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122 Dinge, die jeder über das Investieren und die Wirtschaft wissen sollte

Dieser Artikel ist ein Auszug des Newsletters von The Motley Fool, “Bilanz Ziehen”. Hier kannst du dich kostenlos für unseren Newsletter anmelden.

Letztes Jahr habe ich damit angefangen, das aufzuschreiben, was einmal mein Buch 500 Dinge, die du übers Investieren wissen musst werden sollte. Ich wollte meine Lieblingszitate, Statistiken und allgemeine Lektionen in Sachen Investieren teilen.

Das ging schief. Ich habe schnell gemerkt, dass das Projekt zu ambitioniert und nicht genügend vorausgeplant war.

Aber 122 Lektionen habe ich immerhin geschafft. Hier sind sie – natürlich in Listenform:

1. Es ist einfacher zu sagen, ich schlage zu, wenn andere zaghaft sind als es tatsächlich zu tun.

2. Menschen sagen, dass sie Millionäre sein wollen – was sie aber eigentlich meinen ist, dass sie eine Million ausgeben wollen. Das ist das genaue Gegenteil vom Millionär-Sein.

3. „Etwas ist passiert” – diese Redewendung sollte alles ersetzen, was auf Katastrophenmeldungen abzielt.

4. Daniel Kahnemans Buch Schnelles Denken, langsames Denken beginnt mit: „Die Prämisse dieses Buches besteht darin, dass es einfacher ist, die Fehler anderer zu sehen als die eigenen.” Dieses sollte das Motto aller sein, die den Markt kommentieren und interpretieren.

5. Der Blogger Jesse Livermore schreibt: „Meine wichtigste Lektion beim Investieren? Das Selbstinteresse ist die größte Kraft auf der Erde: sie kann Menschen dazu bringen, alles zu begrüßen und sogar zu verteidigen.”

6. Erik Falkenstein sagt: „Im Profi-Tennis werden 80 % der vergebenen Punkte gewonnen, im Amateur-Tennis 80 % der Punkte verloren. Dasselbe gilt für Ringen, Schach und Investieren: Anfänger sollten sich darauf konzentrieren, Fehler zu vermeiden, Experten hingegen darauf, große Züge zu machen.”

7. Es gibt einen Unterschied zwischen: „Er sah den Crash von 2008 voraus” und „Er sah Einbrüche voraus, die dann im Jahr 2008 tatsächlich eintrafen.” Diesen Unterschied muss man beherzigen, wenn man die Qualität von Prognosen bewertet.

8. Der Investor Dean Williams schrieb einmal: „Das Vertrauen in eine Prognose steigt, je mehr Informationen in die Prognose geflossen sind. Doch die Genauigkeit der Prognose bleibt.”

9. Reichtum und Vermögen sind relativ. Wie der Komiker Chris Rock einmal sagte: „Wenn Bill Gates morgen mit dem Kontostand von Oprah Winfrey aufwachen würde, würde er aus dem Fenster springen.”

10. Laut Gallup wissen lediglich 7 % aller Amerikaner, dass die Aktienkurse letztes Jahr um 32 % gestiegen sind. Ein Drittel denkt, der Markt sei gleich geblieben oder sogar gefallen. Lektion: Alle bekommen mit, wenn die Kurse in den Keller gehen. Wenn sie steigen, steigen sie leise.

11. Dean Williams sagte einmal: „Fachwissen ist hervorragend, aber es gibt einen unangenehmen Nebeneffekt: Es kann sehr schwer sein, neue Ideen zu akzeptieren.” Einige der erfolgreichsten Investoren der Welt haben keinen klassischen Hintergrund im Finanzwesen – und das hilft ihnen enorm.

12. Die Financial Times schrieb: „2008 waren die angesehensten Athleten der Welt Tiger Woods, Lance Armstrong und Oscar Pistorius.” Dasselbe kann beim Investieren passieren. Schau dir deine Vorbilder ganz genau und gründlich an.

