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Solltest du jetzt Commerzbank kaufen? 3 Zahlen verraten dir mehr

Commerzbank (ETR:CBK) (FRA:CBK) war einst eine hochprofitable Bank. Für viele Firmen, die das Made in Germany leben, war sie der der Kreditgeber erster Wahl. Heute befindet sich die Bank in ungewohnter Position.

Doch nicht alles ist für die Commerzbank anders geworden. Finanziell betrachtet hat man ihnen Jahr 2009 zwar den Teppich unter den Füßen weggezogen, wovon sich die Bank nie ganz erholen konnte. Aber die Commerzbank befindet sich nach wie vor in einer starken Position in einer starken Wirtschaft. Und darüber hinaus ist die Commerzbank als Kreditgeber die führende Bank für den Mittelstand.

Die Frage: Solltest du jetzt die Aktie kaufen?

Wie gehst du vor?

Es braucht Zeit, bis ich die nötige Recherche erledigt habe, um zu einem Schluss zu kommen, ob ich in ein Unternehmen investieren will oder nicht. Und obwohl ich mir nichts Schöneres vorstellen kann als jeden Tag von früh bis spät jede Aktie der Welt unter die Lupe zu nehmen (kein Witz, Aktien sind meine Welt), ist es doch nicht unbedingt sinnvoll.

Um in dem unendlichen Aktienuniversum den Überblick zu behalten vertraue ich ein paar Zahlen und Fakten, die mir schnell Aufschluss darüber geben, ob eine Aktie für mich in Frage kommt oder nicht. Für Kreditinstitute sind es die folgenden Werte:

  • Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) – Für mich ist RoE ein von vorne bis hinten nützlicher Wert für die Effizienz eines Unternehmens. In der Regel suche ich einen RoE-Wert über 12%.
  • Langzeit-Buchwert-Wachstum pro Aktie plus Dividendenrendite – Investoren in Kreditunternehmen bekommen ihren Gewinn auf zweierlei Arten: Wachstum im Buchwert sowie per Dividenden. In manchen Fällen konzentriert sich ein Kreditinstitut auf das eine, dann ist der andere Wert in der Regel geringer. Von Zeit zu Zeit bemüht man sich, dass die Werte ausgewogen sind. Deswegen suche ich gerne nach einer Kombination der beiden.
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis (price to book value, P/BV) – Ich bin zwar kein Billigaktien-Verächter, trotzdem bezahle ich nicht gerne mehr als ich muss. Indem ich den P/BV-Wert in die Rechnung mitaufnehme, kann ich das berechnen, was ich als „Investoren-Ertrag“ bezeichne. Diesen Wert habe ich gerne bei über 10%.

Diese drei Werte scheinen nicht viel über ein Unternehmen auszusagen – stimmt! Diese Werte sind auch nur dazu da, um sich in den endlosen Weiten des Aktienmarkts einen ersten Überblick zu verschaffen. Und ich ziehe auch keine ganz strengen Grenzen. In manchen Fällen sehen die Zahlen vielleicht nicht chic aus, trotzdem gibt es eine gute Gelegenheit zur Investition.

Wie also schneidet die Commerzbank ab?

Eigenkapitalrendite (RoE)

Die Commerzbank fällt weit unter die Zahlen, die ich gerne sehe. Und das ist nichts Neues: Seit Jahren bereits unterläuft die Commerzbank die magische 12%-Hürde, die ich erwarte, zuletzt im Jahr 2007, berichtete man einen RoE von 13,1%. Gute Nachricht für Investoren: Der RoE stieg beständig in den letzten Jahren, von 0,2% im Jahr 2012 rauf auf 2,6% in 2014.

Dieses Problem könnte man als „Katerstimmung“ der Weltwirtschaftskrise abtun. Die Commerzbank hat viele ihrer Assets – Ende 2014 lag ihr kumulierter Wert bei etwa 45 Milliarden EUR – in ein Segment zusammen getan, das sie „Non-Core Assets (Nicht-Kerngeschäft)“ nennt. Dieser Teil schafft fast keinen Umsatz für die Bank selber, ist aber für ziemliche Verluste verantwortlich. Davon einmal abgesehen sieht das Bild dann gar nicht mehr so schrecklich aus. Die Operations von Commerzbanks Kerngeschäft zeigten im Jahr 2014 einen RoE von 9,2%, das attraktive „Mittelstandsbank“-Segment sogar einen RoE von 17,6%.

