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Die Schwierigkeiten von Tesla Motors in Deutschland sind kein Grund zur Beunruhigung

Foto: The Motley Fool

Vor kurzem habe ich das Model S von Tesla Motors (NASDAQ:TSLA)(ETR:TL0) Probe gefahren. Von 0 auf 100 km/h in 4,2 Sekunden… wow! Morgens immer ein vollgetanktes Auto… klasse! In ganz Europa umsonst tanken… wer sonst bietet mir das?

Aber anscheinend hilft das Tesla noch nicht wirklich, seine Fahrzeuge bei uns zu verkaufen. Trotzdem gab es im Oktober nur 17 Neuzulassungen eines Model S in Deutschland, das sind gerade einmal 0,7 % Marktanteil im Oberklasse-Segment.

Auch die 56 Neuzulassungen im September werden wohl kaum jemanden beeindruckt haben. Im Gegensatz dazu konnte Tesla europaweit im ersten Halbjahr 2014 5.330 Model S absetzen – und das auch nur, weil die Produktion noch nicht mehr hergibt. Aber von Deutschland erwartet Elon Musk, CEO und Mitgründer von Tesla Motors, dass es Teslas drittgrößter Markt weltweit wird.

Davon ist das Unternehmen aber offensichtlich Lichtjahre entfernt. Woran liegt‘s?

Deutsche Autofahrer lieben deutsche Automarken – und sind relativ loyal

Elon Musk weiß das. Er macht sich nichts vor und sieht als eine der größten Herausforderungen in Deutschland, uns Autofahrer davon zu überzeugen, ein amerikanisches Auto zu kaufen. Wir haben schließlich genügend Auswahl an einheimischen Fahrzeugen aller Preis- und Qualitätsklassen. Die Neuzulassungen 2013 lassen keinen Zweifel daran, dass wir unsere heimischen Autos am liebsten haben.

Rang Hersteller Verkaufte Einheiten 2013
1 VW (ETR:VOW) 642 190
2 Mercedes 277 373
3 Audi 251 952
4 BMW (ETR:BMW) 231 815
5 Opel 207 461
6 Ford (NYSE:F)(ETR:FMC1) 197 794
7 Skoda 159 939
8 Hyundai (ETR:HYU) 101 522
9 Renault (FRA:RNL) 98 922
10 Seat 83 364

Quelle: KFZ-Auskunft.de

Dazu kommt, dass wir Deutschen relativ markenloyal sind, wie eine Studie des Instituts Dataforce zeigt.

Rang Marke Bindung von Privatkunden im Jahr 2012
1 Mercedes 66 %
2 VW 64 %
3 Dacia 62 %
4 Toyota (ETR:TOM) 62 %
5 Skoda 62 %
6 BMW 58 %
7 Hyundai 56 %
8 Suzuki (FRA:SUK) 55 %
9 Mini 54 %
10 Honda (FRA:HDM) 54%

Allerdings fällt das Bild hier doch deutlich differenzierter aus – Audi zum Beispiel schafft es nicht einmal in die Top 10. Und wie eine Umfrage des ADAC aus dem Jahr 2011 bestätigt, ist die Automarke nicht das entscheidende Kaufkriterium – Qualität, Sicherheit, Platzangebot und das Aussehen spielen eine größere Rolle.

Was Sicherheit und Platzangebot angeht, sollte das Model S mit seinen fünf Sternen im NCAP Sicherheitstest und seinen zwei Kofferräumen seiner Konkurrenz in nichts nachstehen. Außerdem betont das Tesla Management regelmäßig, dass Qualität die oberste Priorität hat. Mit Markenloyalität alleine lassen sich die bescheidenen Verkaufszahlen des Model S in Deutschland also nicht erklären.

Die Reichweite ist das Problem

Deutschland ist einzigartig. Es gibt kein anderes Land auf der Erde, in dem man ohne Geschwindigkeitsbegrenzung und ohne überhöhter Lebensgefahr so über die Straßen brettern kann wie bei uns. Und das nutzen wir gerne aus, nicht? Deswegen hat das Model S ein besonderes Problem.

Zum einen wird das Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit von 210 km/h (Performance Modell) abgeriegelt. Das ist zwar  nicht langsam, aber wer in Deutschland ein Auto in dieser Klasse fahren möchte, der empfindet dass sicher als eine Einschränkung, die den Autokauf beeinflusst.

Eine noch größere Einschränkung ist die Reichweite. Die Nennreichweite des Model S mit der 85 KWh Batterie beträgt 502 km. Allerdings ist diese stark abhängig von der Geschwindigkeit. Die folgende Grafik zeigt die Ergebnisse einer Computersimulation von Tesla, die optimale Bedingungen simulierte.

Tesla Model S Reichweite Geschwindigkeit

Quelle: Greenmotorsblog.com

Denken wir uns die Linie weiter, landen wir bei 200 km/h wohl ungefähr bei einer Reichweite von 200 km – und das wohlgemerkt mit konstanter Beschleunigung, optimalem Reifendruck, ohne Wind etc. Realistisch schätze ich mal, dass die meisten Fahrer mit einer Reichweite von deutlich unter 200 km bei normalen Autobahngeschwindigkeiten rechnen – ganz zu schweigen von über 200 km/h.

Auch wenn wir Deutschen an unseren Automarken hängen, ist diese Reichweiteneinschränkung meiner Meinung nach der bedeutendere Grund, weshalb (noch) so viele Autokäufer vor dem Model S zurückschrecken. Wir würden unseren Mercedes für einen ansonsten mehr als gleichwertigen Tesla austauschen. Aber auf die Freiheit, so schnell zu fahren wie wir wollen, verzichten wir nur ungerne.

Uns von diesem Verzicht zu überzeugen, das wird die größte Herausforderung für Tesla.

Was das Ganze für uns Investoren bedeutet

Bleibt die Frage, ob das die Investitionsthese in Tesla Motors wesentlich bestimmt. Laut der International Organization of Motor Vehicle Manufacturers wurden im ersten Halbjahr 2014 in Deutschland geschätzt rund 1,5 Mio Neufahrzeuge verkauft. Deutschland machte damit 19 % des Marktes in Europa aus und 5 % des weltweiten Marktes.

Diese Zahlen heben hervor, weshalb Elon Musk den deutschen Markt für wichtig hält. Trotzdem wird Teslas Zukunft nicht signifikant vom Erfolg hierzulande abhängen. Zum einen beeinflussen wir das Marktpotential nur im einstelligen Prozentbereich. Zum anderen bin ich davon überzeugt, dass die Vorteile von Teslas einzigartigem Service und das Supercharger-Angebot, die Geschwindigkeits-Einschränkungen überwiegen – und dass sich immer mehr Autofahrer davon überzeugen lassen werden.

Als Tesla-Investoren – und potentielle Telsa-Investoren – sollten wir uns also nicht den Kopf zerbrechen, sollte das Unternehmen auch in den nächsten Jahren noch größere Schwierigkeiten auf dem deutschen Markt haben.

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Bernd Schmid besitzt Aktien von Tesla Motors. The Motley Fool empfiehlt Ford, Tesla Motors und BMW. The Motley Fool besitzt Aktien von Ford und Tesla Motors.

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