13. Der Investor Ralph Wagoner erklärte einmal wie Märkte funktionieren: „Der Markt ist wie ein neugieriger, verspielter Hund, der an einer viel zu langen Leine durch New York tollen darf. Der Besitzer läuft vom Columbus Circle durch den Central Park bis hin zum Metropolitan Museum. Man weiß nie, in welche Richtung der Hund als nächstes springt und hüpft. Aber alles in allem kannst du dir ziemlich sicher sein, dass er mit ungefähr 4 km/h Richtung Nordosten unterwegs ist. Aber: Seltsamerweise haben alle Spieler am Markt die Augen auf dem Hund – und nicht auf dem Besitzer.”

14. Der Investor Nick Murray sagte: „Das perfekte Timing ist am Markt Zufall, wobei Zeit am Markt der größte natürliche Vorteil ist, den du haben kannst.” Sei dir dessen bewusst, wenn du das nächste Mal die Schatulle aufmachst.

15. Bill Seidman sagte einmal: „Du weißt nie, was das amerikanische Volk als nächstes macht, aber eines kannst du dir gewiss sein: dass sie es alle gleichzeitig machen werden.” Veränderungen geschehen schnell und sind unvorhersehbar.

16. Napoleons Definition eines Militärgenies: „Jemand, der das Normale schafft, wenn alle um ihn herum den Kopf verlieren.” Gilt auch für das Investieren.

17. Der Blogger Jesse Livermore: „Die meisten Menschen, ganz gleich ob Bulle oder Bär, haben meiner Meinung nach aus den falschen Gründen Recht.”

18. Investoren halten an der Idee fest, dass ein gerechter Preis für eine Aktie einer ist, der mehr beträgt als das, was sie zuvor für sie investiert haben. Das ist eine der am weitesten verbreiteten und gefährlichsten Ansichten. „Menschen bekommen nie das, was sie wollen oder was sie vom Markt erwarten, sondern das, was sie verdienen”, sagt Bill Bonner.

19. Jason Zweig schreibt: „Der Rat, der kurzfristig am besten klingt, ist langfristig am gefährlichsten.”

20. Investor und Miliardär Ray Dalio sagte einmal: „Je mehr du denkst, dass du Bescheid weißt, desto engstirniger verhältst du dich.” Behalte das im Kopf, wenn du dir das nächste Mal einer Sache todsicher bist.

21. Während einer Rezession, während Wahlen und während Zentralbank-Meetings sind sich Menschen plötzlich einer Sache sehr sicher, von der sie eigentlich keine Ahnung haben.

22. „Kaufen und Halten funktioniert nur, wenn du beides machst, wenn der Markt in den Keller geht. Viel einfacher ist es, zu kaufen und zu halten, wenn der Markt steigt”, sagt Ben Carlson.

23. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Zuschauer einen zuversichtlichen Experten einem Experten vorziehen, der Recht hat. Das wissen die Experten natürlich.

24. J.P. Morgan zufolge haben 40 % der Aktien seit 1980 „katastrophalen Wertverfall” erlitten – das bedeutet, dass sie mindestens 70 % Wertverlust erfahren und sich nie davon erholt haben.

25. John Reed schrieb einmal: „Wenn du anfängst, dich auf einem Gebiet schlau zu machen scheint es so, als müsstest du dir eine Million Sachen merken. Musst du gar nicht. Es reicht, die wichtigsten Prinzipien zu beherzigen – und das sind in der Regel drei bis zwölf –, die das meiste bringen. Die eine Million Sachen sind lediglich Kombinationen dieser wenigen Prinzipien.” Erinnere dich daran, wenn dir mal wieder alles frustrierend scheint.

26. James Grant sagt: „Erfolgreiches Investieren bedeutet, dass andere deine Meinung teilen – später.”

27. Scott Adams schreibt: „Eine Person mit flexiblem Zeitplan und durchschnittlichen Ressourcen wird sich glücklicher fühlen als eine reiche Person, die alles hat außer einem flexiblen Zeitplan. Schritt Nummer eins auf der Suche nach Glück sollte Kontrolle über die eigene Zeiteinteilung sein.”

28. Vanguard zufolge unterlaufen 72 % aller Investmendfonds, die nach dem S&P 500 ausgerichtet sind, den Index. Das hat man in einer Studie von 1990 bis 2010 festgestellt. Der Begriff Investment-Experte ist offenbar Definitionssache.

