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Ein Milliardär greift den Kapitalismus an – was bedeutet das für dein eigenes Investieren?

Foto: The Motley Fool, Matt Koppenheffer

Dieser Artikel ist ein Auszug des Newsletters von The Motley Fool, “Bilanz Ziehen”. Hier kannst du dich kostenlos für unseren Newsletter anmelden.

Der Kapitalismus war bislang für Paul Tudor Jones nicht gerade eine Bürde. Dem Milliardärsranking von Forbes zufolge ist der Gründer von Tudor Investment mehr als 3,5 Milliarden EUR schwer. Nicht übel.

Aber jetzt greift eben dieser Multimilliardär den Kapitalismus an, will, dass die Welt für uns alle lebenswerter wird. Hat er damit Recht? Ist er ein Idealist? Oder hat er einfach nur einen Vogel?

JUST Capital, die Gesellschaft, die von Jones gegründet wurde, kam neulich groß in die Finanz-Medien, weil Jones im März einen TED-Talk mit dem Titel „Why we need to rethink capitalism“ hielt und dieser auf der TED-Website zugänglich wurde. In dem Vortrag schießt Jones gegen die in Amerika vorherrschende Einstellung, dass ein Profit über allem zu stehen habe. Er bedauert, dass „wir die Menschlichkeit aus den Unternehmen gerissen“ hätten. Anschließend warnt er, dass die gesellschaftliche Ungleichheit, die dadurch entstanden ist, normalerweise früher oder später zu höheren Steuern, einer Revolution oder sogar Krieg führt.

Und damit klingt er ganz genauso wie der Geist der zukünftigen Weihnacht in Charles Dickens’ Eine Weihnachtsgeschichte. Und genau wie dieser weist auch Jones darauf hin, dass sich diese Schreckensszenarien mit „mehr Gerechtigkeit in der Unternehmensphilosophie“ vermeiden ließen.

Nicht der einzige

Jones hat natürlich ein ganz anderes Standing als die oft abgerissenen Demonstranten der Occupy Wall Street Bewegung, deren Anhänger sich oft allein durch ihr Auftreten angreifbar gemacht haben. Und obwohl sich Jones und Occupy an zwei verschiedenen Enden des Spektrums befinden, ist doch ganz klar, dass immer mehr Stimmen laut werden, die darauf hinweisen, dass vieles im Argen liegt und Veränderungen her müssen.

In seinem Talk wies Jones hauptsächlich auf die Situation in den USA hin. Hier, in Westeuropa, ist die Situation doch anders. Jones wies insbesondere auf einen Graphen hin, der Unterscheide im Einkommensniveau und „soziale Probleme“ aufzeigte. Deutschland, Österreich und die Schweiz waren allesamt am linken Ende zu finden – dem „guten“ Ende. Griechenland weiter oben und weiter nach rechts gerückt, in den „schlechten“ Teil des Graphen. Die USA? Schon gar nicht mehr auf dem Graphen vermerkbar, sagte Jones.

Und trotzdem sollten wir diese Diskussion nicht ignorieren. Nicht nur, dass diese einen Einfluss auf die Unternehmenskultur in den USA haben könnte – und viele von uns besitzen Anteile an amerikanischen Unternehmen – darüber hinaus könnten sich diese Ideen über die Grenzen der USA hinaus verbreiten, wo schon viele solcher Ideen von „mehr Gerechtigkeit“ im Umlauf sind und angewandt werden.

Die Lösung

Jones’ Vorschlag für „mehr Gleichheit“ in amerikanischen Unternehmen besteht hauptsächlich darin, dass die Öffentlichkeit mehr Mitspracherecht dabei hat, was für große Unternehmen „Erfolg“ bedeutet. Das, so Jones, würde mehr Menschlichkeit in die Unternehmen bringen und vom radikalen und unablässigen Profitdenken wegführen.

JUST Capital hat auch schon Vorarbeit geleistet und per Umfrage Amerikaner befragt, was sie für Unternehmen vorrangig für wichtig halten. The Wall Street Journal hat einige erste Reaktionen eingefangen:

Martin Whittaker, der CEO von JUST Capital, sagte, dass die meisten der Befragten daran interessiert waren, wie die Unternehmen ihre Angestellten behandelten und mit der Gemeinde interagierten; die Einkommensschere zwischen CEO und den einfachen Angestellten; außerdem wie transparent Zutaten in den Produkten kenntlich gemacht werden.

Sobald die Umfrage beendet wird, sollen die besten 1.000 Unternehmen der USA gelistet werden, und zwar anhand einer „Fairness-Skala“, anschließend sollen die Unternehmen dabei beraten werden, wie sie ihr Ranking verbessern können.

Bedeutet das etwa… weniger Profit?

