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Lufthansa: Die 3 wichtigsten Punkte des Quartalsberichts

Foto: The Motley Fool

Sofern nicht anders angegeben, beziehen sich alle Zahlen auf den Stand vom 07.11.2014

Lufthansa (ETR: LHA) hat Ende Oktober ihr Ergebnis für das dritte Quartal offengelegt. Als Antwort darauf sank der Aktienkurs um 5 %. Zwar hat er sich seitdem erholt, liegt aber immer noch 7 % unter dem Preis von Anfang September als ich meinen vorherigen Artikel – in dem ich gegen eine Investition in die Firma argumentierte – geschrieben habe.

Was ist in der Zwischenzeit passiert und warum hat der Markt so negativ auf den Bericht reagiert? Anbei die wichtigsten Punkte vom letzten Quartal:

1. Die Q3 Ergebnisse waren besser als erwartet

Zuerst die gute Nachricht: Das Unternehmen hat im dritten Quartal bessere Ergebnisse als erwartet geliefert. Im Vergleich zum letzten Jahr ist der Umsatz um 1,9 % auf €8,5 Milliarden und das operative Ergebnis um 25 % auf €735 Millionen gestiegen. Dieses Ergebnis war deutlich über der €662 Millionen Durchschnittsbewertung der Analysten.

Der Umsatz ist für die ersten neun Monate 2014 mit €22,6 Milliarden im Vergleich zum Vorjahr flach geblieben, das operative Ergebnis hat sich gleichzeitig von €663 Millionen auf €849 Millionen erhöht. Das klingt nach starkem Wachstum, aber es resultiert aus einer Änderung in der Rechnungslegung: Lufthansa hat die Nutzungsdauer der Flugzeuge von 15 auf 20 Jahre erhöht und die Abschreibungswerte angepasst. Dies führte zu einer positiven Auswirkung von €267 Millionen zwischen Januar und September. Ohne diese buchhalterische Änderung würde das Ergebnis €74 Millionen (oder 11 %) unter dem Vorjahr liegen.

Laut Management haben die verschiedenen Streiks in den ersten neun Monaten €105 Millionen gekostet. Somit wäre das bereinigte operative Ergebnis ungefähr €30 Millionen (oder 5 %) höher als im letzten Jahr. Die wichtigsten Gründe sind weniger Restrukturierungs- und andere einmalige Projektkosten sowie eine Reduktion der Treibstoffkosten.

Als Folge hat das Unternehmen seine Prognose von €1 Milliarde operativem Ergebnis für 2014 bestätigt – vorausgesetzt es gibt keine Streikkosten mehr.

2.  Die Branchenlage bleibt schwierig

Nun die schlechte Nachricht: Die Lage der Luftfahrtindustrie generell und die Position von Lufthansa innerhalb der Industrie bleiben eine Herausforderung.

Während die weltweiten Volumen, gemessen in verkauften Passagierkilometern bzw. „Revenue Passenger-Kilometer“ (RPK), in den ersten acht Monaten um 5,8 % gestiegen sind, konnte Lufthansa ihre RPK nur um 2,6 % erhöhen. Das weltweit stärkste Wachstum – mehr als 12 % – konnten die Airlines im Nahen Osten aufweisen.

Außerdem stand dem Großteil des Volumenwachstums eine 2,2-prozentige Kapazitätserhöhung, gemessen in angebotenen Sitzkilometern (ASK), gegenüber. Als Ergebnis hat sich der Sitzladefaktor nur geringfügig von 80,3 % auf 80,6 % verbessert.

Zudem gibt es einen starken Preisdruck und die Durchschnittserlöse sind um 3,6 % gesunken. Als Beispiel: Lufthansa hat sich entschieden, die Linie Frankfurt-Abu Dhabi zu streichen, weil sie wegen der aggressiven Konkurrenten aus dem Nahen Osten immer unwirtschaftlicher geworden ist.

Um ihren Gewinn zu erhöhen, arbeitet die Firma ständig an Kostenreduzierungen. Ihr langfristiges Geschäftsoptimierungsprogramm „SCORE“ – ein Akronym für „Synergies, Costs, Organisation, Revenue, Execution“ – wird sowohl 2014 als auch 2015 voraussichtlich über €1 Milliarde Effizienzeinsparungen generieren. Lufthansa plant auch ihren IT Infrastructure Geschäftsbereich im Rahmen eines Outsourcings bei IBM einzubringen. Dies würde eine jährliche Einsparung von €70 Millionen bedeuten. Gleichzeitig sind zwei ihrer größten Kostenpositionen – Treibstoff- und Arbeitskosten – kompliziertere Probleme.