29. „Wenn dein Investitionshorizont breit genug und deine Positionsgröße angemessen ist, dann lässt du dich erst gar nicht auf Diskussionen mit Idiotie ein – du wettest dagegen”, schreibt Bruce Chatwin.

30. Die Phrase Double-Dip Recession wurde in 2010 und 2011 10,8 Millionen Mal erwähnt, lehrt uns Google. Ist aber nie eingetroffen. Es gab in 2006 und 2007 fast keine Erwähnung von Financial Collapse. Der allerdings ist eingetroffen. So eine Geschichte gibt es jedes Jahr zu berichten.

31. Bloomberg zufolge haben jene 50 Aktien im S&P 500, die die Wall Street Ende 2011 am geringsten eingeschätzt hat, den Gesamtindex um 7 % überboten.

32. „Geld verdient man nicht mit Kaufen und Verkaufen, sondern mit ruhig bleiben”, sagt Jesse Livermore.

33. Investoren wollen jemandem vertrauen. Und Experten wollen Geld verdienen. Eine dieser Gruppen wird eine ganz schöne Enttäuschung erleben. Rate mal, welche.

34. Eine Umfrage bei 1.000 Amerikanern: „Wie viele Millionen bilden eine Trillion?” 79 % gaben eine falsche Antwort oder wussten es einfach nicht. Denke immer daran, wenn du große Finanz-Themen anschneidest.

35. Beim letzten Berkshire Hathaway Aktionärstreffen gab Warren Buffett an, während seiner Karriere 400 oder 500 Aktien gehalten zu haben. Das meiste Geld verdiente er mit zehn davon. Das ist ganz normal: Ein großer Anteil des Erfolgs beim Investieren kommt von einem kleinen Anteil der Aktien.

36. Wall Street kann nicht anders als immer wieder höhere Einkünfte zu erwarten als die Voraussagen angeben. Wall Street steht außerdem auf Paradoxa.

37. Der S&P 500 nahm 2009 um 27 % zu – ein außergewöhnliches Jahr. Und doch dachten 66 % der Investoren, dass er gefallen sein müsste. Das ergab eine Studie von Franklin Templeton. Wahrnehmung und Realität klaffen oft meilenweit auseinander.

38. Nate Silver schreibt: „Wenn eine Möglichkeit uns nicht vertraut erscheint, denken wir nicht einmal darüber nach.” Das größte Risiko liegt immer darin, dass niemand darüber redet, darüber nachdenkt, uns nicht darauf vorbereitet. Eben das macht es so riskant.

39. Die nächste Rezession ist immer anders als die letzte.

40. Seit 1871 hat der Markt 40 % aller Jahre damit verbracht, um mehr als 20 % zu steigen oder zu fallen. Große Booms und Busts sind ganz normal.

41. Das Sprichwort sagt: „Spar jeden Monat ein bisschen Geld, und am Ende des Jahres wirst du erstaunt sein, wie wenig das ist.”

42. John Maynard Keynes hat mal gesagt: „Es ist insofern sicherer ein Spekulant als ein Investor zu sein, als ein Spekulant Risiken eingeht, von denen er weiß, dass sie Risiken sind. Ein Investor geht Risiken ein, ohne es zu wissen.”

43. „Die Geschichte krabbelt nicht vorwärts; sie springt.” Das schreibt Nassim Taleb. Ereignisse, die die Welt verändern – Attentate, Terror-Akte, medizinische Errungenschaften, Bankrotte – können über Nacht passieren.

44. Unsere Erinnerungen der Finanzgeschichte scheinen nicht über eine Dekade hinauszugehen. „Die Zeit heilt alle Wunden”, heißt es. Sie scheint auch die eine oder andere wichtige Lektion auszulöschen.

45. Du bist natürlich nicht verpflichtet, Nachrichten im Finanz-Sektor zu verfolgen. Und wenn du es trotzdem tust, bist du keinesfalls verpflichtet, diese ernst zu nehmen.

46. Die langweiligsten Firmen – Zahnpasta, Essen, Bolzen und Nieten – können die besten Langzeit-Investitionen darstellen. Die innovativsten Firmen die schlimmsten.