Wenn du schon etwas länger die Artikel und Newsletter von Fool liest, dann weist du, dass wir nicht bei dem Theater mitmachen, das jede Ergebnissaison über uns hereinbricht. Es ist ein unwürdiges Spektakel wenn Unternehmen, Analysten großer Banken und nicht zuletzt die Medien langsam aber sicher wegen ein paar Cent Profit pro Aktie, die die Erwartungen über- oder unterlaufen haben, druchdrehen.

Gleichzeitig aber ist es natürlich nachvollziehbar, dass Anleger sich die Haare raufen, wenn Unternehmen, deren Anteile sie halten, weniger auf Profite achten. Denn Profite sind es schließlich, wegen denen wir überhaupt Investoren geworden sind.

Und trotzdem finde ich mich davon nicht betroffen. Warum?

Nun, zuerst einmal war ich von Anfang an skeptisch gegenüber Sorgen gegenüber „zu hohen“ Profitmargen. Im Jahr 2011 setzte sich mein Fool-Kollege Morgan Housel auf Fool.com damit auseinander (Link führt zu amerikanischer Website). Sein Fazit damals: Ein Schlüssel für höhere Profitmargen in den USA waren geringere Arbeitnehmerzahlen und Gehälter. Und wenn diese steigen, „könnte dies dazu führen, dass die Profitmargen schmelzen, was aber zu einem offensichtlichen Gegengewicht führen wird: Mehr Arbeitnehmer bedeutet mehr Ausgaben von Konsumenten, mehr Umsatz und schnelleres Wachstum.“

Ich selber habe mich der Sache im Jahr 2013 angenommen (Link auf englisch) und mehr als 50 Jahre an Datenmasse analysiert, die die Profitmargen von Unternehmen und Performance auf dem Aktienmarkt miteinander in Relation setzt. Als ich die Veränderung in den Profitmargen gegenüber den Änderungen auf dem Aktienmarkt über eine Zeitspanne von 10 Jahren betrachtete, fiel mir folgendes auf:

Dies zeigt, dass der S&P 500 besser performt, wenn die Profite der Unternehmen sinken!… Wenn wir diesen letzten Graphen beherzigen, sollten wir nicht weiter mit Bärenstimmung registrieren, wenn die Profite gegenüber dem Bruttosozialprodukt in dne Keller gehen, sondern eher mit Bullenstimmung. (Was dem einen oder anderen Statistiker sicherlich zu hoch sein dürfte.)

Diese wunderbare Sache namens „Langfristigkeit“

Es sollte uns also nicht stören, wenn die Profite von Unternehmen im Zuge von langfristigen, zyklischen Profiten gegenüber höheren Gehältern fallen. Es könnte sich für uns Investoren sogar als eine ganz angenehme Sache herausstellen.

Was aber passiert, wenn Demonstranten und sogar Milliardäre wie Paul Tudor Jones weiterhin Unternehmen dazu anstacheln, andere Prioritäten als Profit zu setzen?

Auch bei dieser Überlegung fühle ich mich eher in meinen Ansichten bestärkt als besorgt.

Investoren, denen es ausschließlich darum geht, dass ein Unternehmen unbedingt hier und da jeden Cent Profit pro Aktie einfährt, sollten sich Sorgen machen. Aber die sollten sich ohnehin Sorgen machen, ganz egal, ob JUST Capital mit ihrer Herangehensweise Erfolg haben oder nicht.

Langfristig betrachtet sind für Investoren natürlich jene Unternehmen die besten, die den Menschen mehr bieten als bloß solide Zahlen unter dem Strich. Das sind eben jene Unternehmen, denen es gelingt, wahre Werte für ihre Kunden und Partner zu schaffen, die ein Produkt und Geschäft hervorbringen, das aufrecht zu erhalten ist. Letztlich kann ein Unternehmen seinen Investoren keinen langfristigen Erfolg haben, wenn es nicht langfristig dabei ist. Und wir haben in der Weltwirtschaftskrise ziemlich schnell gesehen, was mit Unternehmen passiert, die sich viel zu sehr auf kurzfristig geschaffene Profiten verlassen.

Ich will gar nicht davon ablenken, wie zentral es für Unternehmen ist, einen Profit zu erwirtschaften. Ein Unternehmen, dem das nicht gelingt, wird selbstverständlich genausowenig länger mit dabei sein, und natürlich ist es die Hoffnung auf einen Profit, der uns Investoren anlockt.

Aber besonders jetzt, da wir wieder einmal knietief in der Ergebnissaison stecken, finde ich, dass Jones eine offene Tür einrennt. Ganz einfach gesagt: Nicht alles, was ein langfristig erfolgreiches Unternehmen ausmacht, findet man in den Vierteljahresberechnungen ganz unten auf dem Auszug über Plus und Minus.

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