Auch wenn die Treibstoffkosten in den letzten Monaten stark gesunken sind, kann Lufthansa nur eine geringe Reduzierung bei diesen Kosten erzielen. Der Grund dafür ist, dass 79 % ihrer Treibstoffkosten 2014 – und 65 % ihrer Kosten 2015 – bei einem relativ hohen Preis abgesichert sind.

Bei den Arbeitskosten steht das Unternehmen in einem langwierigen Konflikt mit den verschiedenen Gewerkschaften – vor allem mit der Gewerkschaft der Lufthansapiloten „Vereinigung Cockpit“. Dabei geht es um die Vorruhestandsregelung der Piloten und um den geplanten Anstieg der Billigflieger-Flüge durch Germanwings und Eurowings, bei denen Piloten weniger verdienen. Bisher mussten Reisende im Jahr 2014 sieben Streiks erdulden – der längste im April dauerte drei Tage – und es ist kein Ende in Sicht. Laut Schätzung des Unternehmens haben die Streiks bis Ende Oktober €170 Millionen gekostet.

Lufthansa ist nicht alleine mit diesen Problemen: Air France/KLM (FRA: AFR) hat auch versucht, mehr Flüge zu ihrer Billigfliegergesellschaft Transavia zu schieben; nach einem zweiwöchigen Streik im September – der mehr als €400 Millionen gekostet hat – wurden die Pläne aufgegeben.

Das Blatt könnte sich jedoch wenden: Laut einer aktuellen Umfrage ist mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung gegen die streikenden Piloten. Je länger Lufthansa dem kurzfristigen Druck des Streiks widerstehen kann, desto besser stehen die Chancen, dass das Unternehmen einen Deal mit erheblichen langfristigen Vorteilen verhandeln kann.

3.  Die Prognose für 2015 wurde gesenkt und die Dividende wackelt

Schließlich ein Doppelpack von unerfreulichen Nachrichten: Die Firma hat ihre Prognose für das Jahr 2015 von €2 Milliarden operativem Ergebnis auf „deutlich über dem Vorjahr“ reduziert, was meiner Meinung nach alles zwischen ein und zwei Milliarden Euro bedeuten könnte. Die wichtigsten Gründe dafür sind die oben genannten Herausforderungen in der Branche, besonders der starke Preisdruck, die steigenden Arbeitskosten und die allgemein abschwächenden gesamtwirtschaftlichen Wachstumsprognosen.

Zudem hat Lufthansa gewarnt, dass die Dividende für 2014 wegen geänderter Zinssätze und Restrukturierungskosten aus dem Verkauf ihrer IT-Sparte an IBM gesenkt werden könnte.

Dies wäre nicht das erste Mal, dass Lufthansa ihre Dividende kürzt. In den letzten zehn Jahren gab es zwei Jahre ohne Dividende. In den anderen acht Jahren war die Dividendenrendite jedoch immer über 2,7 % und zweimal war es über 6 %. Eine Dividendenwarnung in einem Jahr, in dem die ursprüngliche Erwartung nur leicht über 3 % Dividendenrendite lag und in dem der Aktienkurs ganz tief liegt, weist darauf hin, dass die Firma Cashflow Probleme hat. Ein Blick auf die Kapitalflussrechnung bestätigt es: Im Vergleich zum Vorjahr ist der operative Cashflow knapp €1 Milliarde gesunken und der Free Cashflow beträgt nur €229 Millionen – 2013 waren es über €1,5 Milliarden.

Fazit

Die Probleme von Lufthansa sind noch nicht ausgestanden. Auch wenn die Firma einige Fortschritte bei der Kostensenkung erzielt hat, die Marktlage bleibt sehr schwierig und es sind keine wesentlichen Katalysatoren in Sicht, die eine Änderung ihrer Position innerhalb der Branche abzeichnen würden. Im Ergebnis bleibe ich bei meiner ursprünglichen Bewertung und würde Lufthansa nicht als eine langfristige „kaufen und halten“ Investition empfehlen.

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Miklos Szekely besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt Aktien von IBM.

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