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Amazon.com hat zugegeben, dass es Milliarden verliert

Foto: The Motley Fool

Die Aktien von Amazon (NASDAQ:AMZN) (FRA:AMZ) schnellten in die Höhe, nachdem das Unternehmen am 29. Januar seine Umsätze für das vierte Quartal vorgelegt hatte. Die Investoren konzentrierten sich dabei hauptsächlich auf den kleinen Gewinn, den Amazon während des Weihnachtsgeschäftes erzielen konnte. Für den Rest des Jahres wies Amazon einen Nettoverlust von 241 Millionen USD aus, und dies trotz eines zweistelligen Umsatzwachstums und dem Ausweis eines Free Cashflows von 2 Milliarden USD.

Der Free Cashflow war lange Zeit der Messwert, den Amazon als beste Messgröße für den Unternehmenserfolg angesehen hat, und Amazon war an dieser Front erfolgreich. Allerdings gibt es ein Problem mit der Höhe des Cashflows von Amazon. Sie ignoriert Ausgaben in Milliardenhöhe, die das Unternehmen durch Finanzierungs-Leasingverträge finanziert. Trotz des beeindruckend aussehenden Free Cashflows verliert Amazon einen riesigen Geldbetrag. Da spielt es keine Rolle, wie man diesen aufteilt. In einem vorangegangenen Artikel, der erklärt, wie genau Amazon seine Finanzierungsleasings buchhalterisch handhabt, habe ich bereits darauf hingewiesen.

Während der Verssammlung von Amazon passiere etwas Seltsames. Anstatt nur seinen Free Cashflow anzupreisen, wie es Amazon normalerweise tut, erwähnte das Unternehmen auch seine massiven Finanzierungs-Leasingverträge. Es wurde deutlich, dass es damit verschiedene Ausgaben finanziert, die nicht in dem Free Cashflow erfasst sind. Der größte Brocken, der so finanziert wird, sind die Web Services von Amazon.

Warum ist das wichtig? Hier ist eine Folie aus der Finanzpräsentation von Amazon. Sie zeigt den ausgewiesenen Free Cashflow des Unternehmens:

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Die ist im Grunde die gleiche Folie, die Amazon jedes Quartal vorlegt, jedoch mit einem wichtigen Unterschied: Die zweite Fußnote weist auf zusätzliche Berechnungen des Free Cashflows im Anhang hin, inklusive einer Berechnung, die die massiven Ausgaben durch die Finanzierungs-Leasingverträge berücksichtigt. Dies ist das erste Mal, dass Amazon aktiv außerhalb der Bilanz seine Finanzierungs-Leasingaktivitäten offengelegt hat. Wie sieht diese Folie aus?

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Dies ändert das Bild beträchtlich. Neben den 4,9 Milliarden USD, die Amazon im vergangenen Jahr direkt ausgegeben hat, fallen weitere 4 Milliarden USD durch Finanzierungs-Leasings an. Obwohl diese 4 Milliarden keine Ausgaben für diese Periode darstellen, muss dieser Betrag in den kommenden Jahren bezahlt werden.

In den vergangenen 12 Monaten hat Amazon mehr als 1,3 Milliarden USD in Form von Finanzierungs-Leasings bezahlt. Damit wurde ein großer Teil des veröffentlichten Free Cashflows aufgezehrt. Diese Zahlungen werden als Finanzierungs-Cashflow bezeichnet und tauchen in der Free Cashflow-Rechnung nicht auf.

Diese Zahlungen steigen nur, wenn Amazon mehr Ausgaben finanzieren muss. Im kommenden Jahr erwartet Amazon laut seines 10-K.Berichtes, dass es etwas mehr als 2 Milliarden USD für diese Finanzierungsleasings zahlen muss. Darin sind jedoch die zukünftigen Leasingverträge nicht erfasst, die Amazon im laufenden Jahr eingeht. Damit wird praktisch der gesamte Free Cashflow ausradiert und diese Zahlungen werden weiter steigen, wenn Amazon seine Finanzierungs-Leasings nicht verringert.

Die zweite Folie zeigt, wie viel Amazon wirklich in sein Geschäft investiert. Im Gegensatz zu anderen großen Cloudanbietern, wie Microsoft und Google, kann es sein Wachstum nicht mit milliardenhohen Gewinnen aus anderen Geschäftsbereichen finanzieren. In den letzten 12 Monaten hat Microsoft 5,3 Milliarden USD investiert. Davon ist ein großer Teil in das Cloudgeschäft gewandert. Google hat atemberaubende 9,7 Milliarden USD dafür ausgegeben.

Wenn Amazon im Cloudsektor weiterhin wettbewerbsfähig bleiben will, kann es die Ausgaben nicht herunterschrauben. Aber es kann es sich auch nicht leisten, so weiter zu machen wie bisher. Amazons Free Cashflow scheint zu belegen, dass das Unternehmen groß investieren kann und immer noch Überschüsse zu erwirtschaftet. Das stimmt aber nicht, nicht einmal annähernd.

Das langfristige Ziel von Amazon ist, den Free Cashflow zu optimieren. Aber der ausgewiesene Free Cashflow ist bedeutungslos, wenn er nicht um die Ausgaben für Finanzierung bereinigt ist. Ich applaudiere dem Management von Amazon, dass es diese Finanzierungsleasings seinen Investoren gegenüber endlich offengelegt hat. Aber immer noch beweihräuchert sich das Unternehmen mit seinen 2 Milliarden USD Free Cashflow, als ob dieser irgendeine Bedeutung hätte. Er hat keine Bedeutung.

Wenn Amazon so weiter macht wie bisher, wird das Unternehmen in den kommenden Jahren deutlich mehr Schulden aufnehmen müssen. 2014 hat es 210 Millionen USD an Zinsen gezahlt. Sein operatives Einkommen dieses Jahres wurde damit vollkommen aufgezehrt. Das Einkommen wird aber nur steigen, wenn das Unternehmen weiter stark investiert.

Es zeigt sich, dass Amazon keine magische Gelddruckmaschine ist, die 2 Milliarden USD Free Cashflow erzeugen kann, obwohl es deutlich niedrigere Gewinne oder sogar Verluste einfährt, indem es in kapitalintensive Geschäftsfelder investiert. Stattdessen ist es ein Unternehmen, welches sich Milliarden von Dollar leiht, um sein Wachstum zu finanzieren. Dabei setzt es Finanzierungsleasings ein, um hinsichtlich seines Free Cashflows profitabel erscheinen zu können.

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The Motley Fool empfiehlt Amazon.com, Apple und Google (A-Aktien). The Motley Fool besitzt Aktien von Amazon.com, Apple, Google (A-Aktien) und Microsoft.

Dieser Artikel wurde Timothy Green auf Englisch verfasst und am 04.02.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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