47. In einer Umfrage von Gallup im Jahr 2011 sagten 34 % aller Amerikaner, dass Gold die beste Langzeitanlage wäre. 17 % nannten Aktien. Seitdem ist der Aktienmarkt um 87 % gestiegen und Gold um 35 % gefallen.

48. Dem Ökonomen Burton Markiel zufolge haben in der Zeit von 1970 bis 2012 immerhin 57 Hedgefonds den S&P 500 an Wert unterlaufen. Das Schockierende daran ist, dass diese 57 Fonds vier Jahrzehnte lang existierten und dabei schlechte Resultate lieferten. Hoffnung ist eben doch stärker als die Realität.

49. Die meisten Wirtschaftsnachrichten, denen wir Wichtigkeit beimessen, sind langfristig gar nicht wichtig. Derek Thompson schrieb in The Altantic: „In den vergangenen zwei Jahren habe ich hunderte Artikel über die Wirtschaft verfasst. Aber alles in allem kann ich es in einem Satz zusammenfassen: Es wurde langsam aber sicher besser.

50. Ein breiter Durchschnitt an US-Aktien stieg zwischen 1928 und 2013 2000-fach und hat währenddessen 20 % seines Werts zwanzigmal eingebüßt. Die Leute hätten viel weniger Angst vor Flüchtigkeit, wenn sie wüssten, wie selbstverständlich diese ist.

51. Die „Beweise sind eindeutig”, schreibt Daniel Kahneman. „Um reich zu werden, benötigt man mehr Glück als Handwerk.”

52. Es gibt eine starke Wechselwirkung zwischen Demut und Wissen. Die besten Investoren verstehen, wie wenig sie eigentlich wissen.

53. Niemand auf der Welt weiß, was der Markt kurzfristig vorhat.

54. Die meisten Menschen täten gut daran, sich nicht mit dem Kongress, der Zentralbank und dem Präsidenten zu beschäftigen – und sich stattdessen auf das eigene Investieren zu konzentrieren.

55. Rückblickend hat jeder die Finanzkrise kommen sehen wollen. In Wirklichkeit aber war sie vor Sommer 2007 nichts als eine Randnotiz. Die nächste Krise wird genauso kommen. (Sie kommen alle auf diese Art).

56. 1909 gab es 272 Autohersteller. Durch Zusammenlegung und Bankrotte gab es letztlich nur noch drei, von denen zwei dann bankrott gingen. Es sind also zwei Paar Schuhe, vielversprechende Trends zu erkennen und ein sicheres Investment zu haben.

57. Je öfter jemand im Fernsehen zu sehen ist, desto seltener sind seine Prognosen richtig. Psychologe Phil Tetlock von der University of California Berkeley hat Daten dazu gesammelt.

58. Maggie Mahar schrieb einmal, dass „Menschen das Prinzip Zufall nicht verstehen und die Märkte Prognosen nicht verstehen”. Dieser Satz spiegelt die schlechten Erfahrungen wider, die die meisten am Aktienmarkt gemacht haben.

59. „Wir rätseln alle nur rum, aber manche von uns haben ein paar stärkere Statistiken”, schreibt Josh Brown.

60. Wenn du denkst, dass du eine super Idee hast, nimm dir Zeit mit jemanden darüber zu reden, der nicht mit dir in dieser Sache übereinstimmt. Schlimmstenfalls wirst du weiterhin mit der Person nicht übereinstimmen. Meistens aber gehst du mit einer neuen, wertvollen Perspektive aus dem Gespräch. Meide Voreingenommenheit wie die Pest.

61. 1923 haben sich neun der erfolgreichsten Geschäftsleute der USA in Chicago getroffen. Josh Brown schreibt:

Innerhalb der nächsten 25 Jahre hatten alle ihre Karrieren oder sogar ihr Leben ein schreckliches Ende genommen:

Charles Schwab war der Vorsitzende der größten Stahl-Firma, er starb bankrott. Der Präsident der größten Utility-Firma, Samuel Insull, starb ohne Vermögen. Howard Hobson, der Präsident der größten Gas-Firma, hatte einen Nervenzusammenbruch und endete im Irrenhaus. Der Präsident des NYSE, Richard Whitney, wurde zu der Zeit gerade aus dem Gefängnis entlassen. Der Bankpräsident Leon Fraser hat sich umgebracht; ein Spekulant in Weizen, Arthur Cutten, starb ohne Geld; der Vorsitzende des weltgrößten Monopols – Ivar Krueger, der Streichholzkönig – hat sich ebenso umgebracht. Und ein Mitglied in Präsident Hardings Kabinett, Albert Fall, hat man gerade todkrank aus dem Gefängnis entlassen, damit er in Frieden zuhause sterben könne.

