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Was Anleger von der Tatsache lernen können, dass Amazon.com kein Geld verdient

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Amazon.com (NASDAQ:AMZN)(FRA: AMZ) ist eines der eigenartigsten börsennotierten Unternehmen in Amerika. Obwohl es mehr als zwei Jahrzehnte alt ist, der zweitgrößte Händler in der größten Volkswirtschaft der Welt ist und auf dem S&P 500 der größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung auf Platz 25 liegt, erwirtschaftet es keinen aussagekräftigen Gewinn.

In seinem letzten Quartal, das die drei Monate bis zum 30. September umfasst, meldete Amazon einen Nettoverlust von 437 Millionen US-Dollar. Mittlerweile sind seine Umsatzerlöse um beeindruckende 20% auf 20,58 Milliarden US-Dollar angewachsen; im gleichen Zeitraum des letzten Jahres betrug der Nettoumsatz 17,09 Milliarden US-Dollar.

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Diese Zahlen sind weit davon entfernt, als Beleg für Amazons mangelnde Rentabilität zu dienen, sondern offenbaren eine wichtige Lektion über die Nutzung der Gewinn- und Verlustrechnung zur Analyse eines wachsenden Unternehmens, das auf die Maximierung eines nachhaltigen Shareholder-Values fokussiert ist. Tatsächlich zeigt ein kurzer Blick auf die Kapitalflussrechnung von Amazon, dass es aus seinen Tätigkeiten nicht nur Milliarden von Dollar an überschüssigen Geldern umsetzt, sondern auch dass es dieses Geld nutzt, um an einer Reihe von wichtigen Fronten zu expandieren.

Die Schwächen der Gewinn- und Verlustrechnung

Obwohl die Gewinn- und Verlustrechnung wahrscheinlich der meist zitierte Finanzbericht ist — zum Teil weil das Kurs-Gewinn-Verhältnis die bekannteste Bewertungsmetrik für Stammaktien ist — ist es eigentlich der, der am wenigsten über die einem Unternehmen zugrunde liegenden Vorgänge aussagt. Sie erweckt den Anschein, mitzuteilen, wie viel ein Unternehmen in einem bestimmten Zeitraum erwirtschaftet hat; ihr wahrer Zweck besteht jedoch darin, die Veränderung in der Bilanz eines Unternehmens zwischen zwei Abrechnungsperioden auszugleichen.

Dies verursacht Probleme, wenn es darum geht, das Ertragspotenzial eines Unternehmens zu bewerten. Unter anderem erlaubt sie, dass ein Unternehmen bei der Erfassung auszahlungswirksamer Positionen solche Dinge wie Abschreibungen und aktienbasierte Mitarbeitervergütungen berechnet, obwohl keines dieser Dinge Ausgaben im herkömmlichen Sinne sind. Sie ermöglicht Unternehmen auch, Dinge in bestimmten Zeiträumen als Erträge und Aufwendungen zu erfassen, selbst wenn sie in diesen Zeiträumen nicht wirklich Gelder erhalten oder ausgezahlt haben – dementsprechend die kreditorischen und debitorischen Bilanzposten.

Aus Gründen wie diesen bevorzugen versierte Anleger stattdessen die Kapitalflussrechnung, um den Erfolg eines Unternehmens zu messen. Wie sich vom Namen ableiten lässt, verfolgt dieser Bericht die tatsächlichen Mittelzu- sowie Mittelabflüsse und ist dadurch weniger anfällig für Manipulation und bezeichnender für die fiskalische Gesundheit eines Unternehmens. Außerdem kann man durch die Kategorisierung der Geldflüsse in drei verschiedene Tätigkeiten – Geschäftstätigkeit, Investitionstätigkeit (inklusive Kapitalaufwendungen) und Finanzierungstätigkeit – einen viel besseren Überblick über Aufwendungen gewinnen, die mit dem Führen eines Geschäfts verbunden sind, gegenüber denen, die mit dem Ausbau eines Geschäfts verbunden sind.

Vor diesem Hintergrund ist es kein Zufall, dass Amazon anstelle von Erträgen den Cashflow nutzt, um seinen eigenen Erfolg zu messen. Wenn Sie je einen der Quartalsberichte des Unternehmens gelesen haben, dann wissen Sie, was ich meine. Die meisten Unternehmen fangen eine Ergebnismeldung mit einem Bericht zum Umsatz, dem Nettoeinkommen und dem Ergebnis je Aktie an; hier ist der erste wichtige Absatz aus Amazons letzter vierteljährlicher Pressemitteilung:

Der Operative Cashflow erhöhte sich in den vorangegangenen zwölf Monaten um 15% auf 5,71 Milliarden US-Dollar im Vergleich zu 4,98 Milliarden US-Dollar in den am 30. September 2013 endenden vorangegangenen zwölf Monaten. Der Free Cashflow stieg in den vorangegangenen zwölf Monaten auf 1,08 Milliarden US-Dollar im Vergleich zu 388 Millionen in den am 30. September 2013 endenden vorangegangenen zwölf Monaten. Der Free Cashflow der am 30. September 2013 endenden vorangegangenen zwölf Monate enthält Mittelabflüsse in Höhe von 1,4 Milliarden US-Dollar für den Erwerb von Unternehmensbüroflächen und -eigentum in Seattle, Washington.

