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Werden BHP Billiton und Rio Tinto den Absturz der Rohstoffpreise überleben?

Foto: Flickr, Ronald Santerre

Seit einiger Zeit denke ich über China nach. China hat damals auf die Finanzkrise reagiert, indem es blitzschnell einen aus Krediten gespeisten Infrastruktur-Boom kreierte, der eine 23 Billionen US-Dollar große Kreditblase entstehen ließ. Jetzt versucht die Regierung, den Schaden zu begrenzen.

Doch selbst wenn es China gelingt, eine sanfte Landung hinzulegen und einen Crash zu vermeiden, wird das Land niemals in der Lage sein, soviel Metall zu verbrauchen, wie BHP Billiton (LSE:BLT) (ETR:BHP) und Rio Tinto (LSE:RIO) (ETR:RIO1) gerade ausbuddeln. Selbst China kann nicht ewig Apartments, Straßen und Eisenbahnnetze bauen. An irgendeinem Punkt muss jemand mal auf die Bremse treten.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf habe ich vor sechs Monaten meine BHP Billiton Aktien verkauft. Und ich bin sehr froh, dass ich das getan habe. Bei einem heutigen Preis von 1659 Pence liegt BHP Billiton 21% unter seinem 52-Wochen-Hoch von 2102 Pence. Rio Tinto hat seit seinem Jahreshoch von 3602 Pence 18% verloren.

Bohrende Fragen

Trotzdem sind die Analysten BHP Billiton and Rio Tinto gegenüber loyal geblieben. Es erstaunt mich sehr, dass sowohl Citigroup als auch die Deutsche Bank weiterhin vertrauensvoll eine Kaufempfehlung für beide Konzerne aussprechen und auch die Bewertung von Barclay Capitals noch immer auf “overweight’ steht, während ich davon ausgehe, dass die Minenbetreiber vor einem plötzlichen Ende eines langen Trends stehen.

Doch dann muss ich auch zugeben, dass beide Unternehmen in gewisser Hinsicht ihre positiven Bewertungen verdienen. In beiden Unternehmen hat das Management scheinbar die richtigen Maßnahmen für schwere Zeiten ergriffen, indem sie die Kosten reduziert, die Produktivität erhöht und die Kapital- und Erkundungskosten gesenkt haben.

So kommt es, dass BHP entgegen meiner Erwartungen kürzlich einen 10%-Sprung seines Jahresgewinns auf 13,45 Milliarden US-Dollar verkündete, während Rio seinen Halbjahresgewinn um 21% auf 5,1 Milliarden US-Dollar steigern konnte. Offensichtlich machen beide Unternehmen etwas richtig.

Junk Food

Diese Entwicklung paart sich in beiden Unternehmen mit steigenden Dividenden, die nun aufgrund der gefallenen Aktienpreise bei 4,5% für BHP bzw. 3,95% für Rio stehen.

Außerdem haben beide Unternehmen viel Lob dafür erhalten, dass sie in der Lage waren, ihre Produktion um über 10% zu erhöhen. Aber für mich scheint das eine gefährliche Sache zu sein. In Zeiten fallender Nachfrage kann eine Erhöhung des Angebots die Preise nur in eine Richtung treiben.

Da sie global agierende und diversifizierte Unternehmen sind, haben BHP und Rio eine wesentlich höhere Fähigkeit, Schocks zu absorbieren als kleinere Minenbetreiber, die derzeit in die roten Zahlen rutschen. Zum Beispiel hat Standard & Poor’s kürzlich Cliffs Natural Resources Inc, den größten Eisenerzförderer der USA auf „Junk“-Niveau heruntergestuft, vor allem aufgrund der fallenden Eisenerzpreise.

Natürlich kann man auch diese Entwicklung von zwei Seiten betrachten und Optimisten könnten argumentieren, dass es gut für BHP und Rio ist, wenn finanziell weniger starke Konkurrenten vom Markt getrieben werden.

Und wer Optimist ist, könnte außerdem denken, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, um bei BHP und/oder Rio Tinto einzusteigen. Mit KGVs von 10,6 bzw. 8,8 sind die Aktien attraktiv bewertet.

Wer jetzt investiert braucht starke Nerven und einen langen Atem. Der Gewinn pro Aktie von BHP soll bis zum nächsten Juni um 10% fallen. Rio Tintos Gewinn pro Aktie fällt in diesem Kalenderjahr wohl um 9%, könnte sich jedoch 2015 um 4% erholen.

Die beiden Konzerne trifft keine Schuld

Sowohl BHP als auch Rio sind gut-gemanagte Unternehmen, aber ihr größter Kunde steckt nun einmal in der Klemme. Das Industriewachstum in China ist laut einer gerade erschienenen Studie der Weltbank auf dem niedrigsten Stand seit der Finanzkrise, während die chinesische Regierung darum kämpft, die finanziellen und strukturellen Probleme zu beheben.

Und nun, da die US-Notenbank weniger Geld druckt und der Dollar fester notiert, zieht sich eine Menge Kapital aus den emerging markets und den Rohstoffen zurück.

BHP Billiton und Rio Tinto sind besser aufgestellt als viele ihrer Mitbewerber, um diese Krise zu überstehen. Aber die Krise wird nicht spurlos an den Konzernen vorbeiziehen.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Harvey Jones auf Englisch verfasst und wurde am 8.10.2014 auf Fool.co.uk veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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