62. Versuch so viele Fehler beim Investieren von anderen zu lernen wie möglich. Andere haben bereits alle Fehler begangen. Du kannst vermutlich mehr von den Fehlern anderer lernen als von ihren Triumphen.

63. Bill Bonner sagt, dass es zwei Arten gibt, darüber zu denken, was Geld einem kaufen kann. Es gibt den Lebensstandard, den man in Geld messen kann. Und dann ist da andererseits die Lebensqualität, die nicht in Geld gemessen werden kann.

64. Wenn du schon Prognosen über die Zukunft wagen willst – ganz gleich, ob es darum geht, wohin der Markt sich entwickelt, oder was in der Wirtschaft geschieht, oder ob du eine Beförderung bekommst – denke stets in Möglichkeiten, nicht in festen Sicherheiten. Tod und Steuern, sagt man, sind das einzige, was sicher ist.

65. Konzentriere dich erstmal darauf, vom Markt nicht geschlagen zu werden – dann darauf, den Markt zu schlagen.

66. Umfragen zeigen, dass in den letzten 25 Jahren das amerikanische Volk davon ausgeht, dass die Wirtschaft schrumpft. Pessimismus vor der Besserung ist die Norm.

67. Das Finanzwesen stünde besser da, würde man es in den Unis von Psychologen und Historikern unterrichten lassen.

68. Dem Ökonom Tim Duy zufolge: „Solange Menschen Kinder bekommen, Technologie voranschreitet und Geschmäcker und Vorlieben sich ändern gibt es einen mächtigen Antrieb für Wachstum, der in jeder halbwegs gut geführten Wirtschaft zu erkennen sein wird.”

69. Nimm dir erfolgreiche Investoren zum Vorbild, und du wirst eine gemeinsame Sache merken: Sie sind allesamt Meister der Psychologie. Den Markt können sie nicht kontrollieren. Aber das, was zwischen ihren beiden Ohren ist, das schon.

70. In Finanz-Lehrbüchern wird „Risiko” als Kurzzeit-Flüchtigkeit definiert. In der richtigen Welt aber bedeutet Risiko ein zu geringes Einkommen, was oft dadurch kommt, dass man kurzzeitige Flüchtigkeit vermieden hat.

71. Erinnere dich stets an das, was Nassim Taleb über den Zufall in den Märkten sagt: „Beim Würfeln weißt du, dass die Chancen eins zu sechs stehen, eine bestimmte Zahl zu bekommen. Das ist ein kalkulierbares Risiko. Im Aktienmarkt sind solche Statistiken Mist – du weißt nicht einmal, wie viele Seiten der Würfel hat!”

72. Der S&P 500 legte 1998 um 27 % zu. Aber nur fünf Aktien – Dell, Lucent, Microsoft, Pfizer und Wal-Mart – waren für das Wachstum verantwortlich. Selbst in einem sehr diversifizierten Portfolio kann eine große Konzentration herrschen.

73. Die Chancen stehen gut, dass wenigstens eine sehr bekannte Firma insolvent ist und diese Tatsache hinter falschen Zahlen versteckt.

74. Das Buch „Und wo sind die Yachten der Kunden” wurde 1940 verfasst. Die meisten Leute haben dennoch immer noch nicht begriffen, dass Brokern die Anliegen der Kunden oft nicht an erster Stelle stehen.

75. Die Kognitive Psychologie hat eine Theorie namens „Backfire”: Wenn du Informationen ausgesetzt bist, die deine bestehenden Ansichten angreifen, wirst du nicht nur dem Überbringer der Informationen nicht glauben, du wirst auch deine bestehenden Ansichten stärker vertreten. Parteimitglieder unterstützen ihren Kandidaten oft noch stärker, nachdem die Gegenseite ungute Informationen über ihn ans Licht gebracht hat. Beim Investieren setzen Investoren oft noch stärker auf jene Firmen, die besonders starken Gegenwind erfahren – was eben völlig irrational ist.

