dich nicht selbst, Investieren war noch nie einfach

Foto: The Motley Fool, Matt Koppenheffer

Barron’s, November 2009: „ Die Zeiten des leicht verdienten Geldes sind vorbei„*

Morningstar, Dezember 2010: Die Zeiten des leicht verdienten Geldes sind vorbei „*

MarketWatch, November 2011: „ Die Zeiten des leicht verdienten Geldes sind bereits vorbei „*

TheStreet, Mai 2012: „ Die Zeiten des leicht verdienten Geldes sind vorbei „*

Morningstar, Dezember 2013: „ Die Zeiten des leicht verdienten Geldes sind vorbei „*

Barron’s, Oktober 2014: „ Die Zeiten des leicht verdienten Geldes sind vorbei„*

CNBC, März 2015: „ Die Zeiten des leicht verdienten Geldes sind vorbei„*

* (Die Artikelüberschriften wurden aus dem Englischen Übersetzt. Im Original heißen sie “The easy money has been made”.)

Leute sagen im Finanzwesen viele dumme Sachen. „Die Zeiten des leicht verdienten Geldes sind vorbei“, ist ziemlich an der Spitze der Liste.

Der Spruch erzeugt den Eindruck, dass die Marktgewinne der Vergangenheit offensichtlich waren und nur wenige Fähigkeiten und Voraussicht erforderten. Für die Zukunft musst du nun ein scharfäugiger, taktischer Investor sein, um Geld zu verdienen.

Das ist kompletter Unsinn, da hier Rückschaufehler und die Illusion eines Blicks in die Zukunft aufeinandertreffen.

Die Aktien sind seit März 2009 gestiegen. Dies war eine der stärksten Sechs-Jahres-Rallys in der Geschichte. Wenn du aber denkst, dass dies vorhersehbar war oder gar leicht, dann belügst du dich selbst.

Nichts davon war je einfach. Das wird durch die Tatsache deutlich, dass Leute durchgängig behaupteten, „die Zeiten des leicht verdienten Geldes sind vorbei“, seit der Bullenmarkt vor sechs Jahren begann.

Bei jedem Schritt in den letzten sechs Jahren gab es überzeugende Argumente, dass Aktien zu weit gegangen sind, sich selbst überholt haben und fallen müssen.

2009: Die Wirtschaft ist am Rande einer zweiten großen Depression.

2010: Schuldenkriste in Europa, Blitzcrash, zu hohe Gesellschaftsgewinne, Hyperinflation klopft an die Tür, zyklisch adjustierte KGV (CAPE) überbewertet.

2011: Arabischer Frühling, Ölpreisanstieg um 25%, eine Double-Dip-Rezession zeichnet sich ab, Ende des Quantitative Easing, Obamacare führt zu vielen Schlagzeilen mit Endzeitcharakter, Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft.

2012: Griechenland geht das Geld aus und reißt Europa mit sich, Gesellschaftsgewinne zu hoch, Bernanke ruiniert den Dollar, die Steuern steigen, das schwache Arbeitsmarktwachstum bedeutet, dass eine ganze Generation zurückgelassen wird, Schlagzeilen zur Wahl zerstören deinen Glauben an die Menschlichkeit.

2013: Das Banksystem in Zypern bricht zusammen, Banken aus den USA werden verklagt, die Verwaltung der USA schließt, Showdown um die Schuldenbremse der USA riskiert einen Kreditausfall.

2014: Ende des Quantitative Easing, Chinas Wirtschaft kühlt sich ab, Ebola, Aktien erreichen ein Allzeithoch.

Du kannst das so weit zurückführen, wie du willst. Jedes Jahr gibt es ohne Ausnahme einen Grund, sich Sorgen zu machen und Aktien zu verkaufen.

Die häufigsten Gründe, warum Leute sagen, dass Aktien in Zukunft schlecht laufen werden, sind 1) die Bewertungen sind hoch, 2) die Gesellschaftsgewinne werden fallen, 3) die Zinsen steigen. Dies sind alles gültige Punkte, aber Leute sagen dies schon seit Jahren.

Financial Times, Oktober 2009: „Der US-Aktienmarkt ist um 40% überbewertet.”

Business Insider, April 2013: „Gewinnmargen werden kollabieren, Aktien rutschen ab.“

New York Times, Juni 2009: „Aktien rutschen auf Zinssorgen aus.“

Keine dieser Aussagen sollte kritisiert werden. Die meisten wurden von klugen Leuten getroffen, die zu dieser Zeit rational dachten. Sie sind aber eine Mahnung daran, dass die Dinge in den letzten sechs Jahren nie einfach waren. Die Zukunft war damals genauso Furcht einflößend wie heute.

Nur im Nachhinein sehen die Sachen so offensichtlich aus wie: “Alter, klar waren Aktien 2009 leicht verdientes Geld. Die waren superbillig und die Wirtschaft der USA war am Anfang eines mehrjährigen Erholungsprozesses.“

Aber wie viele Leute haben dies 2009 geglaubt? Nicht viele. Schau dir einfach die Bestseller aus dem Jahr an:

Die Große Depression kommt: Wie Sie von einem Crash profitieren können, der dem größten Boom der Geschichte folgt

Kartenhaus: Ein Märchen über Hybris und jämmerlichen Exzess an der Wall Street

Kernschmelze: Ein Blick auf den freien Markt. Warum der Aktienmarkt zusammenbrach, die Wirtschaft abrutschte und Rettungspläne die Dinge noch verschlimmern

Suze Ormans Handlungsplan 2009: Halten Sie Ihr Geld sicher

Schluss mit der Fed

Keines dieser Bücher schrie, “Der Aktienmarkt ist gerade leicht verdientes Geld!” Ganz im Gegenteil.

Der Grund, warum du mit Aktien Geld verdienst, ist, dass du Aktien hältst, obwohl die Zukunft unbekannt ist, schlimme Dinge passieren können und die Ergebnisse unsicher sind. Es gibt nie, niemals so etwas wie „leicht verdientes Geld“. Es gibt nur Erkenntnisse im Nachhinein und diese Erkenntnisse sind durch die Zeit verzerrt, überschrieben in unseren Köpfen als Erinnerung, die so nicht stattgefunden hatten.

Hier sind drei Dinge, die du dir merken solltest:

  1.  Unstabile Situationen können Jahre länger anhalten, als du glaubst. Manche Investoren denken, dass das leicht verdiente Geld hinter uns liegt, weil die Bewertungen nicht weiter steigen oder Gewinne nicht mehr wachsen können. Natürlich können sie das. Die gesamte Geschichte der Wirtschaft ist eine betrunkene Fahrt über nicht nachhaltige Booms und Crashs. Wir reden vom statistischen Durchschnitt, zu dem die Dinge am Ende zurückkehren. Die Wirtschaft und der Aktienmarkt verbringen jedoch nur wenig Zeit am Durchschnitt. Sie tun meist das, was sie nicht tun sollten.„Dieses Mal ist es anders“ sind nicht die gefährlichsten Worte beim Investieren. „Ich investiere, wenn die Dinge wieder normal sind“, ist viel schlimmer.
  2.  Gute Investitionen tun weh. Investoren bezahlen einen hohen Preis für Komfort und erhalten einen hohen Preis für Dinge, die nur wenige andere tun. Das wird immer so sein.
  3. Die Zukunft ist so unsicher, wie die Vergangenheit offensichtlich ist. Es ist allerdings leicht, sich vom Gegenteil zu überreden.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und am 28.04.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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