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Deine beste Anlagestrategie: Einfach mal durchatmen

Foto: Pixabay, BDE

Was braucht man, um ein sehr guter Investor zu sein?

Im Buch Langfristig Investieren von Wharton-Professor Jeremy Siegel aus dem Jahr 2005 gibt eine interessante Antwort: Die Fähigkeit, einfach gar nichts zu tun.

Im S&P 500 sind – genau – 500 Unternehmen gelistet. Und die sind immer andere. Manche werden aus dem Index ausgelesen, von Konkurrenten übernommen, gehen bankrott. Standard & Poor’s müssen stets die Liste auffrischen.

Seit dem Anfang im Jahr 1957 wurden fast 1.000 Unternehmen aus dem Index gestrichen, dafür weitere 1.000 aufgenommen.

Siegel hat errechnet, wie der Index performt hätte, wenn man einfach den ursprünglichen Unternehmen im Index treu geblieben wäre – das bedeutet auch, dass man bankrotte Unternehmen drin behalten hätte und die Investments von den Buyouts in bestehende Unternehmen des S&P 500 investiert hätte.

Und das Ergebnis ist schockierend.

„Derjenige, der in die ursprüglichen 500 Unternehmen investiert hat und nie auch nur eine Aktie veräußert hätte, würde nicht nur den weltberühmten Index schlagen sondern auch die Performance der allermeisten Manager und aktiv geführten Fonds“, schreibt Siegel.

Bis Dezember 2003 hat der normale S&P 500 seit 1957 10,3% pro Jahr abgeworfen.

Aber wenn du mit den ursprünglichen Unternehmen dabei geblieben wärst und hättest alle Gelder von bankrotten Unternehmen in die verbleibenden investiert (im Dezember 2003 waren das noch 125 an der Zahl), hättest du pro Jahr 11,3% eingenommen.

Klingt nicht nach einem großen Unterschied, ist es aber.

Ein investierter Dollar im Jahr 1953 wären im Jahr 2003 93 USD. Im „Portfolio der Stärksten“ wären das immerhin 124 USD.

Der normale S&P 500 Index benötigt ganze Truppen an Analysten, die entscheiden müssen, welche neuen Unternehmen die ausgeschiedenen ersetzen. Das „Portfolio der Stärksten“ benötigt nicht einen einzigen. Kein bisschen Analyse-Arbeit. Du hättest im Jahr 1957 einfach den S&P 500 gekauft und dann den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Hätte daneben gehen können. Die nächsten 50 Jahre könnten ganz anders aussehen.

Es gibt aber eine gute Erklärung für diese Resultate.

Siegel schreibt, dass neue Unternehmen im Index in der Regel junge, schnell wachsende Unternehmen sind, oft teuer, oft überbewertet. Das schlägt sich negativ auf zukünftige Erträge aus. Die Unternehmen, die lange dabei sind, sind in der Regel alt und wachsen recht langsam, sind niedrig bewertet. Günstige Aktien werfen in der Regel höhere Erträge ab.

„Ich kann nicht behaupten, dass diese jungen Unternehmen nicht dazu beigetragen haben, dass der S&P 500 den kreativen Disruptionsprozess beschreitet, der für wirtschaftliches Wachstum nötig ist“, schreibt Siegel. „Aber insgesamt haben die Neulinge den Investoren nicht allzu viel eingebracht.“

Und alteingesessene Unternehmen sind die, die in der Regel auch für die Zukunft recht solide aufgestellt sind. Ihr Alter ist ein Zeichen von Robustheit und Wetterfestigkeit – und nicht zuletzt auch Wandlungsfähigkeit.

Aus Nassim Talebs Buch Antifragilität:

Betrachte einen jungen und einen alten Menschen. Du kannst dir im Klaren darüber sein, dass der Junge den Älteren überleben wird. Mit einem unverderblichen Produkt wie Technologie ist das nicht unbedingt der Fall. (…)

Für das Verderbliche bedeutet jeder neue Tag eine Verkürzung der Lebenszeit. Für das Unverderbliche bedeutet jeder neue Tag einen längeren Lebenszeitraum. Die Robustheit eines Gegenstands ist proportional zur Lebenszeit. (…) Je länger ein Produkt auf dem Markt ist, desto länger kann man davon ausgehen, dass es überlebt.

Deswegen sind einige der langfristig interessantesten Unternehmen nicht unbedingt jene, die mit neuer, großartiger und lauter Technologie ködern. Sondern vielmehr Versicherungen. Zahnpastafirmen. Tabak und Seife. Die langweilen dich vielleicht zu Tode, bringen aber so lange mittelmäßig gute Profite hervor, dass sich diese zu einem wahren Vermögen anhäufen.

Mein Freund Patrick O’Shaughnessy zeigt mit dem folgenden Graphen die Erlöse der verschiedenen Wirtschaftszweige seit 1963. Die sterbenslangweiligen Verbraucherzweige schnitten am besten ab – und zwar bei weitem. Hingegen stand es um aufregend neue Technologie sehr schlecht:

Die wichtigste Lektion hier ist wohl der unschätzbare Wert vom Nichtstun und sich Zurücklehnen.

Investieren verlangt mehr als alles andere vor allem Geduld und Disziplin. Leider zieht es mehr als alle anderen die Ungeduldigen und Zügellosen an.

Siegels Berechnungen sind ein gutes Beispiel dafür, wie das permanente Kaufen, Verkaufen und Feinjustieren des Portfolios langfristig zu gerineren Gewinnen führen kann. Selbst bei scheinbar passiv geführten Portfolios wie dem S&P 500 denken Analysten permanent darüber nach, welche Aktien man durch welche anderen ersetzen könne. Klingt klug, schmälert aber oft die Performance.

So viel beim erfolgreichen Investieren liegt nicht an deiner Fähigkeit, besser als alle anderen zu kaufen und zu verkaufen, sondern daran, diese Aktien länger als alle anderen zu halten.

Oder wie Warren Buffett einmal gesagt hat: „Der Aktienmarkt ist dazu da, Geld von den Aktiven zu den Geduldigen zu transferieren.“

Also: Am besten einfach ganz ruhig bleiben.

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Dieser Artikel von Morgan Housel wurde am 20.2.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde von Alexander Langer übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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