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Ist Südzucker immer noch süß?

Foto: Pixabay, Humusak

Der Zuckermarkt in Deutschland wird sich in zwei Jahren dramatisch ändern – auf den ersten Blick zu Lasten der Unternehmen. Warum kann das trotzdem eine Chance für den Anleger sein?

Die Aktie der Südzucker (ETR:SZU) (FRA:SZU) war lange Jahre einer meiner absoluten Favoriten. Der Grund dafür ist die besondere Gestaltung des Zuckermarktes in Deutschland. Drei Unternehmen haben den Markt fast wie mit Gebietsmonopolen unter sich aufgeteilt: Die Nordzucker im Norden, Pfeifer & Langen im Westen und eben Südzucker in Süddeutschland. Alle drei profitieren dabei von der Europäischen Zuckermarktordnung, die mit Quoten, Zöllen und Subventionen die heimischen Produzenten z.B. vor preiswerten Importen schützt.

Diese Zuckermarktordnung jedoch läuft zum 30. September 2017 aus. Welche Auswirkungen hat das für die Unternehmen? Ich betrachte hier nur Südzucker, da die beiden anderen Firmen nicht börsennotiert sind.

Das Unternehmen Südzucker

Südzucker unterteilt sein Geschäft in vier Bereiche. Neben der klassischen Zuckerproduktion sind das Spezialitäten (z.B. Tiefkühlpizza für Handelsmarken), Fruchtzubereitungen und -säfte sowie die Produktion von Bioethanol für den Kraftstoffsektor über die 69-prozentige Tochter CropEnergies (ETR:CE2) (FRA:CE2).

Im Geschäftsjahr 2013/2014 (28.02.) verteilten sich Umsätze und Gewinne wie folgt:

Anteil am Umsatz Anteil am operativen Ergebnis
Zucker 52 % 66 %
Spezialitäten 24 % 19 %
Frucht 15 % 10 %
CropEnergies   9 %   5 %

Quelle: Geschäftsberichte der Südzucker.

Es wird deutlich, dass der Zucker weit überdurchschnittlich zum Unternehmenserfolg beiträgt. Das betrifft nicht nur den absoluten Anteil; auch erzielt Zucker die höchsten Renditen.

Änderung des Umfelds

Das könnte sich nach dem Auslaufen der Zuckermarktordnung in gut zwei Jahren ändern. Produktionsquoten, Einfuhrzölle und Subventionen schotteten die Produzenten bislang gegen allzu großen Wettbewerb ab. Fällt dieser Schutz weg, ist mit weiterem Preisdruck vom Weltmarkt zu rechnen. Südzucker will darauf mit Einsparungen (insbesondere beim Personal) reagieren. Auch der Zwang zu Fusionen wird steigen. Da Nordzucker und Südzucker aber bereits die zwei größten Zuckerproduzenten in Europa sind, dürfte es hier kartellrechtliche Probleme geben.

Aber natürlich bereiten sich auch die weltweiten Wettbewerber auf die veränderte Situation vor. Und das führt schon heute – also noch deutlich vor dem Auslaufen – zu fallenden Preisen. Der Bericht über die ersten drei Quartale des Geschäftsjahres 2014/2015 macht das deutlich. Die Umsatz- und Gewinnverteilung der vier Bereiche sieht dort so aus:

Anteil am Umsatz Anteil am operativen Ergebnis
Zucker 48 % 25 %
Spezialitäten 25 % 47 %
Frucht 16 % 31 %
CropEnergies 11 % – 3 %

Quelle: Geschäftsberichte der Südzucker.

In diesen neun Monaten sind Ergebnis und Margen des Konzerns um gut zwei Drittel im Vergleich zum Vorjahr geschrumpft. Das zeigt die immer noch große Abhängigkeit vom Zucker.

Und es gibt noch weitere schlechte Nachrichten: 2009 wurde ein Zuckerkartell aufgedeckt. Produzenten sollen seit Mitte der 90er-Jahre unter anderem Preise abgesprochen haben. Südzucker muss nun einerseits hohe Bußgelder an das Kartellamt zahlen. Darüber hinaus melden sich jetzt immer mehr Kunden mit Schadenersatzforderungen.

Schließlich bereitet auch CropEnergies Sorgen. Durch den Verfall der Preise für Bioethanol und Lebens- und Futtermittel ist die Südzucker-Tochter in die roten Zahlen gerutscht. Eine schnelle Besserung ist hier nicht in Sicht.

Alles in allem also schlechte Aussichten. Die Börse hat auch entsprechend reagiert und den Kurs auf Talfahrt geschickt. Die Aktie notiert in der Nähe ihres 5-Jahres-Tiefs und hat die Börsenrallye seit 2009 nicht mitgemacht. Vom 28.04.2009 bis 28.04.2015 ist der DAX um 156,4 % gestiegen, der MDAX um 294,4 %. Die Südzucker-Aktie dagegen fiel — ohne Berücksichtigung der Dividenden – um 14,3 %.

Eine Chance für antizyklische Anleger?

Aber genau solche Situationen suchen Value-Investoren. Der berühmte Anleger John Templeton sagte einmal: „Investiere dann, wenn der Pessimismus am größten ist“. Über die Kursentwicklung hatte ich schon geschrieben. Der Kurs von EUR 12,06 (23.04.2105) ist etwas mehr als die Hälfte des Buchwertes von EUR 22,70 per 30.11.2014. Und das für ein immer noch profitables Unternehmen.

Zwar stehen Veränderungen des Marktes an, aber Südzucker ist in der Branche sehr gut positioniert. Auch wird das Produkt Zucker weiterhin nachgefragt werden. Für langfristig denkende Anleger könnte Südzucker also eine attraktive Anlagechance bieten.

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Peter besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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