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Die Krimkrise hat Gazprom arg gebeutelt – deine Chance als Investor?

Foto: Pixabay, PDPics

Es ist jetzt mehr als ein Jahr seit der russischen Annexion der Krim vergangen. Seit damals ist die Aktie des russischen Erdgasriesen Gazprom OAO (MCX:GAZP) (FRA: GAZ) stetig gefallen. Sie steht jetzt um etwa 20 % tiefer als noch vor einem Jahr.

Sollten Investoren Gazprom-Aktien meiden? Oder gerade jetzt zuschlagen, wo sie preiswert sind?

Was für ein Unterschied ein Jahr macht

Anfang 2014 sah es für das russische Erdgasunternehmen Gazprom rosig aus. Gas kam durch die Nord Stream-Pipeline nach Deutschland – zum Teil im Besitz des deutschen Versorgungsunternehmens E.ON SE (ETR:EOAN) (FRA:EOAN) – und es wurde sogar in Erwägung gezogen, die Pipeline nach Großbritannien zu erweitern. Es war außerdem geplant, eine neue Süd-Stream-Pipeline zu bauen, die südeuropäische Länder beliefern würde, ohne dabei durch die Ukraine zu gehen.

Nun hat sich seit der Annexion der Krim alles geändert. Im Dezember nahm Gazprom vom Projekt Süd-Stream unter Berufung auf EU-Einwände Abstand. Im Januar wurde die Nord-Stream-Erweiterung erst einmal auf Eis gelegt. Die EU hat ebenfalls untersagt, dass Gazprom zusätzlichen Zugang zu der Opal-Pipeline erhält, die Erdgas aus der Nord Stream-Pipeline von Deutschland aus in die Tschechische Republik bringt. 2014 fiel der Netto-Gewinn des Unternehmens erstaunliche 70 %.

Trotz dieser Rückschläge ist Gazprom noch immer ein wichtiger Lieferant von Gas nach Europa, bedient etwa ein Drittel der EU. Aber der Markt ist möglicherweise nicht mehr so garantiert wie Gazprom es sich wünscht.

Es wird noch schlimmer

Im vergangenen Monat hat der Vizepräsident der Europäischen Kommission Maroš Šefčovič einen Plan zu einer Europäischen Energie Union erstellt.

Die Einzelheiten des Plans sind recht komplex, wie du erwarten würdest. Aber eines ist klar: Der Plan wurde entwickelt, um den Einfluss Russlands auf Europa einzugrenzen – und damit auch den Einfluss des staatlich kontrollierten Unternehmens Gazprom. Darunter fallen ein südlicher Gas-Korridor zwischen Europa und Zentralasiatischen Ländern über die Türkei sowie ein stärker miteinander verbundenes Pipeline-Netz zwischen den einzelnen europäischen Ländern.

Dieser Plan ist bislang tatsächlich nur das: ein Plan. Aber es wird deutlich, dass Europa es ernst meint mit der Energieunabhängigkeit, und dass dies auf lange Sicht für Gazprom nicht gut sein kann. Ein Unternehmen, das am meisten von einem energieunabhängigen Europa profitiert, ist E.ON. Im Zuge des Plans zur Europäischen Energie Union unterzeichnete E.ON zwei 20 Jahre laufende Angebote, um flüssiges Erdgas aus den Vereinigten Staaten zu importieren. Damit wäre Deutschland auch weniger auf russisches Gas angewiesen, eine weitere Tatsache zuungunsten von Gazprom.

Angebot und Nachfrage

Wenn die langfristige Situation für Gazprom schlecht aussieht, sieht die kurzfristige Situation richtiggehend katastrophal aus. Europäische Erdgaspreise befinden sich in einem Fünf-Jahres-Tief, und die Nachfrage ist schwach. In der Tat besagt ein aktueller Bericht von Bloomberg, dass Moskau für Gazproms Umsätze in Europa 2015 ein 10-Jahres-Tief prognostiziert.

Hier ist natürlich die Abwertung des Rubels mitverantwortlich; die Währung ist allein 40 % in den letzten sechs Monaten gesunken. Aber mit in absehbarer Zukunft weiterhin schwachen Energiepreisen – von denen die russische Wirtschaft abhängig ist –  dürfte dieser Trend nicht unbedingt bald umgekehrt werden.

Man könnte argumentieren, dass eine schnelle Lösung der Krise in der Ukraine dabei helfen könnte, Spannungen mit Europa beizulegen, und dass dann eine Marktöffnung für Gazprom erleichtert wird. Aber das scheint nur reine Spekulation zu sein. The New York Times berichtet, dass „westliche Spitzendiplomaten und Analysten eine weitere Eskalation der Spannungen erwarten”, außerdem weiteres Vordringen der Rebellen und Stationierung russischer Atomwaffen auf der Krim. Keine dieser Nachrichten klingt ermutigend.

Das Foolishe Fazit

Ich will nicht zu lange darauf herumreiten, aber ich bleibe der Gazprom-Aktie so weit wie möglich fern. Und wenn ich Anteile besitzen würde, wäre ich jetzt ein Verkäufer. Nicht nur glaube ich, dass die Aktien noch weiter fallen werden, ich glaube auch, dass die Chancen gut stehen, dass die Dividende gekappt wird – ein sehr wahrscheinliches Szenario angesichts des enormen Rückgangs des Nettogewinns im Jahr 2014.

Was könnte meine Meinung ändern? Zumindest erst einmal eine Stabilisierung der Preise für Energie im allgemeinen und Erdgaspreise im Besonderen. Darüber hinaus eine Lösung des Konflikts in der Ukraine. Erst dann können wir über den potenziellen Kauf von Gazprom reden. Bis dahin: Nein danke.

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John Bromels besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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