76. Jim Grant: „Im Finanzsektor werden gute Ideen zu schlechten Ideen durch einen „kannst-du-da-noch-einen-draufsetzen-Wettbewerb“. Ein kluges Investment, für das du Schulden angehäuft hast, wird schnell ein schlechtes Investment.“

77. Jeremy Siegel, Professor bei Wharton: „In Aktien hast du in den letzten 20 Jahren kein Geld verloren, das halbe Portfolio in Anleihen aber um 50 % vermindert [inflationsbereinigt]. Was ist also die risikoreichere Anlage?”

78. Warren Buffetts beste Rendite bekam er als die Märkte viel weniger umkämpft waren. Es steht zu bezweifeln, dass jemand jemals seinen 50-Jahres-Rekord knacken wird.

79. 25 Hedgefonds-Manager fuhren 2013 USD 21,2 Milliarden ein, und das für eine Performance von 9,1 %. Dagegen hättest du 32,4 % mit einem Index-Fonds mit nach Hause nehmen können. Es ist eine gute Branche, um Karriere zu machen – weniger gut, um darin zu investieren.

80. Die USA sind die einzige große Wirtschaft, in der der Anteil der arbeitenden Bevölkerung wächst. Das könnte sich als die wichtigste wirtschaftliche Variable der nächsten 50 Jahre herausstellen.

81. Die meisten Investoren wissen gar nicht, wie gut oder schlecht sie überhaupt abschneiden. Markus Glaser und Martin Weber von der Uni Mannheim fragten Investoren, wie sie sich machten und sahen anschließend auf die tatsächlichen Auszüge. „Selbsteinschätzung und Realität korrelieren gleich null”, so ihr Urteil.

82. Der Harvard-Professor und frühere Schatzmeister Larry Summers sagt, dass alles, was ihm über die Wirtschaft beigebracht worden war, von der Krise infrage gestellt wurde.

83. Auf die Antwort, wie denn die Wirtschaft nach der Finanzkrise performen würde, sagte Charlie Munger: „Wenn du nicht verwirrt bist, hast du keine Ahnung.”

84. Es gibt fast keinen Zusammenhang zwischen der Gesundheit der Wirtschaft und wie die Aktien tatsächlich stehen. Vanguard zufolge stellt die Menge an gefallenem Regen etwas exaktere Prognosen als das Bruttosozialprodukt. (Beide erklären so gut wie nichts.)

85. Du hast Kontrolle darüber, wie du dein Portfolio zusammenstellst, über deine Bildung, wem du zuhörst, was du liest, welche Tatsachen du als Beweise ansiehst und wie du auf bestimmte Ereignisse reagierst. Du kannst nicht kontrollieren, was die Zentralbank macht, welche Gesetze entworfen werden oder ob eine bestimmte Firma ihre erwarteten Umsätze erreicht. Konzentriere dich auf den ersten Bereich, ignoriere den zweiten.

86. Firmen, die sich auf ihren Aktienwert konzentrieren, werden schon bald ihre Kunden verlieren. Firmen, die sich auf ihre Kunden konzentrieren, werden an Wert zulegen. Ganz einfach, und dennoch von vielen Vorständen scheinbar vergessen.

87. Die Investment-Bank Dresdner Kleinwort betrachtete die Zins-Prognosen von Experten und verglich sie mit dem, was die Zinsen tatsächlich leisteten. Das Ergebnis: beinahe null Übereinstimmung. „Analysten sind sehr gut darin, uns die Vergangenheit zu erklären – und fast nutzlos darin, uns zu sagen, was passieren wird.” Man darf die Windschutzscheibe nicht mit dem Rückspiegel verwechseln.

88. „Erfolg ist ein ganz schlechter Lehrer”, sagte Bill Gates. „Er führt auch schlaue Menschen zu dem Irrglauben, dass sie nicht verlieren können.”

89. Der Investor Seth Klarman sagt: „Sorgen im Makro-Bereich sind wie Anrufe im Sportradio. Jeder hat eine super Meinung und das bedeutet, dass keine wirklich super ist.”

