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Warum es so schwer ist, Warren Buffett zu beherzigen

Foto: The Motley Fool.

Warren Buffett liegt auf der Forbes-Liste der reichsten Milliardäre der Welt derzeit auf Rang 3, hinter Carlos Slim und Bill Gates. Trotz seines überwältigenden Investitionserfolgs seit den 1960er Jahren und seiner recht intuitiven Value-Investmentphilosophie (kaufe nur, was du kennst, kaufe, wenn andere ängstlich sind und investiere wie ein Eigentümer) scheinen nur wenige Investoren seinem Beispiel wirklich zu folgen.

Und das gilt auch für den durchschnittlichen Privatanleger. Buffett und sein Partner Charlie Munger legen eine sehr einfache, nachvollziehbare Investmentmethodik fest, die von jedem Investmentfondsmanager sowie jedem am Kauf von Aktien interessierten Amateuranleger übernommen werden kann.

Warum also gibt es nicht mehr Warren Buffetts auf der Welt, mit einem ähnlich großen Reichtum und Investitionserfolg? Schließlich beruht seine Investmentphilosophie auf Grahams Buch „Der intelligente Investor“. Die Grundsätze sind seit langem bekannt — warum ist es so schwer, diese zu befolgen?

Ich glaube, dass es insbesondere drei Gründe gibt, warum sich sowohl professionelle Investoren als auch Kleinanleger außerordentlich schwer tun, die unschätzbare Investitionsweißheit von Warren Buffett und Charlie Munger anzuwenden:

1. Massenpsychologie

Aktienmärkte sind hauptsächlich ein Experiment in Massenpsychologie, bei dem Investoren der Kursentwicklung folgen.

Spekulanten dominieren den Markt in der Hoffnung, von ständig steigenden Aktienkursen zu profitieren. Das Problem ist, dass du nie weißt, ob du jemanden findest, der bereit ist, einen noch höheren Preis zu zahlen als du selbst. Unterm Strich gilt aber: Wenn du Anlagerenditen nachjagst, investierst du nicht – du spekulierst.

Und dieser spekulative Investmentansatz steht in krassem Widerspruch zur Value-Investmentmethode von Warren Buffett.

Buffett hat wiederholt erklärt, dass seine bevorzugte Haltedauer für immer ist. Das Investieren mit dem Ziel, an einer Investition für immer festzuhalten, hat einen starken psychologischen Effekt auf deine Entscheidungsfindung: Du wirst potentiellen Investitionen gegenüber höchst voreingenommen sein, weil du ganz sicher gehen willst, dass du gut recherchiert hast und für das, was du kriegst, einen anständigen Preis zahlst.

Oder wie Buffett es formulierte: „Es ist besser, ein wunderbares Unternehmen zu einem anständigen Preis zu kaufen, als ein anständiges Unternehmen zu einem wunderbaren Preis.“

2. Geduld

Geduld ist eine unverzichtbare Eigenschaft für einen erfolgreichen Investor. Warren Buffett hat Coca-Cola beispielsweise in den 1980ern gekauft und hält seine Anlage noch bis heute. Sein wahrhaft langfristiger Anlagehorizont unterscheidet Buffett von vielen durchschnittlichen Investoren.

Der Aktienmarkt selbst hat eine seltsame Veranlagung dazu, die Geduld eines Anlegers auf die Probe zu stellen. Oftmals kann eine Aktie sich zurückziehen und über einen längeren Zeitraum erstarren,   besonders wenn ein Unternehmen einen schmerzhaften Umstrukturierungsprozess durchlebt oder wenn das Unternehmen in eine Rezession gerät. In Zeiten wie diesen ist es leicht, die eigene Anlagetheorie aufzugeben und sich negativen Börsenkommentaren und fallenden Aktienkursen zu beugen.

Während die meisten Anleger unter solchen Umständen in Panik geraten, taucht Buffett in Zeiten der Unsicherheit oft als Käufer auf und übt sich dann in Geduld. Denken Sie nur an seine Investitionen in Goldman Sachs, General Electric und die Bank of America auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, als andere Investoren in Panik verfielen und das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft verloren.

Wenn Sie bei Panik kaufen und sich dann gedulden, kann das enorm positive Auswirkungen auf Ihre Anlagerendite haben.

3. Trading-Mindset und Selbstüberschätzung

Ständige Börsennachrichten, Rating-Verbesserungen und ein endloser Strom von Wirtschaftsnachrichten legen Investoren nahe, dass sie geschäftig sein und handeln müssen, um nichts zu ‚verpassen‘.

Der 24-Stunden-Nachrichtenzyklus hilft dem durchschnittlichen Amateuranleger ebenso wenig und verführt diesen stattdessen zum Handeln. Warren Buffett hingegen „halt sich von jedem Umfeld fern, das Geschäftigkeit stimuliert“.

Ein Trading-Mindset impliziert auch, dass Anleger glauben, Sie können erfolgreiche Market Timer sein und dass sie letztendlich intelligenter sind als die meisten anderen Anleger. Dieses Mindset steht in engem Zusammenhang mit der Selbstüberschätzung, die festlegt, dass Investoren Ihre Erfolgschancen überschätzen und Risiken falsch beurteilen. Es versteht sich von selbst, dass die Selbstüberschätzung bei Investitionen kein guter Verbündeter ist.

Buffett zeichnet sich tatsächlich dadurch aus, dass er Emotionen von seinen Anlageentscheidungen trennt und sich nicht von der Börsenberichterstattung, Ticker-Alerts sowie heißen Aktientipps beeinflussen lässt. Beim Handeln und dem Streben nach Renditen zeigt sich Herdenverhalten (eine weitere emotionale Voreingenommenheit) und so ziemlich das Gegenteil von dem, was Warren Buffett befürwortet.

Warum das wichtig ist

Investoren können viel von Buffett lernen, wenn sie Abstand davon nehmen, am Aktienmarkt schnelle Renditen erzielen zu wollen, (was sicherlich keine einfache Aufgabe ist,) und wenn sie ihre Rolle als Individuen als Teil einer Menge verstehen, die immer nach Geschäftigkeit strebt.

Herdenverhalten, ein ungeduldiges Wesen sowie Selbstüberschätzung bergen das Potenzial, die Renditen der Anleger zu Nichte zu machen. Wenn Anleger nachhaltig überdurchschnittliche Renditen erzielen wollen, ist die solide Value-Investmentstrategie von Warren Buffett so ziemlich der einzige Weg.

Was Warren Buffett kauft

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Dieser Artikel wurde von Kingkarn Amjaroen auf Englisch verfasst und wurde am 26.10.2014 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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