Das sind vielversprechende Zahlen. Das Problem aber ist, dass ein Investor nicht einfach nur in jenen Teil der Commerzbank investieren kann, der außerhalb der teuren „Non-Core Assets“ existiert. Ein potenzieller Investor muss somit darauf vertrauen, dass das Management nicht nur einen guten Plan für dieses tote Segment hat, sondern auch genug aus der letzten Wirtschaftskrise gelernt hat, damit man bei der nächsten – doch, es wird immer eine nächste geben – nicht mit einem neuen großen Teil „Non-Core Assets“ (oder schlimmer) zurückbleibt. 

Langzeit-Bilanzwert-Wachstum pro Aktie plus Dividendenrendite

Ich werde hier gar nicht erst die Graphen auffahren – die zeigen nämlich bloß Unheil und Schrecken. Und langfristige Commerzbank-Investoren sind sich nur allzu bewusst, wie die Bank dabei performt hat, den Kurswert zu vergrößern – Entschuldigung, zu verbrennen.

Für Uneingeweihte: laut S&P Capital IQ konnte die Bank Ende 2004 einen Buchwert pro Aktie in Höhe von 184,50 EUR verkünden. Ende 2014 waren davon noch 23,42 EUR pro Aktie übrig.

Das meiste davon ging während der Weltwirtschaftskrise verloren. Noch 2007 lag der Wert bei 229,90 EUR, 2009 stand man dann bei 85,10 EUR. Seitdem ist aber auch noch ein ganzes Stück Wert verloren gegangen. Die Dividende, die diesen drastischen Verlust ausgleichen könnte, ist keine große Hilfe – es gibt nämlich keine Dividende. Commerzbank hat seit Anbruch der düsteren Zeit keine mehr gezahlt und auch nicht wieder damit angefangen.

Insgesamt schneidet die Commerzbank hier ziemlich schlimm ab.

Kurs-Buchwert-Verhältnis

 

Von allen Zahlen, unter denen wir die Commerzbank beleuchten, ist diese aus der Sicht eines Investors die wohl interessanteste. Vor allem wenn du ein Value-Investor bist.

Mit einem P/BV von lediglich 0,5x scheint die Commerzbank eine extrem billige Aktie zu sein. Die Bank hat eine harte Zeit hinter sich, und der Ausblick für die nächsten Jahre ist nicht nur rosig. Allerdings sagt das der Preis auch über die Aktie aus. Ist die Bewertung aber der Gesamtsituation der Commerzbank angemessen?

Wie ich bereits weiter oben erwähnte, nutze ich RoE und P/BV, um den Ertrag für den Investoren zu berechnen. Wie? Ganz einfach indem man RoE durch P/B teilt. In diesem Fall gelangen wir zu 5,2% – das ist schon besser, als wenn man nur den RoE für sich selbst betrachtet, aber immer noch nicht unwiderstehlich.

Wieder einmal müssen wir uns beim Investieren darauf verlassen, dass die Commerzbank den Turnaround anständig hinbekommt.

Das Urteil

Ich bin kein Turnaround-Investor – ähnlich wie Warren Buffett bevorzuge ich es, in hervorragende Unternehmen zu angemessenen Preisen zu investieren, anstatt auf mittelmäßige Unternehmen zu großartigen Preisen zu setzen.

Trotzdem werde ich die Commerzbank im Auge behalten. Die Position, die die Bank in der starken deutschen Wirtschaft besetzt, ist sehr wertvoll. Auch die Bankenindustrie verläuft zyklisch, und ich glaube, dass wir uns noch immer im auf der Talfahrt befinden, die vor sechs Jahren ihren Anfang nahm.

Würde ich Commerzbank kaufen? Ich bin mir noch immer nicht ganz sicher, finde aber, dass die ganze Angelegenheit unter dem Mikroskop betrachtet insgesamt vielversprechend genug aussieht.

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Matt besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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