90. Mehrere Studien haben gezeigt, dass diejenigen, die am meisten handeln, die geringste Rendite erhalten. Wie Pascal schon sagte: „Alle Probleme stammen daher, dass ein Mensch nicht einfach mal ruhig alleine in einem Raum sitzen kann.”

91. Die beste Firma der Welt mit dem allerbesten Management kann eine schlechte Investition sein, wenn sie zum falschen Preis gekauft wird.

92. Es wird zwischen 7 und 10 Rezessionen in den nächsten 50 Jahren geben. Sei bitte nicht überrascht, wenn sie dann wirklich kommen.

93. Es gibt keine Bonuspunkte für schwierige oder komplexe Investitionen. Ganz einfache Strategien können zu herausragenden Renditen führen.

94. Die Menschen überschätzen den Einfluss, den der Präsident auf die Wirtschaft hat.

95. Welchen Betrag du auch immer als ausreichend für deine Rente betrachtest – verdoppele ihn. Damit bist du schon viel näher dran an der Realität.

96. Für viele ist ein Haus ein großes Risiko, das sich als sicheres Investment verkleidet.

97. Die eindeutig beste Drei-Jahres-Phase, um Aktien zu besitzen, war während der Großen Depression. Kurz dahinter die Drei-Jahres-Phase beginnend in 2009, als die Wirtschaft darniederlag. Die besten Renditen beginnen dann, wenn die Leute denken, dass Verluste unumgänglich seien.

98. Buffett über Fortschritt: „Zuerst kommen die Innovatoren, dann die Nachmacher, dann die Idioten.”

99. Mark Twain zum Thema Wahrheit: „Eine Lüge ist schon halb um die Welt, während sich die Wahrheit noch die Schuhe anzieht.”

100. Marty Whitman über Information: „Eigentlich zählen meistens nur drei oder vier Faktoren. Alles andere sind bloß Störgeräusche.”

101. Bei Amerikanern zwischen 18 und 64 nahm die Anzahl der Arztbesuche zwischen 2001 und 2010 von 4,8 auf 3,9 ab. Dafür sind teilweise die schwache Wirtschaft und teilweise die wachsenden Kosten medizinischer Leistungen verantwortlich. Wichtig dabei aber: Du kannst menschliches Verhalten nicht als todsichere Grundlage für Prognosen nehmen – selbst bei so etwas Notwendigem wie einem Arztbesuch. Gewohnheiten ändern sich.

102. Bloomberg berichtet: Seit letztem Juli können ältere Chinesen ihre Kinder verklagen, wenn diese sie nicht regelmäßig oder oft genug besuchen. Mit einer älter werdenden Gesellschaft zu wachsen bedeutet auch, neue und drastische Wege zu beschreiten.

103. Jemand hat mal Warren Buffett gefragt, wie man ein besserer Investor wird. Buffett zeigte auf einen Stapel Jahresberichte: „Lesen Sie davon 500 Seiten täglich. So funktioniert das mit dem Wissen. Es wächst, wie Zinsen. Das kann jeder, aber natürlich wird es niemand machen.”

104. Wenn Amerikaner zwischen 2007 und 2014 genau so viele Kinder geboren hätten wie zwischen 2000 und 2007, gäbe es heute 2,3 Millionen Menschen mehr. Das wird die Wirtschaft in den kommenden Jahrzehnten stark beeinträchtigen.

105. Die Congressional Budget Office sagte 2003 für das Jahr 2013 eine Schuldensumme voraus, die um USD 10 Trillionen falsch war. Prognosen sind schwierig hinzubekommen. Und doch können wir nie genug davon bekommen.

106. Das Wall Street Journal: „Für jedes Prozent Verminderung in der Aktienrendite wurde ein CEO durchschnittlich um 0,02 % mehr entlohnt.”

107. Einer Studie der US-Notenbank zufolge sind seit 1994 die Aktienrenditen gleich null, wenn die drei Tage vor Verkündung des Leitzins entfernt werden.

108. 1989 verdienten die CEOs der sieben größten US-Banken durchschnittlich das Hundertfache eines einfachen Haushalts. 2007 war es das Fünfhundertfache. 2008 existierten dann einige dieser Banken nicht mehr.

