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Schamanen, Bescheidenheit und Aufmerksamkeit: Charlie Munger spricht

Foto: The Motley Fool

Es gibt tatsächlich nicht ganz so viele Regeln beim Investieren. Eine, die du auf jeden Fall aber beherzigen solltest, lautet: Wenn Charlie Munger spricht, lässt du alles stehen und liegen und lauschst andächtig.

Munger ist der mittlerweile 91-jährige Vize-Vorstand von Berkshire Hathaway. Er hat zwei außergewöhnliche Charaktereigenschaften: Er ist einerseits brillant, andererseits steinalt und ebenfalls steinreich, was seine Redefreiheit auf ein Level hievt, mit dem die meisten von uns niemals würden mithalten können. Er sagt was er denkt – und das ganz ohne die Angst, jemandem damit auf den Schlips zu treten. Und das lässt ihn zu einem der besten Stichwortlieferanten aller Zeiten werden.

Munger gab diese Woche einen Talk mit dem Daily Journal, wo er im Vorstand sitzt. Der Investor Alex Rubalcava hat dazu Aufzeichnungen gemacht. Hier findest du ein paar ausgesuchte großartige Dinge aus dem Weisheitsschatz von Charlie Munger – meine Kommentare dazu stehen du jeweils darunter.

„Ich bin im Leben nicht weit gekommen, weil ich so intelligent bin. Ich bin weit gekommen, weil ich eine lange Aufmerksamkeitsspanne besitze.“

Der Faktor Zeit ist einer der letzten Vorteile, die man sich als Investor gegenüber den Profis beschaffen kann. Wenn du fest die nächsten fünf Jahre im Auge hast und die meisten anderen eben nur die nächsten fünf Monate, dann hast du einen gewaltigen Vorteil gegenüber allen, die sich bloß auf ihre Intelligenz verlassen.

„Die Finanz-Industrie besteht zu 5% aus vernünftigen Menschen und zu 95% aus Schamanen und Wunderheilern.“

Es gibt wenige andere Branchen, in denen Menschen derart viel gezahlt wird, obwohl sie immer und immer wieder falsch liegen – und in der die Kundschaft immer und immer wieder zurückkommt und keine tiefgreifenden Veränderungen verlangt.

„Ich glaube, dass jemand in meinem Alter die wohl einfachste und beste Phase der Weltgeschichte miterlebt hat.“

Die Menschen bekommen die tatsächlich wichtigen Dinge nicht mit, weil diese langsam vor sich gehen. Stattdessen kümmern sie sich um triviale und unwichtige Nachrichten, weil diese eben den ganzen Tag über passieren. Überschriften in den Medien werden immer von Pessimismus geprägt sein, und das obwohl wir wohl in der großartigsten Phase der Weltgeschichte leben.

„Wenn die Dinge ausweglos erscheinen, solltest du vielleicht wirklich aufhören.“

Dazu nur so viel: Es gibt wirklich einen Unterschied zwischen Geduld und Dickköpfigkeit. Geduld ist die Bereitschaft, eine lange Zeitspanne zu warten und trotzdem offen zu sein für eine sich ändernde Welt. Dickköpfigkeit ist die Bereitschaft, lange Zeit zu warten und alle gut gemeinten Hinweise zu ignorieren.

„Andere versuchen klug zu sein. Ich versuche lediglich, kein Idiot zu sein.“

Napoleons Definition eines Genies: Ein Mensch, der das Normale hinbekommt, während alle anderen um ihn herum den Verstand verlieren. Beim Investieren gilt dasselbe: Du musst gar nicht brillant sein – es reicht vollkommen, durchgängig kein Idiot zu sein.

„Wenn die Anreize falsch sind, wird das Verhalten auch falsch sein. Garantiert.“

Jeder, der sich über das Gebaren von „Heuschrecken-Bankern“ aufregt, versteht nicht, wie schnell er genauso handelt, sobald ihm ein achtstelliges Gehalt geboten wird.

„Ich denke nicht oft darüber nach, was aller Wahrscheinlichkeit nach sowieso nicht eintreffen wird.“

Darunter fallen: wirtschaftliche Prognosen bis zur Nachkommastelle, stabile Märkte, dauerhafte Überperformance, vernünftig handelnde Politiker sowie Hyperinflation.

„Ich glaube nicht, dass das, was ein durchschnittlicher Mensch einfach erreichen kann, ein lohnenswertes Ziel ist.“

Gutes Investieren kann wehtun. Muss auch keinen Spaß machen. Es benötigt eine Leidensfähigkeit, die über das Maß des Normalen hinausgeht. Zum Beispiel während Jahre anhaltender Bärenmärkte und unterdurchschnittlicher Performance deiner Aktien.

„Reich wirst du, wenn du 10 Mio USD auf deinem Girokonto lässt. Für den Fall, dass sich ein guter Deal anbietet.“

Du brauchst nicht unbedingt 10 Mio USD, aber ein kleines Gelddepot auf der Bank kann sich als dein bester Freund erweisen, sobald die Aktien fallen. Falls du dich darüber ärgerst, dass Cash gerade nur minimale Zinsen einbringen, dann verstehst du es falsch. Cash hat nicht die Aufgabe, dir Zinsen reinzuholen, sondern dir maximale Flexibilität zu ermöglichen.

„Niemand hat bei einer Herz-OP bessere Überlebenschanchen als derjenige, der den Eingriff erst gar nicht nötig hatte.“

Meide Schulden. Gib weniger aus als du verdienst. Sei bescheiden. Lerne aus deinen Fehlern. Wenn du es schaffst, nicht ganz so oft danebenzuliegen, dann wirst du beim Investieren auf lange Sicht ganz gut dabeisein.

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The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Berkshire Hathaway.

Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und wurde am 27.3.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde von Alexander Langer übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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