Dies wirft ein anderes Licht auf den Erfolg von Amazon in dem am 30. September abgeschlossenen Geschäftsquartal – oder eigentlich während seiner ganzen Existenz als börsennotiertes Unternehmen. Und das erklärt auch, warum der Markt trotz des schwachen Nettoprofits weiterhin so viel Vertrauen in Amazon setzt.

Eine genauere Betrachtung von Amazons Cashflows

Wenn man ein bisschen genauer hinsieht, offenbart die Kapitalflussrechnung von Amazon, dass das Unternehmen mit seinen Tätigkeiten im Quartal einen Cashflow von 1,77 Milliarden US-Dollar erzeugt hat. Dies wird berechnet, indem man von dem 437 Millionen US-Dollar hohen Buchverlust des E-Commerce-Giganten alle auszahlungswirksamen Gewinn- und Verlustposten seiner Gewinn- und Verlustrechnung abzieht. Wir wollen nicht auf diesem Punkt herumreiten, aber hier lohnt sich ein genauerer Blick, um zu verstehen, was das für ein großer Unterschied ist sowie was diese Kluft darüber impliziert, wie vernünftig es ist, ausschließlich die Gewinn- und Verlustrechnung zu betrachten, um einen Wert zu ermessen.

Um dir noch besser klar zu machen, wie verschieden diese zwei Perspektiven sind, schau dir die untenstehende Grafik an, die Amazons operativen Cashflow gegenüber seinem Nettogewinn ab 1997 ausgehend von den jeweils vorangegangenen 12 Monaten darstellt. Während seine Erträge sich nicht wesentlich entwickelt haben, stiegen die mit der Geschäftstätigkeit erwirtschafteten Geldflüsse von 700.000 US-Dollar auf über 5,7 Milliarden US-Dollar an – und das wohlgemerkt trotz der Tatsache, dass Amazon seine Preise und somit auch Gewinnmargen weiterhin so niedrig wie möglich hält.

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Wenn wir beim Durchgehen des Berichts zu seiner neuesten Kapitalflussrechnung zurückkommen, können wir sehen, wie Amazon die 1,77 Milliarden US-Dollar Cash ausgegeben hat, die es mit seinen Geschäftstätigkeiten im letzten Quartal erwirtschaftete – an dieser Stelle sollte beachtet werden, dass es tatsächlich einen positiven Cashflow von 3,1 Milliarden US-Dollar hatte, wenn man die 1,29 Milliarden US-Dollar einkalkuliert, die es aus den Nettumsätzen von börsenfähigen Wertpapieren realisierte. Von diesem Gesamtbetrag gab das Unternehmen 1,4 Milliarden US-Dollar für Kapitalaufwendungen, 860 Millionen US-Dollar für Akquisitionen und einen Nettobetrag von 432 Millionen US-Dollar zur Rückzahlung von langfristigen Verbindlichkeiten aus. Insgesamt erbrachte dies eine Erhöhung von Amazons Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten am Ende der Periode von 201 Millionen US-Dollar.

Dies bestätigt, dass Amazon weiterhin seine gesamten flüssigen Mittel wieder zu Wachstum aufbereitet. Seine größten Investitionen in letzter Zeit sind eine Schar von neuen Fulfillment Centern und der weitere Ausbau von seiner Amazon Web Services-Plattform, die großen Anteil an der Verbreitung von Desktopanwendungen und mobilen Anwendungen hat. Daher kommen wir, um den Kreis zu schließen, noch einmal auf Amazons Gewinn- und Verlustrechnung zurück; es sind diese Investitionen, die das zweistellige Umsatzwachstum des Unternehmens nähren.

Die Lektion für Investoren ist in diesem Fall, dass die Gewinn- und Verlustrechnung häufig ein täuschend ungenaues Bild von der fundamentalen Entwicklung eines Unternehmens zeichnen kann. Nachdem Amazon beispielsweise seine Gewinne des dritten Quartals veröffentlicht hatte, wurde weithin angenommen, dass sein Verlust auch zu einem starken Kursverlust seiner Aktie führe. Wenn das so sein sollte, sei einem auch Verziehen, wenn man zu dem Schluss kommt, dass Investoren ihr Augenmerk auf den falschen Preis legen.

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The Motley Fool empfiehlt Amazon.com. The Motley Fool besitzt Aktien von Amazon.com.

Dieser Artikel wurde von John Maxfield auf Englisch verfasst und wurde am 27.10.2014 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können. 

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