109. Zwei Faktoren lassen die Wirtschaft wachsen: Bevölkerungszuwachs und Steigerung der Produktivität. Alles andere ist lediglich ein Resultat dieser beiden Faktoren.

110. Die eine allerwichtigste Frage beim Investieren, die du dir stellen musst: „Wie lange will ich investieren?” Die Antwort darauf wird ein komplett neues Licht auf alles werfen.

111. „Nichts tun” sind die beiden stärksten – und am wenigsten genutzten – Wörter beim Investieren. Der Drang, etwas zu tun, hat viele Broker reich gemacht – und wenige Investoren.

112. Apple hat zwischen 2002 und 2012 6.000 % an Wert zugelegt, aber an 48 % aller Handelstagen an Wert verloren. Es gibt einfach keine gerade Linie nach oben.

113. Es ist einfach, Glück und Erfolg miteinander zu verwechseln. J. Paul Getty sagte: „Der Schlüssel zum Erfolg? Früh aufstehen, hart arbeiten, auf Öl stoßen.”

114. Dan Gardner sagt: „Niemand kann die Konsequenzen von Zufall voraussehen. Allein deswegen wird die Zukunft uns immer und immer wieder überraschen.”

115. Einmal habe ich Daniel Kahneman gefragt, was der Schlüssel zu besser getroffenen Entscheidungen sei. Antwort: „Rede mit Menschen, die nicht deiner Meinung sind. Rede mit Menschen, die nicht in demselben emotionalen Zustand sind wie du.” Versuch das mal vor deiner nächsten wichtigen Investment-Entscheidung.

116. Niemand auf der Forbes 400 Liste der reichsten Amerikaner kann als Perma-Bär bezeichnet werden. Ein natürlicher Optimismus ist nicht nur gesund, sondern absolut lebensnotwendig.

117. Der Ökonom Alfred Cowles hat sich durch die Prognosen eines bekannten Analysten gewühlt, der im Wall Street Journal des frühen 20. Jahrhunderts als „besonders erfolgreich bei seinen Prognosen galt”. Über einen Zeitraum von 30 Jahren waren von 90 Prognosen 45 richtig und 45 falsch. Und das passiert öfter als du denkst.

118. Seit 1900 hat der S&P 500 circa 6,5 % jedes Jahr an Rendite abgeworfen. Aber der durchschnittliche Unterschied zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Abschluss eines Jahres  beträgt 23 %. Beherzige diese Tatsache das nächste Mal, wenn jemand dir erklären will, warum der Markt um ein paar Prozente oben oder unten ist. Man will dir quasi erklären, warum Sommer auf Frühling folgt.

119. Wie lange du beim Investment dabei bleibst wird wahrscheinlich der wichtigste Faktor sein, wie erfolgreich du investierst.

120. Die Menge der Erfahrung eines Managers sagt dir gar nichts. Du kannst stets schlechter als der Markt abschneiden, eine ganze Karriere lang. Ist oft genug passiert.

121. Ein Hedgefonds hat einmal seine Vorzüge so beschrieben: „Wir haben keine Aktien von Apple. Alle anderen Hedgefonds haben schon welche.” Dieses ganz einfache, konträre Denken kann beim Investieren Gold wert sein.

122. Nehmen wir zwei Investoren. Einer ist ein Genie vom MIT, der mit Zahlen jongliert als wäre es nichts. Er handelt mehrmals pro Woche, nutzt sein Hirn dazu, den Markt zu übertölpeln, indem er einsteigt und wieder rausgeht. Der andere ist ein Hinterwäldler ohne Schulabschluss. Er spart und investiert regelmäßig jeden Monat in einen Tiefpreis-Index-Fonds. Den Markt schlagen? Ist ihm völlig gleichgültig. Wer hat am Ende die Nase vorn? Ich würde auf den Hinterwäldler setzen, immer und immer wieder. Buffett sagt: „Investieren ist kein Spiel, bei dem einer mit einem IQ von 160 den mit einem IQ von 130 schlägt.” Erfolgreiche Investoren kennen ihre Schwächen, bleiben cool und diszipliniert. Dem kann man gar nicht genug Gewicht beimessen.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und wurde am 12.12.2014 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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